Weihnachten – das Fest der Geschenke


INGRID LIEZ …

An Weihnachten schenkt beinahe jeder jedem etwas, und das nicht nur innerhalb der eigenen Familie. Auch Freunde oder Nachbarn werden manchmal beschenkt, und das ist eine schöne Tradition. Man will einfach jedem eine Freude machen und zeigen, dass man an sie oder ihn gedacht hat.

Aber mal ehrlich, manchmal ergeben sich da ganz komische Situationen! Zum Beispiel, wenn ich meiner Freundin einen 20-€-Gutschein fürs Kino schenke, und sie mir ebenso einen, für den Lieblingsklamottenladen, ebenfalls für 20 €. Oder ich schenke den Kindern in der Verwandtschaft Lego und meine Kinder bekommen von Onkel und Tante ebenfalls die kleinen bunten Bausteine geschenkt. War ja gut gemeint!

Den guten Willen zeigen auch Geschenke, die man eigentlich gar nicht haben will – so die zehnte hässliche Glasvase von der Schwiegermutter oder den kratzigen selbstgestrickten Pullover von der Patentante für meine Tochter – aber was für eine Arbeit sie sich gemacht hat! Ein weiteres unattraktives Weihnachtsgeschenk sind Socken für die Jungs oder Parfum, das man eigentlich nicht riechen kann. Ein richtiges Problem sind heutzutage die vielen elektronischen Geschenke geworden, meine ich. So wünschen sich die größeren Kids, sehr oft aber auch die Erwachsenen, am liebsten Smartphones oder Tablets. Dabei stören diese häufig doch die direkte zwischenmenschliche Kommunikation und sorgen bei den Kindern zu Konzentrationsstörungen, Mangel an sozialer Kompetenz oder fehlenden motorischen Fähigkeiten! Im schlimmsten Fall sitzt die Familie unterm Weihnachtsbaum – und daddelt.

Der geschmückte Baum, die Geschenke – all das sind Traditionen, die auf das Zeitalter der Romantik zurückgehen, vor 200 Jahren also. Aber schon die Römer beschenkten sich zum Jahreswechsel gegenseitig, um sich Glück zu wünschen. Dieser Brauch wurde später mit der Feier zur Geburt Christi vermischt. Es gab auch im christlichen Kulturkreis die Tradition, den Kindern am Tag des Heiligen Nikolaus Äpfel und Nüsse zu schenken. Martin Luther lehnte die Heiligenverehrung jedoch ab – seit dem 16. Jahrhundert war in vermehrt protestantischen Gegenden dann der „Heilige Christ“ der Geschenkebringer, und zwar am 25. Dezember. Doch auch das Beschenken am 6. Dezember blieb bis heute erhalten. Seit der Zeit des (romantischen) Biedermeier erhielt das Schenken eine pädagogische Komponente: Der Weihnachtsmann oder „Knecht Ruprecht“ stellte zunächst an die Kinder die Frage: „Wart ihr auch schön brav?“ Nur der, über dessen Benehmen das ganze Jahr über sich niemand beschwerte, bekam etwas geschenkt und brauchte die Rute nicht zu fürchten. Von solchen Riten, die den Kindern Respekt und „Mores“ lehren sollten, sind wir heute natürlich weit entfernt. Da kommt schon eher mal die Frage: „War das schon alles oder kommt da noch was?“ Das finde ich traurig, und auch, wenn die Geschenke allein an ihrem materiellen Wert gemessen werden.

Das alles hat natürlich mit der Geburt Jesu wenig zu tun. Denn eigentlich ist doch er selbst das GESCHENK: In Jesus ist Gott Mensch geworden und kommt uns damit unbeschreiblich nah! Die Geschenke symbolisieren unsere Freude, dass er auf die Welt gekommen ist: Gott gibt seinen eigenen Sohn – wie groß muss seine Liebe zu uns sein! Die Freude darüber wollen wir mit allen anderen teilen. Daher spiegelt sich in unserer Liebe, Fürsorge und Wärme für unsere Verwandten und Mitmenschen Gottes Liebe zu uns allen wider.