Das LOKAL-Interview mit Buchautor Oskar Duschinger

1986 schrieb Oskar Duschinger das erste Buch über Hans Schuierer mit dem Titel „unbestechlich“.
Nach „unbestechlich“ folgt
neues Buch über den
WAA-Widerstandshelden
Hans Schuierer

 

 

SCHWANDORF/Lkr (sr). Im Herbst 2018 erscheint Duschingers neues Buch über Hans Schuierer, den unbeugsamen und aufrechten Demokraten, der sich einst an vorderster Front dem Bau einer atomaren Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf entgegenstemmte.

Anlässlich seines neuen Buches stellte sich Oskar Duschinger den Fragen der LOKAL-Redaktion.

 

 

LOKAL: Was hat Sie bewogen, fast 30 Jahre nach dem Ende der WAA ein neues Buch über den WAA-Widerstand und Hans Schuierer zu schreiben?

Duschinger:
Ich wollte die Geschichte rund um die WAA noch einmal lebendig werden lassen. Auch die junge Generation soll erfahren, was vor 30 Jahren hier in der Oberpfalz passierte: Eine ganze Region leistete Widerstand gegen ein atomares Projekt, das das Ende unserer geliebten Heimat, so wir sie heute kennen, bedeutet hätte. Ich bleibe bei Hans Schuierer: Wir dürfen diese Geschichte/n rund um die WAA niemals vergessen!

LOKAL: Sie haben 1986 das erste Buch über Hans Schuierer mit dem Titel „unbestechlich“ geschrieben, das damals mit dem Lokal Verlag von Max Krempl verlegt wurde.

Duschinger:
Ja, ich habe 1986, auf dem Höhepunkt des Widerstandes gegen die WAA Wackersdorf, zu einer Zeit, als über 100000 Menschen im Taxöldener Forst protestierten und Vietnam-erprobtes CN- und CS-Gas gegen die Demonstranten eingesetzt wurde, das erste Buch über Hans Schuierer geschrieben, der sich in vorderster Front den Verfechtern der geplanten Plutoniumfabrik entgegenstemmte. Ich war beeindruckt von diesem Mann, diesem „Gandhi aus der Oberpfalz“, wie ihn der Stern beschrieb, der sich durch nichts von seinem gewaltlosen Widerstand abbringen ließ.

LOKAL: Wie war es nach 30 Jahren noch einmal alles zu erleben?

Duschinger:
Für mich ist es total aufregend, zusammen mit Hans Schuierer dieses Stück intensiver und aufregender Geschichte noch einmal zu durchleben. Sich alle die Fotos anzusehen, über all die Geschichten rund um den Widerstand sich noch einmal zu unterhalten. Manchmal fühlt sich das alles nach so langer Zeit fast unwirklich an. Für die junge Generation, die das nicht miterlebt hat, ist es kaum vorstellbar, dass sich diese dramatischen Ereignisse hier, in unserer Heimat, abgespielt haben. Aber: Die jungen Menschen sind total interessiert daran, den Mann näher kennen zu lernen, der auf dem Titel des Buches prangt.

LOKAL: Warum gibt es nun die Fortsetzung des „unbestechlich“-Buches?

Duschinger: Es ist wohl die letzte Möglichkeit, mit Hans Schuierer, der 87 Jahre ist, die Zeitgeschichte der mittleren Oberpfalz gemeinsam aufzuarbeiten. Wir wollten die Geschehnisse rund um die WAA nicht einfach 1986 aufhören lassen, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen. Und so schreibe ich es zu Ende, bis zum Ende der WAA und ein bisschen darüber hinaus. Für die Menschen, die damals mitdemonstrierten, wird es ein Déjà-vu sein, für die jüngere Generation ein Buch mit faszinierenden Geschichten, die man kaum glauben kann, wenn man sie nicht miterlebt hat.

