Neuerscheinung: Jahresband zur Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf

jahrresband sad 1Landrat Thomas Ebeling überreichte den ersten Jahresband an Bürgermeister Richard Tischler für die Bücherei der Stadt Pfreimd.

 

SCHWANDORF (sr). Am 3. Mai wurde der neue Jahresband zur Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf im Bürgersaal der Stadt Pfreimd der Öffentlichkeit vorgestellt. Festlich umrahmt vom Orchesterverein Pfreimd konnte Landrat Thomas Ebeling neben den Autoren auch eine Vielzahl von Kulturakteuren und Bürgermeistern willkommen heißen.

Seit 1990 gibt es den Jahresband nun schon, seit 2001 als Doppelband alle zwei Jahre. Das war die Doppelnummer 12/13. Seitdem wird also in einem Jahre geschrieben, im anderen werden die Beiträge vorgestellt. Etwa 100 Autoren haben in den letzten mehr als 25 Jahren dazu beigetragen, daß die Vermittlung von Kultur und die Geschichte im Landkreis ein offizielles Organ hat, das eben nicht von Vereinen oder Verlagen getragen wird.
Über 100 Autoren: das bedeutet auch, daß es sich nicht auf die „üblichen Verdächtigen“ der Heimatpfleger beschränkt, sondern die Beiträge immer wieder zwischen Familienforschung und universitärem Anspruch changieren können.
Und das soll ja auch so sein.

Vor zwei Jahren war die Vorstellung des Jahresbandes in Nittenau, genauer gesagt, in Hof am Regen. Frau Dr. Berwing-Wittl hat diese Aufgabe nach 25 Jahren in die Hände des Landkreises zurück gelegt.

Es gibt eine kleine Neuerung beim aktuellen Band: Beim Rückentitel ist jetzt nicht nur die Jahreszahl, sondern auch die Bandangabe beigefügt. Dies ist eine kleine Hilfestellung, wenn man einen bestimmten Beitrag sucht. Ein Autorenregister der vergangenen 25 Bände ist als eine ähnliche Hilfestellung gedacht. Aus Platzgründen mußte auf ein Ortsregister verzichtet werden.

Nun zum neuen Band: 18 Autoren haben dazu beigetragen – und jeder Sammelband ist so gut wie seine Autoren. 18 Autoren bedeutet jetzt auch, daß ich es bei der Vorstellung der einzelnen Beiträge bei einigen Schlaglichtern belasse, um Sie auf die anderen Autoren noch neugieriger zu machen. Natürlich gilt der erste Blick dem eigenen Beitrag, ob die Bilder, die Bildunterschriften, die Trennungen etc. stimmen; ärgerlich, wenn etwa ein Fehler stehen geblieben ist, den man eigentlich ausgemerzt dachte. Deswegen gleich eine Entschuldigung, falls dieser Fall eingetreten wäre. Wir hatten intern etwa 6 Korrekturphasen nach dem ersten Setzen; realistisch kann also so gut wie nichts mehr drin sein – trotzdem, verzeihen Sie es mir, wenn ich etwas übersehen habe.
Die Beiträge umspannen die Zeit von Frühgeschichte bis 20. Jahrhundert, also gute 5000?? Jahre; die Anordnung der Beiträge (und das habe ich zum ersten Mal bemerkt …) ist aber nicht chronologisch, sondern alphabetisch. Somit macht das 20. Jahrhundert den Anfang. Lorenz Burger, der 2 Jahre Volontär beim Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen war, hat sich einen Aspekt mit aktueller Relevanz gesucht; während der sog. „Flüchtlingskrise“ hat er einen Blick zurück auf Unterbringung und Lebenssituation der Flüchtlinge vor 70 Jahren getan. Der Charlottenhof, ein Jagdschloß des 19. Jahrhunderts in der Nähe von Schwandorf, war nach 1945 nicht nur Wohnort, sondern auch Schulort für die Kinder gewesen. Übergangsklassen für „annähernd Analphabeten“ sollten den Zugang zu den regulären Klassen erleichtern, und dies betraf über 50 Kinder zu Beginn. Bis 1953 bestanden diese Schule und die Unterkunft – wie so oft sind manche Provisorien recht langlebig.

