Aus einer Vision wurde das Anzeigenblatt LOKAL

… bis es zur ersten LOKAL-Ausgabe im Städtedreieck kam, die am 1. Oktober 1981 in einer Auflage von 11000 Exemplaren in sämtliche Haushaltungen im Städtedreieck verteilt wurde, war es ein langer Weg für den Herausgeber Max Krempl, der sich erinnert …

Gründer Max Krempl mit der ersten
LOKAL-Ausgabe, die am 1. Oktober 1981
kostenlos in den Haushaltungen im Städtedreieck verteilt wurde. Foto: Medienverlag Krempl

Seit August 1964 lernte ich den Beruf des Schriftsetzers in der Druckerei Nußstein in Burglengenfeld. Man nannte uns Bleisetzer, wir standen aber die ganze Arbeitszeit lang an einem Setzkasten. Jeder Buchstabe war aus Blei, wurde in einem Winkelhaken nacheinander zu ganzen Zeilen gesetzt. So entstanden „Medien“ wie Sterbebilder, Vermählungskarten, Plakate etc., natürlich auch Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. Nach meiner Gesellenprüfung bewarb ich mich 1969 bei der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg. Hier war schon mehr los und mein Arbeitsfeld wanderte vom Akzidenzsatz (allgemeine Drucksachen) zum Werksatz (Bücher) und auch zum Zeitungssatz. Nach 18 Monaten Bundeswehr, wieder in der Mittelbayerischen Zeitung angekommen, interessierte mich die neue Entwicklung in der Druckvorlagenherstellung mit Fotosatz und ich bekam 1972 eine Umschulung dazu.
Es begann mit dem Lesen der monatlichen Zeitschrift „Reader’s Digest“: Ich hatte die Idee, irgendwann mal eine eigene Zeitschrift zu machen. Immer wieder faszinierte mich in diesem Magazin der Mix aus spannender Unterhaltung, News zur Gesellschaft und zu besonderen Menschen, Kurzgeschichten, Helden des Alltags im Interview, Wissen und Tipps für Haus und Garten, Hobbys und vieles mehr.
Als ich im Jahr 1973 mit 23 Jahren nach Nürnberg „auswanderte“, blieb „Reader’s Digest“ meine monatliche Lektüre. Der Gedanke, eine eigene Zeitschrift zu machen, verfolgte mich dabei. Durch die Kenntnisse im Fotosatz, die ich schon in der Mittelbayerischen Zeitung Regensburg erworben hatte, konnte ich bei der Einstellung im Sebald Verlag Nürnberg gleich mit einer eigenen Fotosatz-Montage-Abteilung beginnen.
Nach der Testphase von ca. einem Jahr wurden Mitarbeiter vom Handsatz/Bleisatz von mir zum Fotosatz umgeschult. Im Jahr 1975 erhielt ich nach sechs Monaten ganztägiger Meisterschule in Regensburg den Meisterbrief.

Die erste fast eigene Zeitschrift
Als Handwerksmeister im Sebald Verlag bekam ich 1976 die Chance, die Herstellung einer „Gautsch“-Zeitschrift zu machen.
Im Grafischen Gewerbe werden Lehrlinge, die ihre Abschlussprüfung bestanden haben, traditionell „gegautscht“.(https://de.wikipedia.org/wiki/Gautschen)
Zu diesem Anlass wurden im Sebald Verlag zwölf neue Gesellen ins Wasser getaucht und von ihren Sünden reingewaschen. Jeder erhielt nach der feucht-fröhlichen Aktion einen Gautsch-Brief. Eine Gautsch-Zeitung sollte das dokumentieren und gleichzeitig als kritisches, aber anonymes Sprachrohr für die Mitarbeiter/innen dienen.
Viele gute, interessante und kritische Texte mit lustigen Fotos und Zeichnungen von Mitarbeitern über Mitarbeiter, auch über Abteilungsleiter, konnte ich dafür sammeln. Wichtig war auch die Mithilfe eines Korrektor-Kollegen, der alles gut lesbar redigierte. So konnte ich „meine“ erste Zeitschrift mit 20 Seiten im A4-Format gestalten. WOW, das war meine erste Zeitschrift! Sie wurde im Sebald Verlag in einer Auflage von 1000 Exemplaren gedruckt. Eine weitere „Gautsch“-Zeitschrift folgte im Jahr 1979.

