Der Weg der OBAG – Strom für Ostbayern von 1900 bis 1961

Vortrag von Georg Wickles im Mehrgenerationenhaus

Georg Wickles (rechts im Bild) war Betriebselektriker im Bayernwerk Schwandorf und brachte zu dem Vortrag auch Werkstücke als Anschauungsmaterial mit. Foto Dr. Barth (Stadt Maxhütte-Haidhof)

Maxhütte-Haidhof war in der Zeit zwischen 1908 und 1931 einmal das Zentrum der oberpfälzischen Stromerzeugung. In der Ponholzer Überlandcentrale wurde wenige Jahre vor dem 1. Weltkrieg mit Hilfe der einheimischen Braunkohle Strom für Regensburg und beinahe die gesamte südliche Oberpfalz erzeugt. Auch das Zementwerk in Burglengenfeld, welches 1912 entstand, wäre ohne die Elektrizität, die aus dem benachbarten Maxhütte-Haidhof geliefert wurde, undenkbar gewesen. Vor allem aber der ländliche Raum, der bis dahin überhaupt nicht versorgt worden war, konnte ab 1910 mit Elektrizität beliefert werden. Ab jetzt gehörten Glühbirnen und elektrisches Licht zum alltäglichen Leben und die vorher verwendeten Öllampen verschwanden.

Auf diese wichtigen Punkte der regionalen Industriegeschichte machte Georg Wickles in einem von Dr. Thomas Barth, dem Archivar der Stadt, initiierten Vortrag im MehrGenerationenHaus kürzlich aufmerksam. Herr Wickles näherte sich dabei dem Thema aus der Sicht des Praktikers an. Als Betriebselektriker arbeitete er ab 1972 bis zu seinem Eintreten in den Ruhestand im Bayernwerk Schwandorf. Mit Hilfe von Ersatzteilen und Werkstücken, die vor 100 Jahren üblich waren, führte er vor, wie im Kaiserreich elektrischer Strom erzeugt und an die Verbraucher geliefert wurde. Auch wenn es bei diesen musealen Objekten ein bisschen verwunderlich klingt: Vor einem Jahrhundert handelte es sich hier um Hochtechnologie „made in Germany“.

Detailliert schilderte der Referent die Entwicklung von der Oberpfälzer Braunkohlengewerkschaft zur Bayerischen Überlandcentrale AG und schließlich zur OWAG bzw. OBAG. In seinen Ausführungen ging er auch auf technologische Konzepte ein, die die Versorgungssicherheit im Lauf der Jahre immer weiter verbesserten: Durch Ringleitungen, welche die vorher üblichen energetischen Insellösungen miteinander vernetzten, wurden etwa Stromausfälle immer stärker zurückgedrängt. Noch in den 20er Jahren führten etwa Streiks der Belegschaft oder Beschädigungen des Ponholzer Kraftwerks bei einem Blitzeinschlag zum Ausfall der Stromversorgung. Das Ende des Kraftwerks kam 1931, mit der Inbetriebnahme des neuen Werks in Schwandorf. Nur durch die Anstrengungen der Kommunalpolitiker, vor allem von Bürgermeister Weigl in Maxhütte, überlebte der Tagebau und förderte zuerst wieder Kohle und danach feuerfesten Ton (Schamotte) für die Industrie.

Herr Wickles konnte in seinem Vortrag auch die Frage klären, warum ältere Häuser nur über ganz wenige Steckdosen verfügten. Da die Verbrauchsabrechnung früher auch nach der Zahl der Stromanschlüsse berechnet wurde, wurde hier von den Elektrikern ganz selbstverständlich auf Sparsamkeit geachtet. Insgesamt konnten die Zuhörer bei diesem Vortrag viel über die Geschichte der Elektrizität, über Konzepte, Irrwege und Lösungswege bei der Herstellung und Belieferung mit elektrischem Strom erfahren.