Silvia Codreanu-Windauer wurde um ihre Laudatio zur Verabschiedung Ernst Thomanns als Kreisarchäologiepfleger in Nabburg gebeten, und in dieser lebendigen Form belassen, samt allen doppelten und dreifachen Ausrufezeichen!!! Wir erfahren daraus nicht nur den archäologischen Werdegang Ernst Thomanns, sondern auch gewissermaßen seine Philosophie, sich nicht nur über die eigenen Funde zu freuen, sondern als Quellen einfließen zu lassen in die Arbeit des Landesamts für Bodendenkmalpflege, weil nur dann gewährleistet werden kann, die Artefakte richtig zu bewerten. Dies hatte den Nebeneffekt, daß sich auch andere dazu anregen ließen den Boden zu betrachten und von der Begeisterung „angesteckt“ bzw. „infiziert“ wurden. Herr Thomann bleibt aber nun im „Ruhestand“ auch nicht auf dem Sofa sitzen, und so werden wir evtl. im nächsten Band wieder einige seiner Beobachtungen und Bewertungen lesen dürfen.

Kurt Engelhardt, einer seiner beiden Nachfolger im Amt des Kreisarchäologiepflegers, tritt sein Erbe auch als Autor an (Herr Schaller hat uns auf den kommenden Band vertröstet, wenn eine Maßnahme abgeschlossen sein wird, die er betreut). Das rätselhafte Metallbeil, das in Iffelsdorf, einer sensationellen Fundstätte der …Zeit hier ums Eck, im Süden von Pfreimd, gefunden wurde, ist in der Tat etwas Spektakuläres. Die Spurensuche, auf der wir ihn als Leser begleiten dürfen, ist an sich schon spannend, und auch das Ergebnis aller Überlegungen nicht ohne! Lesen!

Helmut Friedl, auch für ihn heute ein Heimspiel, klärt uns über die Münzstätten der Leuchtenberger auf. Daß Pfreimd keineswegs die unscheinbarste Stadt im Landkreis ist, sehen wir heute recht eindrucksvoll. Auch die Landgrafen von Leuchtenberg, „als vornehmstes und bedeutendstes Geschlecht auf dem Gebiete der heutigen Oberpfalz“ hatten sich eine herausragende Stellung erarbeitet und schließlich kurzzeitig die Grafschaft Hals (vor Passau) erworben.
Bereits 1367 hatte Kaiser Karl IV. den Leuchtenbergern das Münzrecht gegeben. Die Pfreimder Münzstätte bestand im 15./16. Jahrhundert und hat sehr schöne Münzen hervorgebracht.

Elisabeth Gäde hat sich dem Zusammenhang von Gögglbach und Wien gewidmet. 1028, vor fast 1000 Jahren, sind in einer Traditionsnotiz des Kloster St. Emmeram in Regensburg einige Namen und zur Ausstattung ein Weinberg genannt, möglicherweise in  Simmering / Wien. Und es gelingt ihr ganz wunderbar, mit einem Blick für die Details innerhalb der recht spärlichen Überlieferung eine anscheinend lückenlose Beweiskette darzulegen. Im Ergebnis sehen wir eine weit vernetzte Adelsfamilie und die Auswirkungen weltpolitischer Ereignisse auf die „kleine“ Geschichte von Klosterinsassen in Regensburg.

Jörg Gebert hat sich auf Anregung von Gerhard Grünwald mit dem Kruzifix auf dem Kreuzberg in Schwandorf auseinandergesetzt. Herr Gebert wird über den Konvolut von Figuren aus dem Eisengusswerk Bodenwöhr promovieren und ist deswegen sicherlich momentan die beste Adresse, wenn es um Einordnung in die Produktion aus Bodenwöhr geht. Er kommt zu dem Ergebnis, daß die große Figur tatsächlich dem Werkkreis zuzuordnen ist, und zwar auf einen  Entwurf „nach Schwanthaler“ zurückzuführen ist.
Gerhard Grünwald weist in seinem Beitrag auf die Geschichte des Kreuzbergs hin, der bereits früh mit einer Kapelle ausgezeichnet worden war und früher den Namen Spielberg trug, vielleicht im Zusammenhang mit dem Spital, ein weicheres „spitlberg“.