Etwas Eigenes – das wär‘s!
Der Gedanke zu einer eigenen Zeitschrift wurde immer stärker. So nahm ich die Gelegenheit wahr, mir das Angebot einer bestehenden Zeitung „Das Städtedreieck“, welches von einem älteren Regensburger Verleger-Ehepaar seit einigen Jahren monatlich im Städtedreieck herausgegeben wurde, anzusehen.
Nach einem Gespräch wurde mir klar, dass der Verkaufspreis für die Übernahme dieser Zeitung zu hoch war. Und Josef Kermer aus Wackersdorf, ein guter Freund und Lehrer, sagte zu mir daraufhin: „Wie blöd bist du eigentlich, die zwei ‚Alten‘ sammeln nur die Anzeigen ein und geben alles zur Herstellung der Seiten in eine Druckerei! Bis zur Druckherstellung kannst du doch alles selber! Und ich mache dann die Chef-Redaktion, solltest du mal deine eigene Zeitschrift machen.“
Wie das Schicksal es wollte, sattelte ich durch eine Veränderung meiner Familienverhältnisse Anfang 1980 zur Druckerei „Meiller“ nach Schwandorf um, einer Tochterfirma des Sebald Verlags. Hier war ich für die Leitung einer Fotosatz-Abteilung verantwortlich, die komplett neu erstellt wurde: Ein täglicher Verkehr mit digitaler Textherstellung von Zeitschriften und meterlangen belichteten Textkorrekturen per Lkw zwischen Schwandorf und Nürnberg.
Nach einiger Zeit entstand bei einem Lieferanten von Meiller eine gute Bekanntschaft mit dem Inhaber einer kleinen Druckerei aus Teublitz-Münchshofen. Günter Schießl lud mich eines Tages zu sich ein und fragte mich, ob ich ihm ab und zu mal bei Fotosatzarbeiten helfen könnte. Er bekäme aus München einen guten lukrativen Satzauftrag.
„Ich bin nicht so gut im Fotosatz. Die Druckmaschine liegt mir einfach besser in der Hand“, erklärte er. Mich faszinierte seine kleine Druckerei: Alles neu, und zusätzlich ein Fotosatz-Gerät und alles, was man für eine Druckvorlagenherstellung brauchte, aber klein. Ich war begeistert und sagte zu ihm: „Melde dich, wenn du mich brauchst!“
So kam es, dass Anfang 1981 der erste Auftrag von München kam, auch immer zwei bis drei Leute aus der Münchner Firma dazu. Bei der gemeinsamen Arbeit, die bis spät in die Nacht hinein dauerte, entstand unter uns ein immer gut gelauntes Team. Diese Arbeit machte mir sehr viel Spaß und es entstand eine neue Perspektive in dieser Zeit. In meiner Abteilung bei Meiller arbeitete ich jetzt nur noch halbtags. Die Vorstellung, als Drucksachenberater selbstständig zu werden, wuchs in mir.
Günter Schießl wusste von meiner Idee, eine eigene Zeitschrift herausgeben zu wollen. Er sagte eines Tages: „Also, wenn du mir meine Fotosatz-Sachen machst, drucke ich dir deine Zeitschrift.“ WOW, jetzt passierte in mir Unerklärliches. Tausend verschiedene Glocken fingen an zu läuten …
Als ich meinem Freund Kermer dies erzählte, sage der: „Na also, du Träumer, jetzt fang an zu planen. Ich denke nach, was wir für die erste Ausgabe für Themen reinschmeißen!“ – „Es muss ein neuer Mix zum Lesen werden, einer, den es bei uns so noch nicht gibt“, sagte ich zu ihm, „und einen Namen für die Zeitschrift brauchen wir natürlich auch!“
Um ein Gewerbe zu gründen, kündigte ich im Juni 1980 bei der Druckerei Meiller und meldete am 1. August 1981 in Burglengenfeld eine Drucksachenberatung an. Ich nahm Drucksachen-Aufträge an, gestaltete die Druckvorlagen in der Druckerei Schießl, wo sie natürlich auch gedruckt wurden.

