Interview: 30 Jahre BFB Burglengenfeld

DAS AKTUELLE LOKAL-INTERVIEW

BURGLENGENFELD (lz). Drei Jahrzehnte Bürgerforum – und Hans-Edmund Glatzl ist von Anfang an dabei. Immer für die Bürger da, kritisch hinterfragend und unbequem: Das sind die Kennzeichen einer politischen Gruppierung, die sich immer wieder einmischt und damit dann auch mal aneckt. „Wir bilden ein gesundes demokratisches Gegengewicht zu den etablierten Parteien“, so erklärt Glatzl. Seine Wähler sind dem BFB dankbar dafür! Hans Glatzl stellt sich anlässlich des Jubiläums den Fragen der LOKAL-Redaktion für ein aktuelles Interview.

Hans Glatzl

LOKAL: Das Bürgerforum Burglengenfeld wird 30 Jahre alt. Sind Sie nach so vielen Jahren Politik für Ihre Heimatstadt nicht ein bisschen stolz?
Hans Glatzl: Ja durchaus! Wir sind stolz auf den Zusammenhalt und die Unterstützung, die das BFB durch viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt allen Anfeindungen zum Trotz genießt. Die Burglengenfelder wissen, dass wir eine ehrliche Politik machen und haben Respekt vor dem Einsatz des BFB.

LOKAL: Was war denn der ursprüngliche Anstoß zur Gründung des BFB?
Glatzl: Es war konkret ein trauriger Anlass. Ein kleines Kind aus der Nachbarschaft war von einem Schwerlaster fast direkt vor unserer Haustür tödlich zusammengefahren worden. Wir wohnten damals in der Kallmünzerstraße und es gab für den Schwerlastverkehr noch keine durchgehende Umgehung der Innenstadt hinüber zum Zementwerk. Im Stadtrat stritt man seinerzeit seit Jahren über die Fortführung der Trasse bis zur B15. Nichts ging voran. Das wollten wir ändern und damals gründeten rund 50 Bürger die „Bürgerinitiative für den Weiterbau der Umgehungstraße“. Das war Mitte der 80er schon etwas Besonderes, weil sich die BI´s in der Regel am St. Floriansprinzip ausrichten.

LOKAL: Haben sich Ihre Zielsetzungen heute geändert?
Glatzl: Nein, ich denke, wir sind unserer Linie treu geblieben. Selbst als ich wenig später mit meinem Haus selbst der nächste Anlieger an dieser Umgehungsstraße wurde, stand für mich außer Frage, dass ich meine Fahne nicht in den politischen Wind hänge, nur weil ich persönlich daraus einen Vorteil ziehe. Das unterscheidet uns auch von anderen Gruppierungen, die heute das verurteilen, was sie gestern noch selbst angezettelt haben.
LOKAL: Was ist für Sie im Augenblick das drängendste Problem für die Kommunalpolitik?
Glatzl: Der Schuldenabbau! Und zwar deshalb, weil uns die Verschuldung von rund 60 Mio. Euro in eine Situation bringt, in der wir trotz hoher Abgaben für die Bürger, ich erinnere an die jüngste Grundsteuererhöhung, keinerlei Spielraum mehr im Haushalt haben. Denn jedes Jahr werden Millionenbeträge ausgegeben, allein um die Insolvenz der städtischen Tochter-und Enkelunternehmen (Bulmare GmbH) abzuwenden. Die Frage ist doch, warum eine Kleinstadt auf eigene Kosten ein Spaßbad für die halbe Oberpfalz unterhalten soll, nur weil sich der frühere Bauherr, Ex-Bürgermeister Heinz Karg, mit seinen Schweizer-Franken-Spekulationen verzockt hat und der Kommune einen Schuldenberg von rund 60 Millionen zurückgelassen hat. Das ist Casino-Kapitalismus auf dem Rücken der Bürger.

