Interview: „Am Bürger sein“

DAS AKTUELLE LOKAL-INTERVIEW

BURGLENGENFELD (sr). Anfang November wurde der SPD-Ortsvorsitzende Peter Wein, 29, von der SPD-Stimmkreiskonferenz zum SPD-Direktkandidaten im Stimmkreis Schwandorf, der dem Landkreis Schwandorf entspricht, gewählt. Der Diplom-Finanzwirt (FH) setzte sich gegen zwei weitere Kandidaten durch. LOKAL sprach mit Wein über seine Wahl, Ziele und Ideen für die BayernSPD.

Peter Wein

LOKAL: Herr Wein, mit 29 Jahren sind Sie ein junger Kandidat für den Landtag. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Peter Wein: Für mich war es eine riesengroße Ehre, dass mich die SPD im Landkreis Schwandorf zum Direktkandidaten für die Wahl zum Bayerischen Landtag nominiert hat. Es ist nicht nur eine spannende Aufgabe, sondern auch ein großer Vertrauensbeweis für den politischen Nachwuchs in unserer Partei. Aber nicht nur deshalb reizt mich die Herausforderung: Nach rund zehn Jahren aktiver Politik in meiner Heimatstadt, davon seit drei Jahren als Stadtrat, aber auch in den verschiedenen Gremien der SPD, kenne ich die Sorgen und Anliegen der Menschen und habe Freude daran, mich für andere einzusetzen. Das möchte ich auch gerne im Landtag für die Menschen im Landkreis Schwandorf tun.
Darüber hinaus haben SPD-Politiker wie Hans Schuierer und Volker Liedtke, aber auch Franz Schindler und Marianne Schieder unseren Landkreis ausgesprochen positiv entwickelt. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wo wir heute stehen würden, hätte die CSU in den 1980er-Jahren den Landkreis regiert. Gerade auch deshalb gehe ich mit großer Demut, aber auch großer Freude an die Arbeit.

LOKAL: Franz Schindler hat sich entschieden, nach 28 Jahren nicht mehr anzutreten. Waren Sie überrascht?
Wein: Ja, mich hat diese Entscheidung tatsächlich überrascht. Franz Schindler war nicht nur seit WAA-Zeiten ein Kämpfer für unsere Heimat, er ist ein über Parteigrenzen hinweg profilierter Rechtspolitiker in ganz Bayern. Dass er nun für sich entschieden hat, nicht mehr zu kandidieren, nötigt mir größten Respekt ab. Das aktuelle „Personalgeschachere“ in der CSU zeigt ja, dass dies nicht jeder Politiker kann.

LOKAL: Sie sind studierter Diplom-Finanzwirt (FH), derzeit aber wieder Student?
Wein: Ich habe insgesamt fünf Jahre in der bayerischen Finanzverwaltung gearbeitet und dabei in Herrsching am Ammersee Steuerrecht studiert und als Diplom-Finanzwirt (FH) erfolgreich abgeschlossen.
Dass ich jetzt nochmals studiere – nämlich Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Regensburg – war und ist mir eine große Freude. Die Tatsache, derzeit „nur“ Student zu sein, sehe ich aber nicht als Nachteil. Im Gegenteil: zum einen weiß ich aus hautnaher Erfahrung, wo im Bildungsbereich der Schuh drückt und dass hier dringend investiert werden muss. Zum anderen kenne ich die Situation vieler Menschen, mit Mitte 20 nochmals einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen.

LOKAL: Sie haben sich bei Ihrer Nominierung gegen zwei Gegenkandidaten durchgesetzt. Ist die SPD uneinig?
Wein: Nein, auch hier ist das Gegenteil richtig: Wenn sich drei Genossen um die Nachfolge von Franz Schindler bewerben, zeigt das doch, dass die SPD ein breites Personalangebot aufbieten kann. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir unsere Entscheidungen nicht im Hinterzimmer treffen, sondern darüber offen diskutieren. Das hat nichts mit Uneinigkeit oder Streit zu tun, sondern ist der Beleg, dass innerhalb der SPD echte Demokratie gelebt wird.

