Alles hat seinen Preis – auch die Luftverschmutzung

INGRID LIEZ …

Leben Sie CO2-intensiv? Essen Sie viel Fleisch, fahren viel Auto, reisen mehrmals im Jahr per Flugzeug und ist Ihr Haus ungedämmt?

Dann gehören Sie zu den Kandidaten, die viel zum Kohlendioxyd-Ausstoß beitragen. Hauptverursacher des Klima-Giftgases sind große Unternehmen, die sich gegen die CO2-Bepreisung wehren. Oder sie werden die zusätzlichen Kosten, die ihnen durch den CO2-Preis bzw. eine neue Steuer entstehen, wieder auf uns Verbraucher umlegen. Also mal ehrlich – ist das gerecht? Die Antwort lautet nein – aber auch ja, denn wir alle sind beteiligt.

Ob Unternehmen dafür bezahlen sollen, dass ihre Waren oder Dienstleistungen dem Klima schaden, darüber beraten die Umweltminister der Länder nicht erst seit ihrer Konferenz in Hamburg Mitte Mai. „Wir wollen, dass wir bis 2050 in Europa klimaneutral sind“, fordert Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Diese Initiative ging vom französischen Präsidenten Emanuel Macron aus, Kanzlerin Angela Merkel hatte sie begrüßt, sich aber ihr nicht angeschlossen, was ihr viel Kritik eintrug, nicht zuletzt von der Klima-Aktivistin der deutschen „Fridays für Future“–Bewegung Luise Neubauer.
Um die Unternehmen dazu zu bringen, den CO2-Ausstoß zu verringern, der unser Klima und die Umwelt kaputtmacht, müssen sie zur Kasse gebeten werden. Im Moment gibt es bereits das System eines Handels mit Verschmutzungsrechten, dem sogenannten Emissionszertifikatehandel. Firmen kaufen sich meist im Ausland Zertifikate, um CO2 in die Luft blasen zu dürfen, dafür müssen die Verkäufer sich dann einschränken. Auch der Staat kauft Verschmutzungsrechte, um EU-Vorgaben einhalten zu können (was ihm aber nicht gelungen ist).

Bringt das was? Wissenschaftler halten eine nationale Steuer für einen weitaus effizienteren und zielgenaueren Weg, Emissionen einzuschränken (www.helmholtz.de). Hierzulande sind bisher die Bereiche Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft vom EZH ausgenommen. Widerstand gegen eine CO2-Steuer kommt von CDU und CSU, „die Debatte läuft heißer als ein Braunkohlekraftwerk“, heißt es auf www.orange.handelblatt.com. Während die einen sagen, der EZH solle auch auf die o. gen. Bereiche ausgedehnt werden, hat zum Beispiel die Fridays-for-Future-Bewegung bereits eine konkrete Zahl, nämlich 180 € für 1 Tonne ausgestoßenes Kohlendioxyd.

Das entspricht etwa den Kosten der Umweltschäden, die diese eine Tonne verursacht, so sagt das Umweltbundesamt. In Frankreich gibt es bereits eine CO2-Steuer (45€/t), in Schweden sind es 115 € in der Tat sind hier die Emissionen zurückgegangen.

Der Nachteil der Besteuerung ist natürlich, dass viele Dinge plötzlich sehr viel teurer werden. Die Frage ist dabei, würden dann die Menschen auf argentinisches Hüftsteak, Einwegbecher und Langstreckenflüge verzichten? Und was ist mit dem „kleinen Mann“, der sich das ohnehin nicht leisten kann? Würden Mieten steigen, Benzin noch teurer, Fleisch schier unerschwinglich?

Das Gesamtkonzept CO2-Steuer sieht vor, dass damit andere Steuern abgebaut werden oder die Menschen die Mehrkosten etwa über ihren Krankenkassenbeitrag zurückerhalten, trotzdem fürchten Kritiker Proteste wie in Frankreich der Widerstand der „Gelbwesten“. Es wird sogar in den Medien ein weltweiter Anstieg der Zahl der Hungertoten durch eine Verteuerung von Lebensmitteln angemahnt: 2050 könnten zusätzlich 130–280 Mio. Menschen von Hunger bedroht sein – bei Erreichen des Pariser Klimaziels einer Erderwärmung von nur 1,5° (www.focus.de).

„Klar ist, dass eine CO2-intensive Lebensweise teurer würde“, schreibt www.tagesspiegel.de zur Situation in Deutschland. „Das muss auch so sein, sonst hätte sie nicht den gewünschten Effekt, Konsumverhalten in eine klimaschonendere Richtung zu lenken.“ Fakt ist sicherlich, dass wir alle wieder draufzahlen werden.

Andererseits sollten wir uns wirklich mehr Gedanken um den unbeliebten Begriff Konsumverzicht machen: Schätzen wir mehr das, was direkt vor unserer Haustür produziert wird, und fragen wir uns ehrlich, ob wir so viele Konsumgüter, die wir anschaffen, wirklich brauchen. Denn nach uns kommen noch andere, die gerne auf diesem Planeten leben wollen.