Kommentar: Die Biene als politisches Tier

INGRID LIEZ …

Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Insekten mehr auf der Welt. Dem ersten Anschein nach eine angenehme Vorstellung – fürchten sich doch viele Menschen vor ihnen oder finden sie einfach eklig.

Wenn die Insekten alle zusammengenommen vorhätten, die Weltherrschaft zu übernehmen, dann wären sie uns haushoch überlegen, allein schon durch ihre überwältigende Anzahl.

Gäbe es keine Insekten mehr, dann hätte die Menschheit bald ein Versorgungsproblem: Das milliardenfache Bestäuben von Blüten durch fleißige geflügelte Arbeiter lässt Obst und Gemüse auf den Feldern wachsen.
Was geschehen würde, wenn sie ausfielen, schildert die Norwegerin Maja Lunde eindrucksvoll in ihrem Buch „Die Geschichte der Bienen (2017). Da müssen im Jahre 2098 Abertausende von Bäumen mühselig mit einem Pinselchen von Menschenhänden bestäubt werden. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird diese Schreckensvision Wirklichkeit, denn schon heute gibt es viel weniger Insekten als noch vor ein paar Jahrzehnten.

Das Volksbegehren Artenvielfalt, initiiert von der ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei), unterstützt von den Grünen, dem LBV, der Gregor Louisoder Umweltstiftung oder dem BUND, nennt sich populär „Rettet die Bienen“. Es macht das sympathische Insekt zu einem Politikum und zum Vorkämpfer für die Rettung von Insekten und ihren natürlichen Lebensräumen.

Und wie es in der Politik nun mal ist, gibt es Diskussionen deshalb, denn die geforderten strengen Vorgaben für ein neues Naturschutzgesetz bringen die Landwirte auf den Plan, die um ihre Existenzen fürchten.

Die Eintragungsfrist für das Volksbegehren ist nun vorbei und es hat sich gezeigt, dass über 18% aller Wahlberechtigten um die Zukunft der Natur und ihrer Artenvielfalt fürchten.
Das ist – so meine ich – nicht viel, zeigt jedoch, dass eine ganze Menge Menschen mittlerweile umgedacht haben. Die Zahlen reichen aus, den Volksentscheid auf den Weg zu bringen, um den jetzt auf politischer Ebene gerungen wird. In allen bayerischen Landkreisen wurden die geforderten 10% Beteiligung erreicht, dabei gehört der Landkreis Schwandorf leider zu den Schlusslichtern.

Dass der Bayerische Bauernverband die Initiative scharf kritisiert, war zu erwarten, denn die neuen Vorgaben zum Naturschutz werden, wenn sie denn durchgesetzt werden, streng sein: Sie beinhalten die Pflicht zu 20% Ökolandbau in Bayern bis 2020, 30% bis 2030, ein Verbot der Umwandlung von Dauergrünland, die Pflicht zu nicht bearbeiteten Gewässerrandstreifen mit mindestens fünf Metern, ab 2020 einen frühesten Mahd-Zeitpunkt ab 15. Juni für 10% der Grünlandflächen, ein Verbot des Walzens von Grünlandflächen ab 15. März, um das Zerstören von Vogelgelegen zu verhindern – ebenso ab dem Jahr 2020, strenge Vorgaben für Düngung und Pestizideinsatz sowie einen großflächigen Biotopverbund und vieles mehr.

Dabei wollen nach eigenen Aussagen auch die Landwirte in Bayern die Artenvielfalt schützen, sehen jedoch „einen komplexen Zusammenhang von Artenvielfalt und Biodiversität mit allen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen“, wie es auf www.bayerischerbauernverband.de heißt. Hier will man mehr beim Verbraucher ansetzen, bei dem es letztendlich in der Hand liege, wieviel Bio-Produkte in Bayern über die Ladentheken gehen.
Da ist auf jeden Fall etwas dran, denn wir alle können zum Schutz der Arten beitragen und dazu, dass es zu der schrecklichen dystopischen Vision von Maja Lunde nicht kommt: Unsere Gärten gehören nicht zubetoniert oder mit Steinen bedeckt, auch wilde Pflanzen müssen neben den Gartenblumen wachsen können, damit die Bienen und Insekten etwas zu essen haben. Auch der Einkauf von gläsernen Mehrwegflaschen und ein Verzicht auf Plastikverpackungen soweit irgend möglich sollten zu unserer Grundeinstellung gehören.

Ich glaube nicht, dass die bayerischen Bauern alle Insolvenz anmelden müssen, wenn das neue Naturschutzgesetz kommt. Die Politiker sind gefragt, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird, ohne die neuen Vorgaben zu verwässern.