Finissage und Lesung “ARbeitT Kohle“ im Braunkohlemuseum

 

Der Vorsitzendes des HAK Jakob Scharf dankte Altlandrat und Schriftsteller Dieter Liebig mit der Gesamtausgabe „Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf“ sowie einem hochprozentigen Steinberger „Seewasserl“. Foto: sja

STEINBERG AM SEE (sja): Die „Lesung“ von Altlandrat Dieter Liebig aus dem Schwandorfer Partnerlandkreis Görlitz stand im Mittelpunkt der Finissage – der ersten seit Bestehen des Braunkohlemuseums- zur Ausstellung „ARbeitT Kohle“ mit Bildern des Oberlausitzer Kunstvereins. Der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Jakob Scharf thematisierte dabei die derzeitige unangebrachte „Verteufelung“ der Kohle als Energieträger.

Im Beisein von Landrat Thomas Ebeling, der Altlandräte Hans Schuierer und Volker Liedtke, der als Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes gekommen war, Kulturreferent Franz Pfeffer, des Knappenvereins Wackersdorf sowie Vertretern des Kulturamtes und des Kunstvereins Görlitz, zog Scharf auch Parallelen zur Situation im Raum Wackersdorf nach dem Ende der BBI 1982 und der Lage rund um Görlitz jetzt. Er wünschte den Gästen aus dem Partnerlandkreis „ nach dem erfolgreichen Widerstand gegen die WAA ein ähnliches Happyend wie bei uns“. Michaela Franke, die Vorsitzende der Regionalgruppe Görlitz, nannte die Ausstellung in Steinberg „ein völlig neues Erlebnis“, da es bestens gelungen sei, die Bilder voll in die Exponate des Museums zu integrieren. Der Besucher müsse rätseln, was ein Ausstellungsstück , was Kunst sei. Besonders gefreut habe sie der „Wiedererkennungswert“, da die Motive in der BBI und im Tagebau um Görlitz fast identisch seien. Bürgermeister Harald Bemmerl führte aus, dass in der Gemeinde Steinberg am See seit Ende des im Museum dokumentierten Kohleabbaus vieles erreicht worden sei und Bürgermeister Jakob Scharf in drei Jahrzehnten die Weichen für eine attraktive Wohn- und Tourismusgemeinde richtig gestellt habe. Man werde diesen Weg einer früheren Industriegemeinde hin zum Erholungsgebiet für Einheimische und Gäste mit neuen Ideen fortsetzen .Landrat Thomas Ebeling lobte die Arbeit der Steinberger Museumsfreunde und freute sich über den gelungenen Beitrag zur Partnerschaft beider Landkreise. Der Zweckverband Oberpfälzer Seenland sei ein Resultat des Kohleabbaus und der Rekultivierung. Altlandrat Hans Schuierer plauderte „aus dem Nähkästchen“ über die Entstehung der Landkreispartnerschaft und bekannte sich zu einer persönlich engen Verbindung zum Bergbau, zumal sein Vater Betriebsrat in der BBI war. Auch er dankte dem Heimatkundlichen Arbeitskreis für seine bemerkenswerten Aktivitäten.

Altlandrat Dieter Liebig, früherer Pfarrer und jetzt kreativer Schriftsteller, zeigte die Situation des Bergbaus zu DDR-Zeiten und nach der Wende auf. Er ging speziell auf die „Entsiedelung“ bzw. „Devastierung“ von Deutsch-Ossig – seiner Pfarrei- 1988 ein, wo der Großteil des Dorfes wegen des Braunkohleabbaus zerstört wurde, darunter auch historisch wertvolle Gebäude. Der 1994 nach Görlitz eingemeindete Ort weihte 1998 die alte Dorfkirche als Hoffnungskirche ein. Die Umweltzerstörung in seiner Heimat und der vergebliche Kampf dagegen habe sein ganzes Leben geprägt. Als Landrat habe er dennoch für den Erhalt der Arbeitsplätze in Kraftwerk und Grube gestritten. Nach seinem Ausstieg aus der Politik schrieb er an maßgeblicher Stelle am ökologischen Energiekonzept für das „Schwarze Dreieck“ , die Grenzregion zwischen Deutschland, Polen und Tschechien mit, wo die Emmissionen von Schadstoffen zwischen 1989 und 1999 um 80 bis 95 Prozent zurückgegangen sind, so dass man 2009 sogar vom „Grünen Dreieck“ sprach. Momentan sei die Lage im Tagebau Nochten, in dem viele Bilder der Ausstellung entstanden und täglich bis zu 100000 Tonnen Braunkohle gefördert werden, unklar, vor allem was die Umsiedlung mancher Orte betrifft. Eine abruptes Ende des Braunkohleabbaus würde die Menschen in der Region schwer treffen. Wie im Oberpfälzer Seenland entsteht südlich von Weißwasser ein 260 Hektar großer See. Zum Abschluss überreichte HAK-Vorsitzender Jakob Scharf im Namen des Landkreises alle bisher erschienen Jahresbände „Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf“ sowie ein Steinberger „Seewasserl“, während der Schriftsteller aus Sachsen sich mit einigen seiner Bücher für das Museum revanchierte

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