Eine Fledermaus bei uns zu Haus

INGRID LIEZ …

Der Sommer 2018 ist für mich der Sommer der Fledermaus. Vom zähen Überlebenswillen dieser geheimnisvollen Geschöpfe erzählt meine Geschichte: Bei der abendlichen Kontrolle unseres Garten-Pools fand ich, in der Ansaugvorrichtung des Oberflächenreinigers gefangen, eine winzige Fledermaus. Sie war eiskalt, doch sie zappelte in meiner Hand! Ich nahm sie mit ins Haus, und aufgeregt googelten die Kinder gleich, wie man mit einem solchen Fund am besten umgeht. „Man darf sie nicht anfassen!“, rief meine Tochter, „das sind Säugetiere, und die Mutter nimmt sie dann nicht mehr an!“ – „Sie fressen in erster Linie Insekten und werden bis zu 30 Jahre alt. Sie stehen in Deutschland unter strengem Artenschutz“, präsentierte Sandro aus dem Web angeeignetes neues Wissen. Und jetzt? Wir füllten eine Wärmflasche mit warmem Wasser, legten sie in einen Eimer, ein Handtuch darüber, und setzten die Fledermaus hinein. Der Eimer übernachtete auf dem Gartentisch. „Die Mutter ruft ihr Kind mittels dieses Echo-Ortungssystems, mit dem Fledermäuse sich verständigen“, erklärte Perina. „Menschen können das nicht hören. Vielleicht ist sie morgen früh verschwunden und alles ist gut.“

Leider war dem nicht so. Seitdem füttern wir dreimal am Tag unseren „Fledi“ mit Katzenmilch aus einer Spritze und lebenden Mehlwürmern. Wir erkundigten uns bei einem Fachmann des NABU (Naturschutzbund), der uns einen Holzkasten zur Verfügung stellte, so groß wie ein Schuhkarton, in dem ein Handtuch hängt, in dessen Falten sich Fledi gerne verkriecht und kopfüber „abhängt“.

„Das war kein Erstflug“, sagte der Nabumann und maß die Flügelspannweite unserer Fledermaus, jeweils etwa 12 cm. „Das ist eine Zwergfledermaus, und außerdem noch ein Baby, fast zu klein um Würmer zu fressen. Sie werden von der Mutter oft zum Fliegen mitgenommen, und wahrscheinlich ist sie in Ihrem Pool abgestürzt und musste das Kleine zurücklassen.“ Wir sollten Fledi noch weitere zwei Wochen mit Milch füttern und es mit den Würmern probieren. Von denen vertilgt er mittlerweile 2-3 Stück am Tag. „Dann können wir es in der Auswilderungs-Volière versuchen.“

Inzwischen ist uns der Kleine (es ist ein Männchen) sehr ans Herzgewachsen und ich bilde mir ein, dass er mich kennt. Ich wusste nicht, dass Fledermäuse gähnen, sich das Maul nach der Mahlzeit putzen und sich gerne ausgiebig kratzen! Abends wird er munter, breitet die Flügel aus und krabbelt über den Tisch …

In Deutschland sind viele Fledermausarten vom Aussterben bedroht. Allein 250.000 Tiere sterben durch die Rotorblätter von Windrädern, die sich leider in Fledermaus-Flughöhe befinden. In Bayern gibt es 25 verschiedene Arten, die alle auf der Roten Liste stehen.
Von der Großen Hufeisennase gibt es nur noch eine einzige Kolonie in Deutschland: In Hohenburg (Landkreis Amberg-Sulzbach) leben die Tiere auf dem Dachboden eines jahrhundertealten Hauses. Was alle Fledermäuse gemein haben: Sie sind sehr klein. Die Zwergfledermaus hat eine Körperlänge von nur 4 cm, der große Abendsegler wird 8 cm lang, seine Flügelspannweite misst allerdings 40 cm!

Hierzulande saugen die Fledermäuse kein Blut und man braucht keine Angst vor ihnen zu haben. Sie sind sogar eher Kulturfolger, nisten nicht nur in verlassenen Burgen und Höhlen, sondern auch in geeigneten Schlupfwinkeln an Haus und Hof. Auch kleine Höhlen und Nischen in alten Bäumen werden gerne als Schlafstätte benutzt. Wir können ihnen helfen, indem wir Nisthilfen aufstellen und unseren Garten in einem naturnahen Zustand belassen!

Infos im Netz: https://www.br.de/themen/wissen/fledermaus-fledermaeuse-bayern-rote-liste-100.html, www.deutschewildtierstiftung.de oder www.all-about-bats.net.