Avocadobäume als nachhaltige Entwicklungshilfe

Die Bewohner des Dorfes Udumka begrüßten ihre deutschen Gäste voller Freude

Kisada-Tansania-Verein mit Sitz in Burglengenfeld

BURGLENGENFELD (lz). Der Avocadobaum ist ein Lorbeergewächs. Er hat seinen Ursprung im feuchtwarmen, tropischen Urwald Zentralamerikas. Die Frucht ist aus botanischer Sicht eine Beere und wird auch als Butterfrucht bezeichnet. Der Avocadobaum wächst in Strauchform und sehr schnell. Jeder, der schon einmal einen Avocadokern eingepflanzt hat und etwa zwei Monate Geduld und viel Gießwasser aufgebracht hat, stellt dies fest. Der Keim schießt bei optimaler Pflege aus der Erde und ist schon nach vier Wochen etwa 20 cm groß.

Schneller Wuchs und reichliche Ernte – dies waren die Gründe für Dr. Friedrich Sauter aus Burglengenfeld, der gemeinsam mit Alexandra Mühl und weiteren Helferinnen und Helfern 2010 den „Kisada-Tansania-Verein“ gründete. Er stellte damit den Avocadobaum ins Zentrum eines außergewöhnlichen Entwicklungshilfeprojekts: „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Ziel des Projekts: Ein erfolgreicher Kampf gegen Aids und Armut, sowie nachhaltiges Wachstum. Die Gemeinde Kisada im Südwesten von Tansania (Ostafrika) verteilt sich heute auf 12 einzelne Dörfer. In diesem Jahr wachsen dort erfolgreich 1035 Avocado-, 109 Apfel und 98 Mangobäume. Die Bewohner seien wie beflügelt durch den Erfolg, engagiert bei der Bewirtschaftung und sähen sich auch nach weiteren Erwerbsmöglichkeiten um, so berichtet Friedrich Sauter in einer Pressemitteilung. „Darauf sind wir gemeinsam mit der dortigen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde sehr stolz, und nun konnte erstmalig eine Schülerin aus Kisada durch den Verkauf von Avocadofrüchten finanziell unterstützt werden!“

Voller stolz präsentiert Pfarrer Baraka die ersten Früchte


Warum das alles? Es begann im Jahre 2010.

„Bei unserem ersten Besuch in Kisada, das damals aus 9 Dörfern mit ca. 1200 Einwohnern bestand, konnten wir die Fröhlichkeit, Herzlichkeit, Musikalität und auch Gläubigkeit der Menschen dort, aber auch ihre erschütternde Armut und das Aids-Problem kennen lernen“, erzählt Sauter. „Dies liegt vor allem daran, dass die Mädchen des Dorfes wegen Geldmangels ab einem Alter von 13 Jahren an nicht mehr in die Schule gehen können. Sie werden in die Städte geschickt, um in Haushalten zu helfen. In Wirklichkeit werden sie zur Prostitution gezwungen, infizieren sich mit Aids, kommen später in die Dörfer zurück und stecken andere an.“ Als Folge davon gab es 20% HIV-Infizierte in Kisada. Von kirchlicher Seite aus habe man weiterführende Schulen für Mädchen gebaut, den Eltern fehlte aber das Geld, um einen Schulbesuch zu bezahlen, so berichtet Sauter weiter. „Auch für den Besuch einer staatlichen Schule reicht das Geld oft nicht. Besonders schlimm ist die Lage der verwaisten Mädchen und Jungen, die bei entfernten Verwandten wohnen müssen. Sie haben meist durch Aids ihre Eltern verloren und werden meistens nicht unterstützt.“
Gemeinsam mit dem Dekan der dortigen evangelischen Gemeinde, Anthony Kipangula, dem Pfarrer von Kisada, Pastor Baraka Mbangula, und anderen Beteiligten wurde dann an einem Hilfskonzept gearbeitet. „Es war Dr. Lechion Kimilike, der Akademische Direktor der „Open University of Tanzania“, der die Pflanzung von Avocadobäumen ins Gespräch brachte. Jedes Dorf in Kisada sollte Geld für 100 Avocadosetzlinge erhalten – so das „Minimalziel“. Die Gemeindeglieder sorgen dann für die Pflanzung, für Pflege und Bewässerung.
„Ein Avocadosetzling kostet ungefähr 1,50 €. Das ist für einen afrikanischen Arbeiter sehr teuer, denn er verdient nur 30 Cent am Tag. Wenn aber dann ein ausgewachsener Avocadobaum einen Ertrag von umgerechnet 60 € im Jahr erbringt, dann bedeutet das, dass jedes Dorf in Zukunft 6000 € in diesem Zeitraum erwirtschaften kann!“
Der Pastor, die Verantwortlichen und der Dekan stimmten diesem Vorschlag zu. 2011 startete daher der „Verein zur Verbesserung der Bildungs- und Lebensbedingungen in Kisada, Tansania“, und bei einem weiteren Besuch der Initiatoren im Jahre 2012 wurde ein Vertrag zur Avocadopflanzung unterzeichnet. „Wir machten es aber zur Bedingung, dass 50% der Erträge nur für die Unterstützung der Mädchen sein sollte, der Rest zur freien Verfügung“, so Sauter. Auch die vom Pastor gegründete HIV-Selbsthilfegruppe sollte unterstützt werden. „Das Material für unser Minimalziel waren also 1000 Setzlinge für 10 Dörfer (eines war hinzugekommen), 100 allein für die HIV-Gruppe, sowie sieben Regenwassertanks à 2000 l nebst Zubehör und Material für drei Brunnen. Das angestrebte Ziel sollten jedoch 200 Bäume pro Dorf sein.“
Während der Trockenzeit von April bis Oktober 2012 gruben die Einwohner dann mühsam große Pflanzlöcher in den harten Boden. In der darauffolgenden Regenzeit November bis März wurden ca. 90 veredelte Avocadosetzlinge pro Dorf gepflanzt, 10% waren bereits im Vorfeld eingegangen. Bis es jedoch zu den anfangs erwähnten Erfolgen kommen sollte, war es ein weiter Weg, über den in der nächsten LOKAL-Ausgabe berichtet werden wird.

„Zu betonen ist noch, dass alle Spendengelder ungeschmälert für unser Projekt verwendet werden“, so hebt Sauter abschließend hervor. „Das heißt, alle Verwaltungskosten werden von meiner Seite aus getragen und für meine Reisekosten komme ich selbstverständlich auch selbst auf.“ Warum er das alles ins Leben gerufen habe? „Ganz einfach, ich habe einen christlichen Grundsatz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Spenden Sie gerne:
Sparkasse i. Lkr. Schwandorf
IBAN: DE65750510400031246861
Verein z. Verbesserung d.
Bildungs- u. Lebensbedingungen in Kisada, Tansania
Kennwort: Avocadoprojekt
Für eine Spendenquittung geben Sie bitte zusätzlich Ihre Anschrift im Verwendungszweck an.

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