Großprojekt abgeschlossen: Feuerwache II eingeweiht

WACKERSDORF (sr). Die Gemeinde Wackersdorf hat im Norden der Kommune eine neue Feuerwache gebaut. Sie befindet sich in direkter Nachbarschaft zu den Industriegebieten Westlicher Taxöldener Forst (WTF) 1, WTF 2 und Nord. Die Wache optimiert den Brandschutz vor Ort erheblich – und steigert dadurch den Wert des Wirtschaftsstandorts.

Für Das offizielle Pressefoto stellten sich (vordere Reihe, v.l.) Kommandant Jochen Sander, Bürgermeister Thomas Falter, Regierungspräsident Axel Bartelt und Landrat Thomas Ebeling mit einem Teil der Einsatzmannschaft vor der neuen Wache II auf. Foto: Nina Schmid/VG Wackersdorf

Am 27. Januar fand die Einweihung statt. Der Blick auf die Gästeliste, in die sich unter anderem auch Regierungspräsident Axel Bartelt reihte, täuschte im ersten Moment: Die Besucherzahl war drastisch begrenzt. Jeder Gast bekam einen festen Sitzplatz mit genau abgemessenen Mindestabständen zum Sitznachbarn zugewiesen. Auf das „große Besteck“ mit musikalischer Umrahmung und Festbetrieb musste verzichtet werden. Trotz dieser und weiterer Corona-bedingter Einschränkungen herrschte beste Laune. Zurecht. Immerhin markiere die Fertigstellung des Gebäudes den Abschluss eines Großprojekts, das Wackersdorf seit vielen Jahren beschäftigte, merkte Bürgermeister Thomas Falter in seinem Grußwort an. Anschließend wandte er den Blick auf die Historie. Der Ursprung des neuen Standorts gründet in der sogenannten „Hilfsfrist“. Diese legt fest, dass binnen 10 Minuten Kräfte der Feuerwehr Wackersdorf Einsatzorte im Gemeindegebiet erreichen müssen. Mit Blick auf die Industriegebiete sei dieses Zeitfenster oftmals nur schwer einzuhalten gewesen, so Falter: „Die Distanz zur Feuerwache am Rathaus ist schlichtweg zu groß.“ Eine Verlegung des Feuerwehrhauses am Rathaus in die Nähe der Industriegebiete hätte das Problem auch nicht behoben, ergänzte Regierungspräsident Axel Bartelt. Dadurch hätte die Hilfsfrist im Bereich der Autobahn nicht mehr eingehalten werden können: „Das ist wie mit einem Tischtuch, das zu klein für den Tisch ist. Egal in welche Richtung man es zieht: An einem Ende reicht es immer nicht.“ Abhilfe schafft der neue Standort, die Feuerwache 2. Dazu wird keine neue Feuerwehr gegründet. Das neue Haus wird vollständig in die Feuerwehr Wackersdorf integriert. Das Besondere: Diese Zwei-Standort-Modell ist keine Lösung von der Stange, wie auch Landrat Thomas Ebeling betonte: „Die größte Herausforderung lag in der Personalfrage.“

Die Einsatzkräfte: Das „Wackersdorfer Modell“

Schon die Bezeichnung „Freiwillige Feuerwehr“ steckt das Problemfeld ab: Es braucht aktive, ehrenamtliche Mitglieder, die im Alarmfall ausrücken. Und selbstverständlich spiele auch hier die Hilfsfrist wieder eine tragende Rolle, schilderte Reinhard Schuß, Hauptamtsleiter im Wackersdorfer Rathaus: „Da fielen schnell unsere ortsansässigen Betriebe in den Fokus.“ Immerhin arbeiteten im direkten Umfeld um die Wache 2 mehrere tausend Beschäftigte. Und genau in diesem Personenkreis konnten Einsatzkräfte gewonnen werden. Es sind überwiegend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei sich zuhause am Wohnort bereits einer Feuerwehr angehören, nun der Feuerwehr Wackersdorf als sogenannte „Zweitwehr“ beigetreten sind, und im Einsatzfall während ihrer Arbeitszeit von Feuerwache 2 ausrücken. Dieses Personalmodell finde man in ganz Bayern nur äußert selten, richtete sich der Bürgermeister an die Gäste der Einweihungsfeier: „Ein großes Dankeschön an alle Firmen, die ihr Personal für den Feuerwehreinsatz freistellen.“ Er ergänzte, dass diese Konstellation zusätzlich ideelle und einsatz-taktische Vorteile mit sich bringe. Zum einen stärke die Zusammenarbeit in der Wehr die Kommunikation und die Verbindung der Unternehmen untereinander. Einen zweiten Aspekt erläuterte Kommandant Jochen Sander: „Die Leute kennen ihre eigenen Betriebe. Das ist im Einsatzfall schnell von großem Wert.“ Verstärkt wird die Wachmannschaft zeitweise durch Einsatzkräfte der Feuerwehren Rauberweiherhaus und Altenschwand. Auch hier sprach Bürgermeister Thomas Falter einen expliziten Dank an die Aktiven aus – im Falle der Feuerwehr Altenschwand zusätzlich an die Gemeinde Bodenwöhr.