Das mit dem Namen, ein langer Prozess!
Ja, welcher Name? Das war nicht einfach und brauchte lange Zeit. Nach mehr als über zwanzig aufgelisteten Namen konnte ich mich für keinen entscheiden. Da ich ja oft meine Planungen für die erste Ausgabe in Gasthäusern und Kneipen im Städtedreieck bei „einem Bierchen“ auf meine Notizzettel schrieb, auch die erdachten Namen, kam mir im damaligen „Balkan-Grill“ ein zündender Gedanke. Sitz ich doch in einem Lokal vor Ort, in dem es mir sehr gut gefällt und wo ich immer gerne Leute treffe, mit denen man interessante Themen diskutieren kann. Eine Zeitschrift ist doch auch so eine Art Zusammentreffen und wird dann von Leuten gerne gelesen – also in einem „lokal“! Trotz längerem Hin und Her: Die Zeitschrift bekam den Namen „lokal im städtedreieck“.

Finanzierung einer kostenlosen Zeitschrift …
Nach schon einigen mündlichen Zusagen von Wirten im Städtedreieck, sich mit einem Inserat in der ersten Ausgabe zu beteiligen – logisch, mit Kenntnis des Namens der Zeitschrift -, musste ich mir dennoch Gedanken über die Finanzierung der Zeitschrift machen. Mit einem skizzierten Klebe-Umbruch als Muster – also den grob entworfenen Seiten – ging ich zuerst in Burglengenfeld, meiner Geburtsstadt, in sämtliche Geschäfte, und stellte meine Idee von der neuen Zeitschrift vor.
Natürlich gab es nicht wenige, die sagten: „Tolle Idee, aber mach mal die erste Ausgabe, dann schau ma amal.“ Trotz solcher Aussagen ging ich weiter von einem Geschäft zum anderen. Ich war ja kein gelernter Verkäufer, geschweige denn ein geschulter Außendienst-Vertreter. So war es nicht ganz einfach, mit meinem Vorhaben zu überzeugen.
Überrascht war ich dennoch, dass mich 44 Geschäfte, überwiegend aus dem Städtedreieck, für die erste „lokal”-Ausgabe unterstützten.
Jetzt hatte ich eine finanzielle Grundlage für die Redaktion, die Herstellung der Druckvorlagen, den Druck und die Kosten der Verteilung. Doch ging es nicht ohne Überziehungskredite der drei ansässigen Banken. Toll jedoch, dass auch diese das erste „lokal“ mit Inseraten unterstützten.

Wie entstand der Inhalt von „lokal”?
Eine Zeitschrift mit einem „Anzeigenhimmel” sollte es nicht werden. Mein Freund Josef Kermer aus Wackersdorf, stand zu seinem Angebot, Redaktionelles zu gestalten. Er machte die Vorstellung dieser ersten Ausgabe auf Seite 3. Die beiden Vereine „Feldbogenclub Teublitz“ und „ASV-Skiabteilung Burglengenfeld“ nahm er unter die Lupe und stellte sie vor.
Er startete die Serie „Vo Gestern bis Heid” mit dem Thema „Die Anfänge und Entwicklung der mittleren Oberpfalz”. Mein guter Bekannter, der Franz Josef Vohburger, machte die Serie „Unser Burgenland” auf, mit Kurzbeschreibungen der Burgen aus dem Landkreis Schwandorf. Die Serie „Werkstattgeflüster” mit dem Thema „Pflanzenfärben (1)” entstand mit Ulli Bürgel-Goodwin, die ein Weber-Studio in Burglengenfeld betrieb. „Die Haut mit fünfzehn” war das erste Thema im „Kosmetik-Eckerl”, gestartet von Ilona Rothballer, dem Kosmetik-Studio aus Burglengenfeld. Garten-Tipps, Rezept-Vorschläge, Kreuzworträtsel, Verbraucher-Tipps und Firmen-PRs unterstrichen zusätzlich den redaktionellen Mix der neuen Zeitschrift „lokal im städtedreieck”.
Diese Beiträge, verbunden mit den Werbe-Anzeigen der Firmen, mussten auf 20 leeren A4-Seiten Platz finden. Bevor ich meine Wohnung am Marktplatz neben der Disco Sound in Burglengenfeld bezog, lebte ich noch einige Monate bei meiner Mutter in Wölland. Dank des ca. 10 Meter langen Ganges in ihrer Wohnung konnte ich das Layout für 20 Seiten „lokal“, am Fußboden ausgelegt, grob skizziert gestalten.

