Richtstätte am Galgenberg ist bayernweit bedeutendes Denkmal

Ortstermin an der Hinrichtungsstätte am Galgenberg (v.li.): Stadtbaumeister Franz Haneder, Bürgermeister Thomas Gesche und Bauamtsleiter Gerhard Schneeberger. Die Lücke im Mauerwerk ist deutlich zu sehen. Foto: Stadt Burglengenfeld

BURGLENGENFELD (sr). Die Reste der Hinrichtungsstätte auf dem Galgenberg sind ein bayernweit bedeutendes Denkmal. Darauf weist Bürgermeister Thomas Gesche hin. Der Grund dafür: In den vergangenen Wochen wurden offenbar mehrfach einzelne Bruchsteine aus dem Mauerwerk herausgebrochen. Unter der Mauerkrone klafft bereits eine erhebliche Lücke.

„Wir wollen keinesfalls vorschnell falsche Vermutungen aussprechen“, sagt der Bürgermeister. Es sei aber auffällig, dass rund um den Mauerring keine Steine auf dem Boden liegen. Dies, so Gesche, lege zumindest den Verdacht nahe, dass Steine mutwillig herausgebrochen und mitgenommen worden sind.

Bürgermeister und Stadtverwaltung appellieren daher an die Bevölkerung, die Augen offen zu halten: „Es wäre traurig und unverzeihlich, wenn dieses bedeutsame historische Denkmal fortschreitendem Vandalismus zum Opfer fallen würde.“

Das Landesamt für Denkmalpflege datiert die aus Felsstein gemauerte Hochgerichtstätte auf das 14./15. Jahrhundert. Der „Burglengenfelder Gerichtsbarkeit“ ist in der Stadtchronik von Dr. Margit Berwing-Wittl ein ganzes Kapitel gewidmet. Die Kurzfassung: Nach der ersten bayerischen Landesteilung im Jahre 1255 wurde in Burglengenfeld ein Viztumamt errichtet und damit der Sitz eines Hochgerichts, der obersten landesherrlichen Instanz der mittelalterlichen Rechtsprechung. Bis ins frühe 19. Jahrhundert blieb Burglengenfeld die zentrale Stellung als Hauptstadt auf dem Nordgau und ältester wittelsbachischer Herrschaftsmittelpunkt nördlich der Donau erhalten. Die Rede war von Burglengenfeld als Sitz des „gewaltigen Landgerichts auf dem Nordgau“.

Die hohe Gerichtsbarkeit wurde auch als das Blutrecht bezeichnet, also das Recht, Todesstrafen zu verhängen, die an der Hinrichtungsstätte auf dem Galgenberg vollstreckt wurden. Der befestigte Steinkranz dort markiert noch heute die Stelle, an der die Hinrichtungen stattfanden; einstmals war dies ein hoch aufgemauertes Podest mit einem hölzernen Galgen. Hingerichtet wurde seit dem Mittelalter durch den Strang oder durch das Schwert, aber auch durch Vierteilen, Rädern und Verbrennen.

Bauamtsleiter und Stadtführer Gerhard Schneeberger hat recherchiert, dass Burglengenfeld neben Pottenstein in Oberfranken und Wörth in Unterfranken nur einer von drei Orten in Bayern ist, an denen Richtstätten zumindest noch in Teilen erhalten sind. Denn Anfang des 19. Jahrhunderts sollten alle Hinrichtungsstätten in Bayern abgetragen werden. Da in Wörth und Pottenstein nur noch kleinere Reste zu sehen sind, dürfte der Burglengenfelder Galgen der wohl bedeutendste Überrest einer ehemaligen Richtstätte in Bayern sein.

Die Parkanlage Galgenberg ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet, für dessen Aufwertung der Stadtrat im April ein Budget von insgesamt 100.000 Euro beschlossen hat. In den kommenden fünf Jahren soll diese Aufwertung mit verschiedenen Maßnahmen erfolgen. Heuer bereits realisiert wurde ein neuer, eigenständiger Stromanschluss für Veranstaltungen wie das Freilichtspiel „Galgenberg – Richtstätte im Mittelalter“, das Johannisfeuer der Kolpingsfamilie, das Kartoffelfeuer des CSU-Ortsverbands oder die Schnupperkurse des Skiclubs. Dafür wird auch ein neuer Wasseranschluss geschaffen. In Kürze werden zudem acht weitere Sitzbänke aufgestellt.

Das Mauerwerk der Hinrichtungsstätte dagegen kann nicht wie ursprünglich geplant noch in diesem Jahr saniert werden. Grund dafür sind volle Auftragsbücher bei den für diese Aufgabe infrage kommenden Baufirmen. „Es handelt sich wie gesagt um ein historisches Bauwerk mit teils noch historischem Putz und Mörtel. Dafür brauchen wir spezialisierte Firmen“, erklärt Stadtbaumeister Franz Haneder. „Frühzeitig im neuen Jahr“ wolle die Stadtverwaltung hier einen neuen Anlauf starten.

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