25 Jahre Tag des offenen Denkmals in Burglengenfeld

Ansichtskarte: Burglengenfeld Unterer Marktplatz, um 1915 (© Slg. Karl Müller, Volkskundemuseum Burglengenfeld)

„Entdecken, was uns verbindet“

BURGLENGENFELD (sr). Für ihr 25-jähriges Jubiläum hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ wieder private und öffentliche Denkmaleigentümer und –sanierer zum Mitmachen aufgerufen. In Burglengenfeld beteiligen sich verschiedene Institutionen am Tag des offenen Denkmals am 9. September 2018.

Stadtführungen und Nachtwanderungen, Ausstellungen und das Freilichtspiel am Galgenberg: es gibt eine Reihe von spannenden Angeboten über das ganze Wochenende. Das bundesweite Motto „Entdecken, was uns verbindet“ passt zu Burglengenfeld besonders gut, weil hier die Stadt intensiv mit den Bürgern zusammenarbeitet und gemeinsam immer wieder neue Ideen zur Erforschung, Sanierung und Nutzung historischer Bauten entwickelt werden.
Am Denkmaltag stehen in Burglengenfeld wieder kundige Persönlichkeiten bereit, um interessierten Gästen Wissenswertes aus der Geschichte der Stadt im Rahmen von Führungen zu vermitteln.

Los geht es wieder bereits am Vorabend: „Galgenberg – Richtstätte im Mittelalter“ heißt ein Freilichtspiel, das seit einigen Jahren Besucher in Scharen anzieht. Am Samstagabend, 8. September, ab 20 Uhr führen Gerhard Schneeberger und seine Theatergruppe am Originalschauplatz das Stück um den Raubmörder Andreas Büchl aus Regendort auf, der hier als letzter Delinquent 1809 hingerichtet wurde, nachdem er zwei junge Frauen aus Habgier ermordet und ausgeraubt hatte. Burglengenfeld ist einer der wenigen Orte in der Oberpfalz, an denen eine historische Richtstätte, weithin sichtbares Zeichen landesrichterlicher Macht über Leib und Leben der Untertanen, noch weitgehend original erhalten ist. In stimmungsvoller Atmosphäre lassen die Laienspieler das Schauerstück über den Teufelskünstler und Raubmörder Büchl und seine Zeit wieder lebendig werden.

Treffpunkt: Galgenberg, Dauer ca. 1,5 Stunden, Gäste zahlen pro Person sieben Euro; Kinder sollten mindestens 12 Jahre alt sein. Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung im Rathaus gebeten bei Gerhard Schneeberger per E-Mail an gerhard.schneeberger@burglengenfeld.de oder im Bürgerbüro der Stadt Burglengenfeld, Tel. (09471) 70 18 64.

Am Tag des offenen Denkmals (Sonntag, 9. September 2018) werden in Burglengenfeld folgende Gebäude und Örtlichkeiten vorgestellt, meist bei freiem Eintritt:

Burg zu Lengenfeld, 14 bis 17 Uhr. Die beherrschende Anlage oberhalb der Stadt im Naabtal befindet sich seit 1968 im Privatbesitz der Familie Heuser und wird als sozialpädagogische Einrichtung genutzt. Es handelt sich um eine der größten Burganlagen Bayerns, ist historisch eine der Wiegen des Wittelsbacher Königshauses, war Residenz der neuburgischen Pfalzgrafen im 16. Jahrhundert und erlebte glanzvolle Herrscher ebenso wie Plünderungen und Verfall im Lauf von rund 1000 Jahren. Die Burg kann am Tag des offenen Denkmals bei freiem Eintritt besichtigt werden.

Oberpfälzer Volkskundemuseum, 14 bis 17 Uhr. Im Burglengenfelder Museum wird am 7. September die Kunstausstellung „selection“ mit Werken von Gené Neurieder aus dem Beratzhausener Ortsteil Rechberg eröffnet. Zu besichtigen ist die Ausstellung bis zum 21. Oktober 2018. Die Künstlerin zeigt inspirative, farb- und ausdrucksstarke Werke in Acryl und Mischtechniken, in denen sie ihre Reiseeindrücke aus Afrika, Asien und Europa und ihre Interpretationen von heimischen Landschaften und Städten umsetzt.
Am Denkmaltag ist die Ausstellung ebenso wie das gesamte Museum mit den neu gestalteten stadtgeschichtlichen Abteilungen im Erdgeschoss des rund 600 Jahre alten ehemaligen Kanzleigebäudes zugänglich – der Eintritt ist frei.

