Tricksen beim Essen

INGRID LIEZ …

Kennen Sie „Downgrading“? Das Wort kommt eigentlich aus der Computerbranche und bedeutet „etwas auf einen älteren Stand zurückbringen“, quasi das Gegenteil von „upgrade“. Auch in der Lebensmittelindustrie wird oft und gerne „downgegradet“. Um es mal offen zu sagen: Ein Lebensmittel wird in seiner Qualität verschlechtert.

Dass auch in dieser Branche viel geschummelt wird, ist ja mittlerweile eine Binsenweisheit. Die Konzerne wollen sparen und Kosten, so weit es irgend geht, auf den Verbraucher umlegen. Man reduziert klammheimlich Inhaltsstoffe oder streckt ein Produkt mit Füllstoffen, wie etwa mit Wasser oder Luft. Der Preis bleibt dabei der gleiche oder wird sogar erhöht, das Ganze wird uns auf dem Etikett dann zum Beispiel mit den Worten „neue Rezeptur“ schmackhaft gemacht. Die Liste der Inhaltsstoffe ist dabei meist so winzig und unübersichtlich angegeben, dass der Normalverbraucher hier gar nicht durchsteigt und den Unterschied nicht bemerkt. Dabei heißt es sogar in den meisten Begründungen der Hersteller, der Verbraucher wünsche sich eine andere Zusammensetzung des Produkts, einen intensiveren Fruchtgeschmack, eine verbesserte Konsistenz usw.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine Downgrading-Liste mit 17 untersuchten Produkten veröffentlicht (www.vzhh.de). Hier findet man Nuss-Nougat-Creme mit weniger Kakao, Eiersalat mit weniger Eiern oder Müsliriegel mit einem geringeren Anteil an Haselnüssen. Hinzugekommen sind stattdessen Konservierungsstoffe, Aromen oder Milchpulver. Bei einer Dreiviertelfettmargarine (Rama) ist neuerdings statt 46% Rapsöl nur noch 36% enthalten, stattdessen mehr Wasser. Der Hersteller Unilever antwortet auf die Anfrage der Verbraucherzentrale, er wolle das Produkt den Bedürfnissen seiner Kunden anpassen: „Unsere Konsumenten bevorzugen eine leichte und cremige Textur. Wir haben daher die Zusammensetzung der klassischen Rama überarbeitet: Der Fettgehalt ist geringer, Buttermilch und eine leichter schmelzende Fettmischung machen das Produkt insgesamt cremiger.“

Bei dem Kräutertee „Brennnessel-Mischung“ von Meßmer wurde der Anteil der Brennnesseln von 62% auf 51% verringert. Begründung hierzu: „Aufgrund der Verfügbarkeit des Rohstoffs Brennnessel in der geforderten UTZ-Qualität musste bei dem Artikel die Zutat Brennnessel auf 51 % reduziert und die Rezeptur entsprechend optimiert werden, die Geschmacksrichtung ist dabei gleich geblieben.“

(Mein Tipp für Brennnessel-Tee zum Nulltarif: Ziehen Sie Handschuhe an und pflücken Sie die Brennnessel selbst an geschützten Stellen in der Natur! Trocknen Sie die Stängel kopfüber und zerbröseln Sie sie dann. Abgefüllt in luftdichte und lichtgeschützte Gefäße halten sie sich über ein Jahr. Auch Brombeerblätter, die im Meßmer-Produkt enthalten sind, kann man leicht selbst im Wald oder im eigenen Garten ernten und trocknen.)
Die Verbraucher wählten übrigens das Produkt Dr. Oetker Vitalis Früchtemüsli zur Mogelpackung des Jahres 2017 (vgl. www.t-online.de vom 6. 3. 2018). Der Hersteller hatte den Inhalt insgesamt von 600g auf 500g verringert, ohne den Preis anzupassen. Es wurde vermehrt Zucker zugesetzt und weniger Vollkorn verwendet. Auf dem zweiten Platz der Mogelpackung-Liste landete das Kaugummi Mentos Pure White von Perfetti Van Melle (weniger Dragees pro Packung), den dritten Platz belegte der Schokoriegel „Milka Nussini“ von Mondelez. Er ist nicht nur kleiner geworden, sondern beinhaltet auch prozentual weniger Haselnüsse.

Mein Fazit: Das Zurückgreifen beim Einkaufen auf möglichst wenig industriell verarbeitete Waren wie zum Beispiel Obst, Gemüse, Eier, Haferflocken oder Trockenfrüchte (Müsli selbst zusammenstellen!) ist absolut sinnvoll! Vieles kann man selbst herstellen, mit nicht allzu hohem Zeitaufwand. Zum Beispiel Mayonnaise – mit Eigelb, Öl und den üblichen Salatgewürzen erhält man ein leckeres Eigenprodukt. Dies alles schont nicht nur den Geldbeutel, sondern kommt auch unserer Gesundheit zugute.

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