Internet- und Mediensucht: Die Krankheiten der Zukunft?

Techniker Krankenkasse informiert …

Online-Spiele und soziale Netzwerke haben für Kinder und Jugendliche Suchtpotential. „In der digitalen Welt von heute ist der Übergang vom Spiel zum exzessiven Konsum häufig fließend“, so Christian Bredl, Leiter der Landesvertretung Bayern der Techniker Krankenkasse (TK). Er hat aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes ausgewertet und stellt eine starke Zunahme von psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen fest. „19.786 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren aus Bayern wurden 2014 stationär wegen einer psychischen oder Verhaltensstörung behandelt. Das sind 30 Prozent mehr als 2007, das Jahr, in dem die Smartphones ihren Siegeszug antraten“, sagt Bredl.

WhatsApp, Twitter, Facebook und sonstige soziale Netzwerke sind heute allgegenwärtig. Das verändert die Familien und die Gesundheit der jungen Menschen, die zu den Hauptnutzern zählen. Internetsucht, Mediensucht und Cybermobbing drohen zu den Krankheiten der Zukunft zu werden. Laut Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung sind bei den 14- bis 16-Jährigen mittlerweile 100.000 internetabhängig. Mindestens jeder fünfzigste junge Mensch ist erheblich gefährdet, abhängig zu werden. Die unmittelbare Folge: Sie können sich schlechter konzentrieren und sind kaum noch leistungsfähig. Das berichtete Professor Gerd Schulte-Körne vom Universitätsklinikum München der TK.

Smartphones und Handys werden zunehmend für Cybermobbing missbraucht. Befragt man junge Menschen, sagen mehr als 10 Prozent, dass sie über SMS oder WhatsApp Nachrichten mit gewalttätigen oder obszönen Inhalten bekommen haben. Das trifft auf Mädchen häufiger zu als auf Jungs und es hat enorm zugenommen. Ängste oder depressive Tendenzen von Jugendlichen mit emotionalen Problemen verstärken sich.

Sowohl Eltern als auch die Lehrkräfte sind häufig mit der Problematik überfordert. „Familien und Schulen benötigen mehr Hilfen“, erklärt Christian Bredl. „Deshalb setzt die TK sich mit dem Projekt ‚Netzgänger 3.0‘ dafür ein, dass Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren lernen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden“. Dabei vermitteln nicht Lehrer die Inhalte, sondern Schüler der zehnten Klassen werden ausgebildet und geben ihr Wissen an die jüngeren Schüler weiter. So kann einer gesundheitsschädlichen Mediennutzung der Kinder der Kinder und Jugendlichen präventiv vorgebeugt werden.

Hinweis:

Das komplette Interview mit Professor Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Klinikum der Universität München sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (DGKJP), ist zu finden unter www.tk.de/tk/723022.

Näheres zum Präventionsprojekt „Netzgänger 3.0 – Sicher durch die digitale Welt“ unter www.tk.de/tk/921456.

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