Wehrturm in der Kellergasse bei Nacht (© Gerhard Besenhard, Burglengenfeld)

Wehrturm in der Kellergasse, 14 bis 16 Uhr. Als Teil der historischen und teilweise rekonstruierten Stadtmauer hatte der Turm außerhalb des Kellertores eine wichtige Funktion, um die Bürger vor Feinden und Räubern zu schützen. Hier ließ der Nachtwächter sein Lied erklingen, hier trieben die Ackerbürger tagsüber ihr Vieh zum Lanzenanger und holten das selbstgebraute Bier aus den Kellern. Der Wehrturm ist als Teil der „Europäischen Meile“ zum Standort für die Burglengenfelder Partnerstadt Radotin in Tschechien ausgewählt worden und gilt als Musterbeispiel für die gelungene Sanierung eines viele Jahrhunderte alten Gebäudes aus der Zeit vor 1460 als Teil des Altstadtensembles. Dipl. Ing. Innenarchitekt Arthur Pufke aus Maxhütte-Haidhof hat die Sanierung, wie auch beim Örtlturm, aktuell bei der ehemaligen Fronfeste und beim Oberpfälzer Volkskundemuseum geplant und begleitet und kennt wie kaum ein anderer die Geschichte, die Spuren und die Besonderheiten der langen Nutzung des ehemaligen Wehr-, Wohn- und Wirtschaftsturmes. So ist es etwa verblüffend, dass der Keller unter der Treppe des Wehrturms selbst bei Naabhochwasser immer trocken bleibt.

Stadtführung „Burglengenfeld seit der Stadterhebung 1542“, 14.30 bis 16 Uhr, mit Ortsheimatpfleger Günther Plößl. Treffpunkt ist am Bonhoeffer-Platz vor der Evangelischen Christuskirche, Teilnahmegebühr: zwei Euro. Viele Bürgerhäuser, die Kirchen und Amtsgebäude in der Burglengenfelder Altstadt lassen bis heute die Pracht des Spätmittelalters erkennen. Als pfalz-neuburgische Residenz, Poststation und Sitz des Landrichters sowie weiterer überörtlicher Behörden war Burglengenfeld bis in das 20. Jahrhundert einer der wichtigsten Zentralorte der mittleren Oberpfalz. Hier wurde Politik gemacht und Recht gesprochen, hier traf man sich auf den Jahr- und Wochenmärkten, hier ging man ins Wirtshaus und später ins Kino, hier erlebte man großartige Prozessionen und Kirchenfeste. Am 15. November 1542 wurde der Markt Lengenfeld schließlich mit den Stadtrechten ausgezeichnet.
Günther Plößl kennt sich als Ortsheimatpfleger und ehemaliger Geschäftsleiter und Bauamtsleiter der Stadt mit Baugeschichte und Denkmalpflege ebenso gut aus wie mit den tragischen und witzigen Begebenheiten, die sich auf den Gassen, in Amtsstuben und vor allem in den Wirtshäusern abgespielt haben. Einige der sonst nicht zugänglichen Häuser und Keller werden auch von innen besichtigt.

Ansichtskarte: Burglengenfeld – Burg, um 1925 (© Slg. Karl Müller, Volkskundemuseum Burglengenfeld)

Nachtwanderung durch Burglengenfeld: „Wo Licht ist, ist Leben“, 20 bis 21.30 Uhr, mit Gerhard Besenhard (zertifizierter Gästeführer). Treffpunkt ist am Europaplatz, Teilnahmegebühr: Erwachsene 5 Euro, Kinder 2 Euro. Seit jeher wurden in den sog. Lichtstuben Geschichten und Sagen erzählt. Licht und Geschichten verbinden auch uns folglich mit der Vergangenheit. Gerhard Besenhard wird seine Gäste mit dem Leben in der Stadt vertraut machen, als es noch keine elektrische Beleuchtung gab, als nach Sonnenuntergang die Straßen und Gassen also ziemlich finster waren. Er führt die Teilnehmer zu Örtlichkeiten und Bauwerken in der Altstadt, die mit Licht in Verbindung stehen, z.B. in die Lichtgasse, in einen der dunklen Bierkeller oder zu den heimeligen Wirtsstuben, deren beleuchtete Fenster zur Einkehr luden. Lengfelder Geschichten dürfen dabei nicht fehlen und werden von Besenhard in bekannter Art und Weise vorgetragen. Die Gäste sollten eine Taschen- oder Stirnlampe dabei haben. Nach ca. 1,5 Stunden kehrt die Gruppe zum Ausgangspunkt am Europaplatz zurück. Um Anmeldung bei Gerhard Besenhard wird gebeten unter Tel. 09471-950 261 oder 0151-597 379 29 oder an Juratours@t-online.de.