“Amani, schön dass wir nun Freunde sind”

Michael Goldbach (Dritter von rechts) ist im Vorstand des Vereins “flying help”, hier zusammen mit Ehrenamtlichen und einigen Flüchtlingen, die der Verein betreut. Foto: oen

 

FOS-BOS und Berufsschule Schwandorf präsentieren ihr Kinderbuch über Flucht, Begegnung und Integration

SCHWANDORF (oen). “Heimat. Was ist Heimat?” Mit dieser Frage eröffneten die Schüler und ihre Unterstützer die Lesung ihres selbst gestalteten Kinderbuches “Amani, sieh nicht zurück“ vor über 100 Gästen im Foyer der Sparkasse Schwandorf. Und gaben selbst die Antwort: “Heimat ist da wo wir zuhause sind. Was aber ist wenn man seine Heimat verlassen, gar fliehen muss?” Flucht und Vertreibung bewegen unsere Gesellschaft. Deutschland wird zum sicheren Zufluchtsort für viele Kriegsflüchtlinge. “Wir Bürger haben in Deutschland eine starke Willkommenskultur aufgebaut. Wir sind Vorbild in Europa. Viele von uns haben die Erfahrung der eigenen vertriebenen Eltern nach dem Krieg, wo unser Land 12 Millionen Flüchtlinge aufnahm. Und wir haben 70 Jahre Demokratieerfahrung. Eine Erfahrung, die wir alle täglich auf`s Neue pflegen und verteidigen müssen. An Osteuropa sehen wir, was passiert wenn man diese nicht hat” so Harald Zintl von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Regionalbüro Regensburg.

Viele Familien besonders aus dem arabischen Raum kommen zu uns. “Ihre Kinder gehen in unsere Kindergärten und Schulen. Unsere Kinder lernen, spielen und leben mit ihnen. Sie fragen sich `Wer ist mein neuer Banknachbar`? “so Michael Goldhahn vom Verein flying-help.de aus Nittenau. Ein Verein, der seit über 20 Jahren Hilfsarbeit für Flüchtlinge in Europa leistet und im Lkr. Schwandorf ein großes Netzwerk an ehrenamtlichen Integrationshelfern hat. Und der maßgeblich die Lesung organisierte.
Katrin Holle vom Verlag neuDenken aus Regensburg kam die Idee, dass ein Kinderbuch ein passendes Medium wäre, das die vielen Fragen der Kinder altersgerecht beantwortet. Sie fand in Werner Nagler, Lehrer an der Berufsschule Schwandorf und einem Kreis interessierter einheimischer und arabisch stämmiger Schüler die idealen Mit-Autoren. Und so wurde gemeinsam erzählt, geschrieben, gelacht und gezeichnet.

Katrin Holle (am Tisch links) und einige Kinder lasen die Texte, auch auf arabisch. Musiker Carl Dischler begleitete die Lesung in der Sparkasse unter anderem mit Beatles-Songs. Foto: oen

Katrin Holle ist begeistert von dieser Form der gemeinsamen Buchgestaltung: “Das Buch soll Begegnungen zwischen Menschen schaffen. Bei der Erstellung des Textes ist das bereits gelungen. Wir fragten uns, was unsere Wünsche wären, wenn nichts in unserem Leben mehr so ist, wie es einmal war? Uns nichts mehr bleibt, bis auf den Traum von einer sicheren Zukunft? Wir würden uns Frieden und Geborgenheit wünschen. Uns danach sehnen, dass es Menschen gibt, die Verständnis für uns zeigen und uns ihre Hilfe anbieten. Wir würden wollen, dass man uns mit Respekt begegnet. Aber oft sind es Vorurteile und Angst vor Fremden, die ein Aneinanderrücken unmöglich machen. Es bleiben Distanzen.”

Die Schüler wollen der Öffentlichkeit mit dem Buch „Amani, sieh nicht zurück“ eine Wahrheit offenbaren, die man zwar in den Medien fast täglich sieht und hört, sie aber dennoch nicht mehr in ihrer grausamen Wirklichkeit wahrnimmt. Bei der Erstellung des Textes erzählten Jugendliche, trotz ihrer traumatischen Erlebnisse auf der Flucht, ihre Geschichten. Herausgekommen ist ein schönes und lesenswertes Buch mit Zeichnungen in deutscher und arabischer Sprache.

1000 Exemplare des Buches werden dank der Unterstützung durch Stiftungen kostenlos an Oberpfälzer Kindergärten und Schulen verteilt.
Käuflich ist es in allen Buchhandlungen oder direkt beim Verlag: www.neudenken-media.de/produkt/amani-sieh-nicht-zurueck

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