Zwei Fahrzeuge und ein Boot

Als „Allzweckwaffe“ wird an der neuen Feuerwache ein sogenanntes Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 16/12 stationiert. Auf ihm ist neben den Gerätschaften zur Brandbekämpfung auch umfangreiches Material für schwere technische Hilfeleistungen verlastet. Dieses Fahrzeug befindet sich bereits seit 1996 im Fuhrpark der Feuerwehr Wackersdorf. Es wird von der alten Feuerwache am Rathaus an den neuen Standort verlegt. Als Ersatz erhält Feuerwache 1 noch in diesem Jahr einen „Gerätewagen-Logistik“. Der Fuhrpark von Feuerwache 2 wird durch einen Kleinbus („Mannschaftstransportwagen“) und ein Boot ergänzt. Letzteres wird mittels eines Anhängers transportiert. So kann es zukünftig flexibel in den umliegenden Gewässern wie Murner See und Brückelsee eingesetzt werden. Wann die Gerätschaften erstmals von Wache 2 ausrücken, ist noch nicht sicher. Die finalen Handlungsschritte liegen hier in der Hand von Feuerwehrführung und Integrierter Leitstelle.

Massive Investition in die Feuerwehren der Gemeinde

2,2 Mio. Euro investiert die Gemeinde Wackersdorf alleine in den Neubau von Wache 2. Hinzu kommen beispielsweise Kosten für neue Fahrzeuge und die persönliche Schutzausrüstung der Feuerwehrfrauen und -männer. Die Investitionen konzentrierten sich nicht nur auf die neue Feuerwache 2, hielt der Bürgermeister fest. Auch die anderen Standorte habe man fest im Blick. Die Feuerwache 1 am Rathaus wurde jüngst mit einem neuen Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) ausgestattet, in diesem Jahr folgt wie bereits erwähnt ein Gerätewagen-Logistik. Auch die Ortsteilwehren in Rauberweiherhaus und Alberndorf werden in naher Zukunft jeweils mit einem neuen Einsatzfahrzeug (TSF) ausgerüstet.
Das wichtigste zum Schluss: Danke fürs Ehrenamt!
Der rote Faden, der sich durch alle Reden und Grußworte zog, war eindeutig: Das Ehrenamt der Feuerwehr verdient allerhöchsten Dank und Respekt – oder wie es Bürgermeister Thomas Falter auf den Punkt brachte: „Wir können ein Feuerwehrhaus bauen. Wir können Fahrzeuge und Gerätschaften kaufen. Doch das alles ist nichts wert, wenn es die zahllosen Feuerwehrfrauen und -männer nicht gäbe, die zu jeder Tages- und Nachtzeit ausrücken, um anderen zu helfen.“ Für seinen Einsatz rund um die Feuerwehren in der Gemeinde verlieh ihm die Feuerwehr Wackersdorf am Ende der Einweihung die Bayerische Feuerwehr-Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbands – und eine vollständige Einsatz-Ausrüstung: „Übung ist immer freitags um 18:00 Uhr“, witzelte Kommandant Jochen Sander. Einen Einsatzhelm gab es auch für Regierungspräsident Axel Bartelt. Als Abschiedsgeschenk. Am 31. Januar endet seine Amtszeit.