LOKAL: Das „unbestechlich“-Buch stand monatelang im Kreuzfeuer …

Duschinger: Das stimmt. Der Verlag und ich erhielten am 26. März 1987 vom Landgericht Regensburg eine einstweilige Verfügung zugestellt mit der Aufforderung das Buch aus dem Handel zu nehmen.
Die Passage bezog sich auf einen Besuch der SPD-Fraktion unter Führung des damaligen Fraktionsvorsitzenden Hans-Jochen Vogel auf dem WAA-Gelände. Dabei wurde eine hitzige Diskussion geführt über die Zahl der verletzten Polizeibeamten, wobei der Begriff „verletzt“ umstritten war unter den Diskussionsteilnehmern.
Letztlich stellte sich heraus, dass sich die Zahl auf die Verletzten bezog, die bleibende Folgen zu tragen hatten. Der Leitende Polizeichef Fenzl räumte später ein, dass der Begriff Schwerverletzte nicht eindeutig zu definieren gewesen sei. Es war jene Zeit, als die Polizeiführung und in der Folge auch die Polizeibeamten politisch schwer unter Druck standen. Schuierer sagt heute: Im Grunde war es eine lächerliche Angelegenheit, weshalb das Buch gestoppt wurde. Der kleine Lokal Verlag wollte das Prozessrisiko mit den damit verbundenen Kosten nicht eingehen und gab nach. Das Buch wurde kurz gestoppt und die entsprechenden Zeilen geschwärzt. Daraufhin schnellte der Buchverkauf in die Höhe.

LOKAL: Sind solche Konsequenzen bei dem neuen Buch auch denkbar?

Duschinger: Unvorstellbar. Das Thema WAA mag zwar immer noch polarisieren, aber diese spannungsgeladene, aufgeheizte Stimmung ist längst verflogen. Ich sehe auch andere Politiker in der Regierung, denen es nicht egal ist, was das Volk denkt. Die nicht nach dem Motto handeln: Ich habe die Macht, also drück ich das ohne Rücksicht durch!

LOKAL: Was hat sie besonders beeindruckt beim Recherchieren fürs neue Buch?

Duschinger: Dass es sie noch immer gibt: Diese unglaubliche Verbundenheit derjenigen, die sich in den achtziger Jahren gegen die WAA stemmten. Diese Netzwerke bestehen vielerorts noch. Man unterstützt sich gegenseitig, wo und wann immer es möglich ist. Je mehr von meinem Buchprojekt erfuhren, je mehr Helfer tauchten auf. Das ist nach drei Jahrzehnten eine überwältigende Erfahrung. Ohne einen Mann hätte ich dieses Projekt in der kurzen Zeit trotzdem nicht stemmen können: Wolfgang Nowak ist der Mann, der alles dafür tut, dass der Kampf gegen die WAA niemals in Vergessenheit gerät.

LOKAL: Wo erscheint das Buch?

Duschinger: Es erscheint im Oktober 2018 im Battenberg-Verlag Regenstauf, etwa zeitgleich mit dem Kinofilm „Wackersdorf“. Ach ja: Und es wird einen Titelsong zum Buch „Hans Schuierer. Der Held des Widerstandes gegen die WAA in der Oberpfalz“ geben. Songwriter Reinhard Gampe komponiert ihn gerade.

Neuerscheinung im Oktober 2018

WAA-Bücher aus dem ehemaligen Lokal Verlag:

Vier Bücher aus dem ehemaligen Lokal Verlag sorgten damals für erhebliches Aufsehen und sind im regionalen Buchhandel sowie im Onlineshop www.medienverlag-krempl.de erhältlich:

„Schwandorf im Fadenkreuz“ von Heinrich Mayer (erhältlich für 9,80 Euro), „unbestechlich“ von Oskar Duschinger (erhältlich für 15,80 Euro), „Radioaktiver Zerfall der Freiheit“ von Dietmar Zierer (erhältlich für 15,80 Euro), „Kein Friede den Hütten“ von Werner Grassl und Klaus Kaschel (erhältlich für 9,80 Euro).

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