Andrea Lamest, neue Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses, haben wir gebeten, ihre Institution (nicht vorzustellen, da es ja sehr bekannt ist) und ihre Intention darzustellen; inwieweit sie eine Akzentverschiebung oder Neuausrichtung plant. In der Kontinuität des Hauses bzw. der beiden Häuser I und II ist tatsächlich eine neue Betonung der grafischen Techniken zu erkennen, auch der Austausch bzw. die Präsenz der künstlerischen „Welt“ in Schwandorf lässt hoffen, daß hier Impulse weit über die Stadt Schwandorf in den Landkreis und darüber hinaus wirken.

Adrian Lang ist sicherlich einer breiten Bevölkerung bekannt, betreut er doch die Mineraliensammlung in Schwarzenfeld und ist einer der Fachleute für heimischen Stein. An seinem Thema, dem Flussspatbergbau in der Region Schwarzenfeld-Nabburg, ist abzulesen, wie breit gefasst „Kultur und Geschichte“ gefasst werden kann und muß. Die Vorkommen von Flussspat waren  wirtschaftsgeografisch für die Region wichtig, wurden abgebaut und ihre Schächte nun weitgehend geschlossen, die Gebäude vielfach abgebrochen; nur weniges ist davon von einem kundigen Auge zu entdecken. Um so wichtiger ist ein Beitrag über Wölsendorfit (Rückseite!) und Co., die auch die Schönheit der Formationen vermitteln und die Faszination für Mineralien erklären können.

Jakob W. Rester hat seiner Heimatpfarrei einen langen Artikel gewidmet. Die „kunsthistorischen Rätsel“, soviel sei verraten, werden erst im zweiten Teil, also in zwei Jahren, aufgelöst werden. Grundlegend war im ersten Teil erst einmal, die Bau- und Renovierungsgeschichte der Fischbacher Jakobskirche auf ein solides quellenbasiertes Fundament zu stellen. Allzuoft wird immer wieder abgeschrieben und damit ungesichertes Wissen weitergegeben. Wir hoffen, daß man zukünftig vor Denk und Knott Rester und den Jahresband zu Rate ziehen wird.

Jakob Scharf hat ein bislang unerforschtes Stück Heimatgeschichte aufgearbeitet. Für das Schulbeneficium in Steinberg am See konnte er auf (leider noch ungeordnetes) Material aus dem Pfarrarchiv zurückgreifen. Überblicks-Arbeiten zur Oberpfälzer Schulgeschichte können im Grunde nur auf der Basis von regionalen Mikrostudien aufbauen. Scharf, selber Lehrer, kennt natürlich auch die Sprüche über den frierenden „nackerten Schullehrer“, und entsprechend würzt er seinen Beitrag auch mit entsprechenden sozialhistorischen Einblicken.

Ludwig Schießl, auch er ein Lehrer, hat sich der Dialektforschung und gleichzeitig der Pflege des Dialekts verschrieben. Wir wissen, daß Dialekt mehr ist als nur eine bayerische Färbung des Hochdeutschen und auch kein abgesunkenes Kulturgut oder verderbte Sprache. Seit langem sammeln er und der Heimatkundliche Arbeitskreis Oberviechtach das, was man früher gesagt hat und aus unterschiedlichen Gründen im Rückzug ist. Schießl geht den Weg des Sammelns, Ordnens, Erklärens  und Kommentierens. Es entsteht derzeit ein Oberviechtacher Wörterbuch, das gleichermaßen auf Bedeutung und Bezeichnung abzielt, das sich also auf die Fahnen geschrieben hat, ein Lesebuch mit dem Anspruch, den Wortschatz vollständig nach Sachgruppen darzustellen, zu sein.

