Haben Sie einen Organspende-Ausweis?

 

INGRID LIEZ …

Also mal ehrlich … was wäre, wenn Sie plötzlich an einer unheilbaren Krankheit leiden würden, bei der Herz, Lunge, Nieren oder Leber irreversibel geschädigt wären? Zugegeben, die Vorstellung ist bestimmt nicht angenehm. Vielleicht sind Sie für immer von der Dialyse abhängig. Vielleicht sind Sie bettlägerig, können sich nicht mehr bewegen oder man hat Ihnen sogar ein Kunstherz eingesetzt, bis … ja, bis sich ein für Sie geeignetes Spenderherz findet. Monatelang klammern Sie sich an diese eine Hoffnung, die Sie noch haben, obwohl dafür ein anderer Mensch erst sterben müsste. Sie sind so verzweifelt und hoffen, dass Sie auch auf der Liste der Organempfänger möglichst schnell nach oben rücken. Oder gehören Sie zu den wenigen Menschen, die aus ethischen Gründen die Annahme eines fremden Organs verweigern?

Wenn man sich das Leid der Betroffenen vor Augen führt, dann bekommt die Antwort auf die Frage, ob man selbst bereit ist, nach dem Tod seine Organe zu spenden, eine ganz andere Gewichtung. Denn man könnte ja eines Tages selbst betroffen sein! Im Jahre 2017 ist die Zahl der Organspender in Deutschland auf 797 gesunken, 2007 waren es noch 1313 Personen. Woran liegt das? Nicht etwa daran, dass es weniger tödliche Unfälle gibt! Sicherlich spielt es eine Rolle, dass mit den Spenderorganen vor einigen Jahren unlauterer Handel getrieben wurde. Ausbaden müssen das die armen Menschen, die dringend auf ein Organ warten.

Viele Angehörige verweigern die Organspende, wenn sie im Krankenhaus beim Tod eines nahen Verwandten gefragt werden, ob die Organe entnommen werden dürfen. Oftmals ist der Wille des Verstorbenen nicht mehr zu ermitteln, weil ein entsprechender Organspendeausweis (in dem man übrigens auch ausdrücklich festlegen kann, dass man NICHT spenden möchte!) fehlt.
Die Gründe für die niedrige Zahl an Spendern sei vielschichtig, so äußert sich Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, in der FASZ. Das Vertrauen der Menschen in die Medizin müsse zurückgewonnen werden. Als positives Beispiel nennt er Bayern, wo die Organspenden entgegen dem bundesweiten Trend nicht ab-, sondern zugenommen haben.
In der Tat sind es viele Menschen, die sich aus religiösen Gründen gegen eine Organspende entscheiden. Sie haben Angst, dass die Einheit von Körper und Geist beschädigt und damit der Eingang ins Jenseits verhindert wird. Aber seien wir ehrlich: Der Körper zerfällt wieder zu Erde! In allen großen Weltreligionen ist es die Seele allein, die nach dem Tod weiterlebt. Wieso sollte ein göttliches Wesen so kleinlich sein, und uns wegen einer Gabe des Erbarmens, in Liebe und Fürsorge für einen Mitmenschen, den Eingang ins Himmelreich verwehren?

Auch die Angst, dass Organe entnommen werden, während noch eine Chance für unser Überleben besteht, ist hinfällig. Die Voraussetzungen für eine Organspende sind im Transplantationsgesetz streng geregelt. Es muss der unumkehrbare Ausfall aller Hirnfunktionen (der sogenannte Hirntod) eingetreten und nach der Richtlinie der Bundesärztekammer festgestellt worden sein.
Wer sich entscheidet und einen Organspendeausweis bei sich trägt, kann diese Entscheidung jederzeit auch wieder rückgängig machen und den Ausweis ändern. Es ist auch möglich, bestimmte Organe von der Spende auszunehmen. Man erhält den Ausweis bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und kann ihn auch online ausfüllen und ausdrucken. Telefonisch ist er beim Infotelefon Organspende unter 0800 9040400 (kostenfrei) anzufordern. Auch in vielen Arztpraxen und Apotheken ist er erhältlich.

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