LOKAL: Sind das nicht die altbekannten Kassandrarufe des BFB? Burglengenfeld steht doch gut da und kann sich über enormen Zuzug im Speckgürtel von Regensburg freuen …
Glatzl: Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, kann die Schattenseiten wie das Fehlen von preiswertem Wohnraum, das Ausbluten der Innenstadt und die marode Infrastruktur leckender Wasserleitungen, eingebrochener Kanäle und kaputter Straßen nicht übersehen. Die Brisanz des Problems zeigt sich aktuell am Streit um die Erschließung unserer letzten Baugebiete. Es ist wohl ein bayernweit einmaliger Schildbürgerstreich, dass die Zufahrt zu einem Baugebiet hier am Hussitenweg seit Jahren über eine Parkplatz-Zufahrt (am Bulmare) erfolgt, weil kein Geld für den direkten Anschluss an die Umgehung vorhanden ist.
Noch schlimmer ist die Verkehrssituation für das ausufernde Stadtviertel am Augustenhof. Wer dort wie CSU und SPD um 50 Zentimeter mehr oder weniger Straßenbreite streitet, verkennt das Kernproblem. Für eine Neubausiedlung mit 1500 Neusiedler, die meisten Tagespendler nach Regensburg ohne Einkaufsmöglichketen, wird der ehemalige Feldweg mit Anbindung über die verkehrsbeschränkte Lindenstraße zur täglichen Geduldsprobe. Die Fehler wurden hier schon vor Jahren bei Planung des Baugebietes gemacht. Per Stadtratsbeschluss verwandelten sich die steinigen Äcker dort oben im Herzen des Städtedreiecks in teures Bauland. Aufgrund des ständigen Finanzmangels konnte die Stadt das Gebiet nicht selbst erschließen, sondern die Gewinne verschwanden in den Taschen des privaten Bauträgers. An einer ordentlichen Verkehrserschließung hatte der Investor nachvollziehbar kein Interesse. Und Jahre später fällt der Kommune das Problem wieder auf die Füße. Dumm gelaufen! Und genau hier kommt der Dauerbrenner Umgehungsstraße als Erschließung des ganzen Städtedreiecks wieder auf die Tagesordnung.

LOKAL: Stichwort Zusammenarbeit im Städtedreieck: Wie könnte es am ehesten in Sachen Umgehungsstraße vorangehen?
Glatzl: Es braucht eine klare Ansage dazu in allen drei Kommunen. Die Trassenführung ist auch nicht isoliert zu betrachten. So ist aus unsere Sicht die Ausweisung eines Baugebietes in der Randlage von Teublitz kontraproduktiv wie auch der Bürgerprotest in Weiherdorf zeigt. Viel besser wäre eine gemeinsames Baugebiet am Augustenhof. Das funktioniert allerdings nur mit einer vorausschauenden Planung und Realisierung der Umgehung. Wenn die Stadt Maxhütte-Haidhof auf Dauer kein Interesse haben sollte, müsste es dennoch möglich sein, für Burglengenfeld durch Grundstückstausch den Lückenschluss zwischen der B15 und der Haugshöhe zu realisieren.
Was fehlt, ist schlicht eine gemeinsame Vision wie das Städtedreieck sich gegenüber Schwandorf und dem Ballungsraum Regenburg mit eigener Identität aufstellt, ohne zur reinen Schlafstadt abzusteigen. Da brauchen wir eine offene, kreativ geführte Diskussion.

LOKAL: Mut zur Ehrlichkeit war schon immer die Devise des BFB. Bleiben Sie dabei – auch was Ihre Kritik an der teuren Erneuerung der Irlstege betrifft?
Glatzl: Dazu stehen wir und müssen auch keine politischen Verrenkungen machen. Wir haben dafür keine 340.000 € übrig. Und was soll ein Behelfssteg für wenige Monate, wenn dann aus Geldmangel sowieso keine dauerhafte Brückensanierung erfolgen kann – aus Geldmangel, den dieselben Leute verursacht haben, die jetzt medienwirksam Krokodilstränen vergießen und ständig neue Ausgaben fordern.

LOKAL: Ihr „Denkzettel“ in LOKAL liest sich ebenso stets schonungslos und spart nicht mit Kritik. Haben Sie keine Angst vor (persönlichen) Gegenangriffen?
Glatzl: Das hatten wir alles schon durch – bis zum Versuch meine berufliche Existenz zu vernichten. Aber keine Angst! Wie Sie sehen, wir leben noch und sorgen zusammen mit dem LOKAL als örtlich unabhängiges Medium für Meinungsvielfalt im Städtedreieck.

LOKAL: Werden Ihnen für den Denkzettel wohl jemals die Ideen ausgehen?
Glatzl: Es handelt sich hier nicht um „Ideen“, die ich mir ausdenke, sondern ich kommentiere Vorgänge meist aus der Kommunalpolitik. Ehrlich gesagt, ich hatte ursprünglich Bedenken, ob sich alle vierzehn Tage genug Stoff findet, aber die Themen werden ja ausreichend „produziert“ – siehe Irlsteg – so dass es sicher auch in Zukunft genug zu Schreiben gibt.

LOKAL: Ein Blick in die Zukunft: Wie wird es im Städtedreieck im 10 oder in 30 Jahren aussehen?
Glatzl: Entweder als anonyme Schlafstadt für Pendler nach Regensburg ohne eigene Identität … oder hoffentlich geeint mit eigener Kultur und Selbstbewusstsein, um zwischen Regensburg und Schwandorf einen eigenen Schwerpunkt zu bilden – als Perle der mittleren Oberpfalz, geprägt von seiner Industriekultur, mit Menschen, die gleichzeitig fest in der Region verwurzelt sind. Meine Heimat und die von 36.000 Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Was Realität wird, liegt an uns.

LOKAL: Vielen Dank!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*