Wir gehen mit den Großen!

INGRID LIEZ …

Mal ehrlich – wissen Sie, was die Abkürzung „KPMG“ bedeutet? In der aktuellen LOKAL-Ausgabe (9.8.17) geht es in einer Pressemitteilung der Burglengenfelder BWG wieder um das Gutachten dieser Münchner Firma zur Finanzsituation unseres Städtchens. Es war wohl eine eher sinnfreie Beurteilung – jetzt geht es noch darum, wer für die immensen Kosten aufkommen soll. Ein Rechtsstreit liegt bereits zurück, doch immer noch sollen statt der ursprünglich geplanten 70.000 € Kosten 145.000 € gezahlt werden. Für die Bürger allgemein ist das Ganze schlecht nachvollziehbar, und auch ich frage mich, was es mit der KPMG auf sich hat. Bezahlt man da etwa den Namen mit?
Die KPMG ist – so ergab meine Recherche – ein internationales Mammut-Unternehmen und Aktiengesellschaft. Sie wird häufig als „Lieblingsarbeitgeber“ für angehende Juristen bezeichnet. Die „KPMG International Cooperative“ ist ein globales Netzwerk aus rechtlich selbständigen Einzelfirmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmens- bzw. Managementberatung. 2014 waren rund 174.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt. Ein Umsatz von 24,4 Mrd. US-Dollar wurde erwirtschaftet. In Deutschland arbeiten 9600 Menschen an 25 Standorten und erwirtschaften einen Umsatz von 1,38 Mio. €. Aus der Entstehungsgeschichte von KPMG ergibt sich die Aufschlüsselung der vier mysteriösen Buchstaben:
Im Jahre 1870 gründete William Barclay Peat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in London. 1890 wurde in Deutschland die „Deutsch-Amerikanische Treuhand-Gesellschaft“ ins Leben gerufen, die ab 1892 unter dem Namen „Deutsche Treuhand-Gesellschaft“ (DTG) firmierte. Einer ihrer langjährigen Vorsitzenden war Reinhard Goerdeler.
1897 gründete James Marwick die Firma Marwick, Mitchell & Co. in New York und fusionierte 1911 mit William Peat (Peat Marwick International, PMI). 1917 entstand eine weitere Firma in Amsterdam, gegründet von Piet Klynfeld, und zwar die „Klynfeld Kraayenhof & Co.“.
1979 schloss sich Klynfeld mit der DTG und einer weiteren amerikanischen Firma zusammen und nannte sich von da an KMG. 1986 fand dann die erste große Fusion der Prüfungsgesellschaften statt – von PMI und KMG. 1987 entstand der Name KPMG. Weitere Zusammenschlüsse folgten. Die KPMG Deutschland hat ihren Hauptsitz in Berlin und ist Gründungsmitglied der KPMG Europe LLP mit Sitz in Frankfurt am Main. LLP bedeutet übrigens „Limited Liability Partnership“ (Begrenzte Haftung) und ist eine Personengesellschaft nach britischem bzw. US-amerikanischem Recht – vergleichbar mit einer deutschen Kommanditgesellschaft ohne Vollhafter. Laut wikipedia.de eignet sich eine LLP dazu, die Namen von beteiligten Personen oder Direktoren geheim halten zu können.
Die KPMG wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet – unter anderem als weltweit attraktivster Arbeitgeber 2010/11. In den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerät die KPMG als Abschlussprüfer immer wieder, wenn sie bei Unternehmen Bilanzierungsfehler feststellt, die durch Manipulationen seitens der Manager entstehen. Jedoch hat sie Vorwürfe, teilweise selbst in Manipulationen verstrickt zu sein, immer zurückgewiesen.
Natürlich gibt es auch Negativ-Schlagzeilen. 2005 erhielt die KPMG USA den Negativpreis „Public Eye Award“. Es ging um Steuerhinterziehung in Höhe von 2,5 Mrd. US-$. Die Klage wurde jedoch fallengelassen, nachdem im Rahmen einer gerichtlichen Vereinbarung die Betrügereien zugegeben und 456 Mio. US-$ Strafe gezahlt wurden. Anderes Beispiel: Beim Verkauf des defizitären Nürburgrings oder auch des verschuldeten Flughafens Frankfurt-Hahn sollten die KPMG-Berater mögliche Käufer als seriös eingestuft haben, die es in Wirklichkeit nicht waren.
Insider-Geschäfte, Gefälligkeitsempfehlungen, Steuerhinterziehung, Union Busting (Be- und Verhinderung von Gewerkschaftsarbeit) – das sind keine positiven Mutmaßungen.

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