Daten sind Macht, denn die Daten, das sind wir

INGRID LIEZ …

Also mal ehrlich … 88 Seiten umfasst die neue Datenschutzverordnung der EU, die seit 25. Mai 2018 in Kraft ist. Wer soll da durchsteigen? Für wen gilt die „DSGVO“ überhaupt? Auch für Privatpersonen? Darf ich jetzt noch die Telefonnummer der neuen Arbeitskollegin in meinem Handy speichern und kann ich getrost meine E-Mail-Adresse angeben, wenn ich bei einem Gewinnspiel mitmache?

Panik hat in den letzten Wochen um sich gegriffen. Eine befreundete Buchhändlerin raufte sich die Haare: „Wie soll ich jetzt Kunden benachrichtigen, wenn ihr vorbestelltes Buch angekommen ist, wenn ich mir noch nicht einmal mehr ihre Nummer aufschreiben darf? Wenn ich für jeden Bezahlvorgang mit Scheckkarte erst einmal eine Unterschrift unter eine auch ja richtig formulierte Einverständniserklärung einfordern muss? Ich glaube ich werde verrückt.“

Alle haben Angst vor den drakonischen Strafmaßnahmen, denn da können bis zu 20 Mio. € oder 4% des Jahresumsatzes fällig werden. Ein Heer von Rechtsanwälten reibt sich schon mal die Hände!

Jedoch sollte man sich als (Klein-) Unternehmer von dem negativen Hype in den Medien nicht verrückt machen lassen, Privatpersonen können ganz beruhigt sein. Natürlich sollte man der Verordnung entsprechend handeln und sein Unternehmen anpassen. Im Zweifelsfall kann man einen Datenschutzbeauftragten um Rat fragen. Das Gute an der neuen DSGVO: Mit ihr soll die sogenannte Vorratsdatenspeicherung eingedämmt werden. Daten sind „das neue Gold des Informationszeitalters“ und die Versuchung, Daten zu horten, beinahe unwiderstehlich, schreibt Ursula Martens auf www.wortkind.de/blog/neue-eu-datenschutzregeln-2018-tipps-kleine Unternehmen. „Dieser Vorratsdatenspeicherung setzt die DSGVO klare Grenzen: Personenbezogene Daten dürfen nur so lange gespeichert werden, wie man sie nachvollziehbar für den Verwendungszweck braucht (DSGVO Art 5.1).“ Was sind personenbezogene Daten? Es sind alle Informationen, mit denen man eine Person identifizieren kann, entweder direkt durch Name, Telefonnummer, Adresse, Bild oder indirekt durch den Nutzernamen, die IP-Adresse, das Profilbild usw. Martens nennt als Beispiel das Gewinnspiel: Die E-Mail-Adresse, die die Teilnehmer angeben, darf nur zu diesem einen Zweck verwendet und muss anschließend gelöscht werden. Sie darf nicht dazu genutzt werden, um Newsletter oder etwa Weihnachtsgrüße zu verschicken. Schwierig, oder? Immer wenn man geschäftlich personenbezogene Daten speichern oder „verarbeiten“, sprich, nutzen will, braucht man dafür die Erlaubnis des Betroffenen. Dies legt man am besten mit der Einverständniserklärung schriftlich fest, die wohl oder übel von einem Experten abgesegnet worden sein sollte oder lässt entsprechend die AGBs modifizieren.

Eindeutig gereicht den kleinen und mittleren Betrieben die DSGVO zum Nachteil. Und während wir bei den großen Firmen, auf die es eigentlich ankommt, nur bei den AGBs einen neuen Haken setzen müssen, bleibt die Datenverarbeitung dort weiter für uns undurchsichtig. Auf jeden Fall ist jedoch das neue Gesetz ein Fortschritt bei der Bekämpfung der Vorratsdatenspeicherung. Denn Horrorvisionen, in denen wir in allen Lebenssituationen, alle unsere Gewohnheiten und Vorlieben ausspioniert werden können, unsere Privatsphäre zerstört und „öffentlich“ wird, dürfen nicht Wirklichkeit werden. Seit ich das Buch „Zero“ von Marc Elsberg gelesen habe, sage ich nicht mehr so einfach: „Lass sie meine Daten doch sammeln, was können sie schon damit anfangen?“ Wer die Privatsphäre kontrolliert, hat die Macht, und vielleicht werden wir alle von den großen Konzernen schon mehr manipuliert, als uns bewusst ist!

Natürlich können Sie die Nummer der neuen Kollegin speichern, aber Sie sollten sie schon vorher fragen, ob sie das möchte. Doch seien Sie froh darüber, dass es in der EU Leute gibt, die eine unkontrollierte Speicherung und Nutzung von privaten Informationen verhindern wollen.