Der unsichtbare Feind am Himmel

INGRID LIEZ …

Vor ein paar Tagen blieb ich vor einem Spätfilm im Fernsehen hängen: „Good Kill“ von Regisseur Andrew Nicol mit Ethan Hawke in der Hauptrolle. Es hatte mich im wahrsten Sinn des Wortes gepackt, so dass ich auch die anschließende Dokumentation ansehen musste. In beiden Beiträgen ging es um den Einsatz ferngesteuerter Drohnen seitens der USA in Pakistan, Irak, Jemen und anderen Ländern, wo Amerika „Krieg gegen den Terror“ führt. Im Film spielt Ethan Hawke den jungen Major Thomas Egan von der Air Force, der in einer Air Base bei Las Vegas in einem klimatisierten Container sitzt und per Fernsteuerung die Drohnen im Nahen Osten lenkt. Wie in einem Computerspiel-Krieg schießt er auf Befehl Bomben auf konkrete Ziele ab und verursacht Tod und Zerstörung, Tausende Kilometer entfernt. Dass manchmal auch Unschuldige dabei ihr Leben lassen, wird zwar missbilligt, als „Kollateralschaden“ jedoch in Kauf genommen. Bei diesem abstrakten Krieg mit dem Joystick, aus der Distanz geführt, bei dem die Opfer, ob „Kombattanten“ oder „Non-Kombattanten“ keine Chance haben, hört man noch nicht mal den Knall der Explosion und zählt nur noch die Leichen, wenn der Rauch sich verzogen hat. Sein Job geht dem Familienvater schließlich so nah, dass er den Boden unter den Füßen verliert: Er beginnt zu trinken, ist ständig geistig abwesend, seine Frau verlässt ihn mit den Kindern.

Der Film thematisiert ein brandaktuelles Thema. Seit 2004 führt die CIA Drohnenangriffe als verdeckte Kampagne im Rahmen des Kriegs gegen den Terror durch. Die Drohnen greifen Ziele an, meist um von den US-Behörden identifizierte Terrorverdächtige gezielt zu töten. Präsident Obama selbst behauptet, der Einsatz von unbemannten Drohnen sei die zugleich “präziseste” und “schonendste” Waffe im Kampf gegen den Terrorismus, denn sie verursache nur geringe Kollateralschäden, heißt es in einem Artikel in der “Zeit“ vom Dezember 2014. Jedoch: Der Drohnenkrieg ist ein brutaler, aus dem Hinterhalt geführter Kampf, der sich nur so lange lohnt, wie der Gegner selbst nicht über die Drohnen-Technologie verfügt. Menschenrechtsorganisationen haben Beweise dafür gefunden, dass es sehr viele unschuldige Opfer gibt und bezeichnen diesen Krieg als eine Völkerrechtsverletzung. Kritik auch an Deutschland wurde laut, als publik wurde, dass Einsätze z. B. in Afrika von einer US-Air Base auf deutschem Boden aus geflogen wurden. (vgl. sueddeutsche.de vom 30. 5. 2013).

Der Film stößt ins Zentrum der momentanen weltweiten Diskussion um das Für und Wider der Drohnenkriege. Wie unmenschlich und unmoralisch machen sie den Krieg? Über die Befehlskette ist nicht viel bekannt. Wie wird eine Person zum Ziel eines Drohnenangriffs? Präsident Obama gebe an, über jeden Einsatz persönlich zu entscheiden, liest man auf zdf.de. Die ZDF-Dokumentation diskutiert jedoch das Vorgehen der CIA, wenn Personen allein aufgrund äußerer Merkmale wie „männlich, erwachsen, bewaffnet, mit Bart“ den Status von Verdächtigen bekommen. Dies wird auch im Film „Good Kill“ deutlich gemacht, wenn Tommy Egan das Feuer auf eine Gruppe von Männern eröffnen muss, die sich einfach nur auf einem öffentlichen Markt versammelt haben.

Nach allem, was ich jetzt über den Drohnenkrieg weiß, denke ich, dass ihr tödlicher Einsatz Wut und Hass bei den Gegnern eher schüren als helfen, den Konflikt zu beenden. Und Gnade uns Gott, sollten eines Tages die Taliban oder etwa die Al-Qaida Kampfdrohnen in die Finger bekommen.

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