„Der Feind in meinem Bett“

INGRID LIEZ …

Am 25. November 2018 war der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“. In den Medien wurde das Thema eingehend beachtet, es gab jede Mengen erschreckender Zahlen, Dossiers, Berichte.

In der neu von der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey veröffentlichten Studie zur „häuslichen Gewalt“ in Deutschland ist nachzulesen, dass im Jahr 2017 138.893 Menschen Opfer von häuslicher Gewalt wurden (Partnerschaftsgewalt), davon 113.965 Frauen, also 82 %. In 147 Fällen wurde die Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Das sind im Vergleich zu 2016 etwa 5000 mehr misshandelte Frauen.

Dabei kommen die Täter aus allen sozialen Schichten. Nicht vergessen sollte man daneben die Tatsache, dass auch Männer von ihren Frauen misshandelt werden, allerdings sind der Anteil der Frauen und die Schwere ihrer Verletzungen signifikant höher.

Was ist überhaupt häusliche Gewalt? Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff „körperliche, sexuelle, psychische und wirtschaftliche Gewalt zwischen Menschen, die in einem Haushalt zusammen leben“. Darunter fällt nicht nur die Gewalt in Paarbeziehungen, sondern auch Gewalt gegen Kinder, Eltern, ältere Menschen oder unter Geschwistern.

Eine subtilere Form von häuslicher Gewalt ist die psychische Gewalt, wie Drohungen, Nötigung, Stalking, Beschimpfung, Demütigung und emotionale Manipulation. Zur wirtschaftlichen Gewalt zählen alle „Handlungen gegen die wirtschaftliche bzw. finanzielle Selbständigkeit wie Verbot von Arbeit oder Zwang zur Arbeit, kein Zugang zum gemeinsamen Konto, Beschlagnahmung des Lohns usw.“.

Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt weitaus höher als die belegten Zahlen. Nur jede fünfte Frau meldet sich aufgrund von Gewalterfahrungen bei einer öffentlichen Stelle. Wahrscheinlich kennt jeder von uns jemand, der schon einmal häusliche Gewalt erfahren hat. Manchmal werden warnende Hinweise nicht wirklich wahrgenommen oder verharmlost. Auch ich habe eine Freundin, die von ihrem Partner verschiedene Formen der Gewalt erfahren hat: Stalking in Form von Nachstellung und Kontrolle, Lesen von E-Mails, Drohungen, Einschüchterung, Werfen von Gegenständen, Schubsen, Schreien, Schlagen.

Häusliche Gewalt läuft manchmal sehr subtil ab, und sie dringt nicht nach außen. Die Opfer schämen sich, meinen, sie hätten es verdient, es geschähe ihnen recht. Viele Frauen haben Angst sich zu wehren, weil sie Angst vor der Trennung haben, vor dem Alleinsein, vor eventuellen Geldsorgen.

Oft sind sie zerrissen zwischen der Liebe zum Partner, die immer noch vorhanden ist, und der Angst vor ihm. Auch nach der Trennung von einem gewalttätigen Mann kehren viele Frauen zurück, das berichten Mitarbeiterinnen der etwa 350 Frauenhäuser in Deutschland – sichere Orte, zu denen misshandelte Frauen mit ihren Kindern flüchten können.

Vielleicht ist dieses Verhalten angeboren, stammt aus archaischer Zeit, als es unbedingt notwendig für die Frau als Versorgerin des Nachwuchses war, Schutz zu brauchen, einen Ernährer und Versorger zu haben. Heute sind die Frauen nicht mehr darauf angewiesen, es gibt andere Wege, um die eigene Würde leben und bewahren zu können. Wenn wir Frauen uns diese Tatsache immer wieder bewusst machen, schaffen wir es, auch für uns selbst zu kämpfen, denn wir haben das Kämpfen längst auf anderen Gebieten gelernt. Der Staat will dabei unterstützen, und es gibt Hilfe auch von anderer Seite, von den kirchlichen Einrichtungen zum Beispiel, ebenso von Menschen, die hinsehen, zuhören und sich kümmern.

Gut zu wissen:
Ein speziell eingerichtetes Hilfetelefon, rund um die Uhr und in 17 Sprachen erreichbar (0 8000 116 016) – der Anruf erscheint nicht auf der Telefonrechnung – oder auch die Telefonseelsorge (0800 111 01) mögen dazu erste Anlaufpunkte sein.