Der Valentinstag – eine Erfindung der Blumenindustrie?

INGRID LIEZ …

Definitiv: Der Valentinstag ist kein Märchen der Blumenhändler. Eine Tatsache ist es jedoch, dass am 14. Februar in dieser Branche bis zu 500% mehr Umsatz gemacht werden. Woher kommt eigentlich der Brauch, an diesem Tag den Liebsten Blumen oder Pralinen zu schenken? Warum ist der Valentinstag der Tag der Liebenden?

Wie so häufig, liegt der Ursprung auch dieses Gedenktages in der Kirchengeschichte. Der Namensgeber ist der heilige Valentinus, ein römischer Priester, der im dritten Jahrhundert nach Christus lebte und auch Bischof von Terni genannt wird. Es ist allerdings nicht sicher, ob es sich um ein und dieselbe Person handelt. Valentinus führte heimlich Trauungen nach christlicher Tradition durch, obwohl diese vom Kaiser verboten waren. Er wurde am 14. 2. 269 deshalb hingerichtet. 200 Jahre später wurde er als Märtyrer heiliggesprochen und ihm der Februartag als Gedenktag zuerkannt.

Mit dem Thema romantische Liebe wurde der Valentinstag erst im 14. Jahrhundert zusammengeführt. Der berühmte englische Dichter Geoffrey Chaucer verfasste im Jahre 1382 ein Lobgedicht, in dem er den Jahrestag der Verlobung des Königs Richard II. mit Anne von Böhmen würdigte. In dem Poem namens „Parlament der Vögel“ heißt es: „Es geschah am Valentinstag, als jeder Vogel kam, um seinen Partner zu wählen.“ Der Gedanke wurde gerne aufgenommen, denn an den europäischen Adelshäusern wurde die höfische Liebesverehrung hoch geschätzt. Das älteste erhaltene Werk, das Bezug auf den Valentinstag nimmt, ist ein Rondeau aus dem 15. Jahrhundert von Herzog Karl von Orléans an seine Frau, dass er während der Gefangenschaft im Tower of London nach der Schlacht von Azincourt 1415 schrieb: „Ich bin schon krank vor Liebe, meine süße Valentine.“ Auch Shakespeare lässt seine Ophelia in „Hamlet“ (1600) sprechen: „„Auf morgen ist Sankt Valentins Tag,/Wohl an der Zeit noch früh,/Und ich, ’ne Maid, am Fensterschlag,/Will sein eu’r Valentin.“ (Aufzug 4, Szene 5).

Das Schicken von Karten am Valentinstag hat wohl der Schriftsteller Samuel Pepys eingeführt, der am 14. 2. 1667 an seine Frau einen Liebesbrief auf hellblauem Papier mit goldenen Initialien schrieb. Sie schickte ihm daraufhin einen Blumenstrauß. Mit den Engländern gelangte der Brauch dann, wie so viele andere auch, nach Amerika und von dort aus nach dem 2. Weltkrieg zu uns zurück. Während sich die Briten gerne anonyme Liebesbriefe schicken, ist es in den USA Brauch unter Teenagern, sich geheime Grußkarten mit Liebesbotschaften („Valentines“) zu schicken. Wer die meisten dieser Kärtchen erhält, ist der oder die „Begehrteste“.

Während in Europa die einen die zunehmende Kommerzialisierung des Valentinstages beklagen, freuen sich die anderen über die vielen Angebote und schönen Dinge, die in den Geschäften als „Liebesgaben“ wohlfeil sind. Auf der ganzen Welt locken Einzelhandelsgeschäfte und Online-Shops mit Geschenkideen. Auffallend ist, dass bei uns 73% der Blumenkäufer am Valentinstag Männer sind. Hingegen werden die meisten Geschenke (85%) von Frauen gekauft. Statistiken zeigen jedoch: Je jünger der Mann ist, desto eher kauft er seiner Liebsten ein Geschenk! Die beliebtesten Geschenke sind nach wie vor Parfum und Kosmetik, Schokolade und Schmuck. Beeindruckend ist, dass am Valentinstag Schokolade weltweit im Wert von über einer Milliarde US-Dollar umgesetzt wird. Allein in den USA werden circa 190 Mio. Rosen verkauft.

Das schönste Valentinstaggeschenk, das ich selbst einmal bekommen habe, war ein kleiner Junge: „Gebucht“ für den 16. Februar kam er zwei Tage zu früh. In diesem Jahr wird er schon 13 Jahre alt, und hin und wieder schweift sein Blick bereits auf der Suche nach einer schönen Valentine durch die Reihen seiner Schulkameradinnen.