Technik zur Seitenherstellung
Die Druckvorlagen-Herstellung der ersten Ausgabe ist für die heutige Zeit wohl nicht mehr vorstellbar. Denn Personal-Computer mit digitaler Seitenherstellung gab es damals noch nicht. Alle redaktionellen Beiträge, die von freien Mitarbeitern auf Schreibmaschinen getippt, aber überwiegend handschriftlich ankamen, mussten auf einem Fotosatz-Gerät nochmal geschrieben werden. Das erledigte meine Schwester Inge in atemberaubender Geschwindigkeit. Die Texte, mit typografischen Befehlen ausgezeichnet, wurden erst auf Fotopapier und nach der Korrektur auf Film belichtet. Dazu war auch eine Dunkelkammer mit einer Entwicklungsmaschine notwendig, in der auf einer Repro-Kamera alle Papiervorlagen und Fotos aufgenommen und entwickelt wurden.
Texte, Fotos, Grafiken und Zeichnungen, die nun auf einem seitenverkehrten Film vorhanden waren, montierte und gestaltete ich nach meinem vorher grob skizzierten Layout auf einem Leuchttisch zu ganzen Seiten. Dies alles konnte ich in der Druckerei Schießl selber machen.

Der Druck und die Fertigung
Günter Schießl konnte mit seiner Offset-Maschine in einem Durchlauf vier A4-Seiten drucken (ca. 2 Stunden bei 11000 A2-Bögen). Erst die Vorderseite, dann die Rückseite (Schön- und Widerdruck genannt). Er druckte schon etliche Bogen voraus, wobei ich während dieser Zeit noch bei einigen geplanten Anzeigenkunden die Vorlagen abholte. Denn jede zugesagte Anzeige war wichtig. Alle fertig gedruckten 2 1/2 Bogen wurden gefalzt und in Kartons zu fleißigen Hilfskräften zum Ineinanderstecken von Hand in deren privaten Wohnungen gebracht und wieder abgeholt, in der Druckerei am Rücken geklammert und an drei Seiten beschnitten. Das war die Geburt von „lokal im städtedreieck“.

Die Verteilung
Um das „lokal“ nun vertrauensvoll in die ca. 11000 Briefkästen zu bringen, verteilte ich die erste Ausgabe in drei Tagen selber mit Hilfe meiner Familie und besten Freunden und Bekannten. Die erste Ausgabe „lokal im städtedreieck“ kam bei den Leuten gut an. Auch weitere Geschäfte zeigten Interesse, in dem neuen Medium werben zu wollen. Mein Dank gilt heute noch allen, die mir beim Start für das erste „lokal“ halfen, besonders auch den 44 Anzeigenkunden der ersten Stunde.

44 Anzeigenkunden der ersten LOKAL-Ausgabe:
Sparkasse
Raiffeisenbank
Schmidt Bank
Taxi Goldbach
Autohaus John. Schmidt
Autohaus Vetterl
Raumausstattung Siegl
Rötzer‘s Hosen-Shop
Salon Linde
Orthopädieshuhe Fischer
Modehaus Karl
Kosmetik Ilona Rothballer
Blumenshop Heindl
Buchhandlung Arnold
Elektotechnik Träger
Fenster-Türen Schön
Quelle Agentur Scharf
Bärbls Bunte Truhe
Uhren-Optik Röhr
Restaurant „Graf Babo“
Pilspub Alte Eiche
Metzgerei Götz
Haushaltswaren Weindler
Schuh Walberer
Gasthof drei Kronen
Druckerei Schießl
Schreinerei Josef Schoierer
Raumausstatter Etz & Hummel
Die Webstube Bürgel-Goodwin
V-markt Teublitz
Gärtnerei Fischer
Otto-Katalog-Shop
Gasthof Bayerischer Hof
Maximilian-Drogerie Hocke
Handarbeiten Sabel
Uhren-Schmuck Rappl
Mieder-Wäsche Buchmann
Balkan-Grill
Cafe Grimm
Volkmann Heizung & Sanitär
Disco Sound
Schallplatten B.Götz
Elektro Arnold
Küchenhaus Schurek