LOKAL: Einer Ihrer Kontrahenten war sogar der Burglengenfelder SPD-Fraktionsvorsitzende Sebastian Bösl. Gibt es da nicht interne Spannungen in Burglengenfeld?
Wein: Sebastian Bösl ist nicht nur ein richtig guter Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat, sondern auch ein persönlicher Freund von mir. Insofern gibt es da gar nichts. Wie gesagt bedeutet demokratischer Wettbewerb, dass jeder das Recht hat, „seinen Hut in den Ring zu werfen“. Sebastian Bösl und ich arbeiten nach wie vor eng und vertrauensvoll im Stadtrat und Ortsverein zusammen.
Der SPD-Ortsverein Burglengenfeld hat sich gleichwohl gefreut, dass es zwei gute Bewerber aus unseren Reihen gab und sich bewusst nicht „auf eine Seite geschlagen“. Von daher arbeiten wir geschlossen an einer guten Zukunft für Burglengenfeld.

LOKAL: Zu Ihrer Kandidatur: Was haben Sie sich für den Wahlkampf vorgenommen?
Wein: Mir geht es bei meiner Kandidatur darum, den Menschen ein ehrliches Angebot zu machen: Die SPD und ihr Kandidat kümmern sich um ihre Anliegen und Fragen. Die SPD und Ihr Kandidat sind nah am Bürger, nehmen die Sorgen und Nöte ernst und arbeiten mit ganzer Kraft daran, das Leben der Menschen zu verbessern.
Das bedeutet konkret: Ich werde vor Ort sein, ich werde aktiv das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen. Ich werde Einrichtungen besuchen. Und ich möchte mit den Ehrenamtlichen in unseren Vereinen in engem Austausch stehen. Schließlich sind sie es, die unser Gemeinwesen am Laufen halten.
Der Landkreis Schwandorf ist ländlich geprägt. Die Politik muss endlich gleichwertige Lebensbedingungen für die Menschen schaffen. Diesen Auftrag gibt uns nicht nur unsere Bayerische Verfassung. Es ist auch eine Frage der Gerechtigkeit, dass beispielsweise ein Kind in Stadlern den absolut gleichen Zugang zu Bildung haben muss wie ein Kind in Starnberg.

LOKAL: Dem Freistaat Bayern geht es gut – warum braucht es da die BayernSPD, die CSU scheint doch gute Arbeit zu machen?
Wein: Nun, da sind wir von der SPD halt der Meinung, dass man vieles besser machen könnte. Ich nenne hier nur einige Stichworte: Wie schaffen wir es, dass der Wirtschaftsboom bei allen Menschen ankommt? Was müssen wir tun, um endlich gleiche Lebensverhältnisse herzustellen? Wie erhalten wir unsere Sicherheit? Wie geht unsere Gesellschaft mit den großen Herausforderungen unserer Zeit, etwa dem Klimawandel oder der Digitalisierung um? Oder: Wie schaffen wir endlich Gerechtigkeit in der Bildung? All diese Probleme bestehen trotz jahrzehntelanger CSU-Regierung fort. Die SPD möchte sicher nicht alles anders, aber vieles besser machen und andere Schwerpunkte setzen. Wenn wir es schaffen, unsere Ziele an die Menschen zu bringen, haben wir gute Chancen bei der Landtagswahl und können Bayern modernisieren.

LOKAL: Die Sozialdemokratie in Deutschland hat bei der Bundestagswahl kräftig verloren. Wohin soll der Weg der SPD gehen?
Wein: Die SPD muss es wieder schaffen, für die Menschen eine glaubhafte Alternative zu sein. Sie muss die Lebensverhältnisse jedes Kindes, jeder Frau und jedes Mannes verbessern wollen. Sie muss denen eine Stimme geben, die keine haben. Somit muss die SPD eine moderne Volkspartei links der Mitte sein. Und ich bin zuversichtlich, dass unser Erneuerungsprozess am Ende erfolgreich sein wird.

LOKAL: Zur Situation in Burglengenfeld: In drei Jahren sind Kommunalwahlen. Was will die SPD dem momentanen Bürgermeister entgegensetzen?
Wein: Wir setzen Kompetenz, Gelassenheit und Souveränität entgegen. Nicht nur Sebastian Bösl, auch unsere gesamte Fraktion steht für einen soliden und nachhaltigen Politikstil. Wir haben bereits einiges erreicht, obwohl wir noch nicht den Bürgermeister stellen. Thomas Gesche hingegen legt eine unsachliche und unsaubere Amtsführung an den Tag. Er ist nicht am Erfolg für unsere Stadt interessiert. Auch die BWG betreibt gemeinsam mit dem BfB Fundamentalopposition: Die SPD blickt stattdessen in die Zukunft. Infolgedessen bin ich sehr sicher, dass wir in drei Jahren bei den Kommunalwahlen unser Ergebnis verbessern werden.

LOKAL: Herr Wein, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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