Prof. Alois Schmid war Festredner beim Jubiläum „1000 Jahre Schwarzenfeld“ und hat uns dankenswerterweise seinen Vortrag zur Verfügung gestellt. Wie an vielen Orten war König bzw. Kaiser Heinrich II. derjenige, dessen Lichtkegel auf Siedlungen fiel, die damit eine Art von Taufschein erhielten. Zur Gründung des Bistums Bamberg 1007 kam die Übertragung von vielen Gütern und der Beginn von Verwaltungseinheiten. Dies war in Nittenau 1007 ebenso der Fall wie in Schwarzenfeld 1015. Die formale und inhaltliche Darlegung dieser Kaiserurkunde ist ein Lehrbeispiel, das man jedem Erstsemester zur Verfügung stellen sollte, und unterhaltsam zu lesen.

Hubert Süß gibt in seinem Artikel über die Kolomankapelle in Warmersdorf (Titel!) einen Überblick über Warmersdorf und die Renovierungs¬geschichte des Kirchleins. Die Verehrung des irischen Pilgers Koloman ist bei uns eher weniger gebräuchlich, er wurde 1012 in Österreich hingerichtet. Der kleine Ort Warmersdorf hatte mit seiner kleinen Wegekapelle aber einen bescheidenen Wallfahrtsort, der in der Bevölkerung bis heute wertgeschätzt wird. Die Renovierung 2014 ist in einem Buch zusammengefasst, das Hubert Süß herausgegeben hat.

Hubert Teplitzky ist mit seiner Beschreibung der Faschingsbräuche im Oberviechtacher und Schönseer Land in einem anderen Terrain. Manche Bräuche werden ja belebt, um für die staunenden Fremden Heimatkultur zu zeigen; dies scheint in seinem Beitrag nicht durch. Faschingsbelustigungen werden schon seit vielen Jahrzehnten auch geschmäht und bestehen trotzdem fort. Einen Status quo zu dokumentieren scheint daher überaus sinnvoll.

Ludwig Weingärtner hat eine ausführliche Hausgeschichte über eines der prägenden Bauten am Schwandorfer Marktplatz geliefert. Das „Benglerhaus“, so benannt nach einem späteren Besitzer, wurde nach der Mitte des 16. Jahrhunderts in Stein errichtet, der Vorgänger war wohl aus Holz und dem Stadtbrand 1504 zum Opfer gefallen. Eine lückenlose Besitzergeschichte kann denn auch zeigen, wie und wann die Metzgerei eingerichtet wurde, als die es in den letzten 200 Jahren bekannt war. Auch hier zeigt sich wieder, wie viel saubere  Quellenarbeit leisten kann, vor allem wenn man sie mit Befunden am Gebäude in Einklang bringen kann.

Hans-Peter Weiß ist Chronist der „Bombennacht“ in Schwandorf, der 17. April 1945. Hier schließt sich der Kreis (fast) zum ersten Beitrag von Lorenz Burger. 70 Jahre nach Kriegsende werden Augenzeugenberichte rar, daher ist die Dokumentation aller Erinnerungen, wie sie auch in den Bericht von Hans-Peter Weiß einfließen konnten, wertvoll.

Alfred Wolfsteiner schließlich, aufgrund des Namens fast immer Schlusslicht, hat ein eigenes Büchlein über den berühmtesten Schwarzhofener Johann Nepomuk von Ringseis geschrieben. Speziell die Erinnerungen an die Heimatstadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind ausgegliedert und daher im Jahresband bestens aufgehoben. Ringseis, Arzt und u.a. Berater König Ludwig I. von Bayern, wurde 95 Jahre alt, und hat, in München lebend, die Verbindung zu seinem Heimatort nicht aufgegeben. Wichtig war ihm die Pfründestiftung, die seine Tochter noch zu seinen Lebzeiten einrichtete.

Ein großer Dank gilt Martin Neft für die Geduld und die Bereitschaft, immer wieder über alle Beiträge drüberzuarbeiten.

Der Jahresband ist ab sofort zum Preis von 15,- Euro in allen Buchhandlungen und am Landratsamt Schwandorf erhältlich.

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