Internationaler Frauentag am 8. März

SCHWANDORF (sr). Seit über 20 Jahren findet am 8. März mit großem Zuspruch eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag statt.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Helga Forster, vor einem Transparent zum Weltfrauentag. (Klaudia Niedermeier, Landratsamt)

Dieses Jahr ist alles anders – Veranstaltungen sind derzeit nicht möglich. Und doch wollen gerade in diesen Zeiten die Veranstalter des 8. März, der DGB, die Arbeitsagentur, die evangelischen und katholischen Arbeitnehmerbewegungen kda und KAB, die im Kreistag vertretenen Parteien und Wählergemeinschaften Bündnis 90/Die Grünen, CSU, Freie Wähler, ÖDP und SPD sowie die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises auf die Geschichte des Frauentags und die aktuellen Themen und Problemlagen aufmerksam machen.

Der Internationale Frauentag, der aus den Reihen der Gewerkschaften ins Leben gerufen wurde, hat eine lange Tradition. Frauen kämpfen seit Jahrhunderten für ihre Rechte, für bessere Arbeitsbedingungen, für gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit und für die Gleichstellung der Frau. Die Corona-Krise hat uns fest im Griff und sie trifft Frauen besonders hart. Deswegen ist das Motto des DGB zum 8. März 2021 „Mehr Gewerkschaft, mehr Gleichstellung – mehr denn je!“. Frauen sind in den letzten 50 Jahren vorangekommen, aber am Ziel sind sie noch lange nicht. Denn noch immer müssen Frauen jeden Tag gegen Hindernisse ankämpfen. 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts ist das deutsche Parlament so männlich wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Nur ein Drittel der Abgeordneten sind Frauen.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Helga Forster, weiß, „wer für die Gleichstellung von Frauen und Männern eintritt, braucht einen langen Atem, das fällt manchmal schwer“. Aber – solange Frauen in Deutschland schlechter bezahlt werden als Männer, solange sie nicht ansatzweise die gleiche Repräsentanz in Führungspositionen und in den Parlamenten haben, solange der Rechtspopulismus mit seinem rückständigen Frauenbild und seinen Familienvorstellungen von gestern die Frauen wieder in enge Schranken weisen möchte, solange Frauen über 80 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt sind, solange müssen die Frauen dranbleiben, Forderungen zu stellen, zu diskutieren und am Ziel der tatsächlichen Gleichstellung festzuhalten.

Wir schauen auf ein Jahr Corona-Pandemie zurück

Die Corona-Pandemie zeigt wie unter einem Brennglas die fortdauernden strukturellen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Die Pandemie beschränkt das öffentliche Leben. Was derzeit gegen das Virus helfen soll, wird in manchen Familien gefährlich. Home-Office, Kinderbetreuung, Ängste um die Gesundheit und den Arbeitsplatz, diese vielfältigen Herausforderungen auf engstem Raum bergen Konfliktpotential. Kinder und Frauen sind in besonderem Maße durch häusliche und sexualisierte Gewalt betroffen. Das vergangene Jahr hat uns allen viel abverlangt – aber vor allem den Frauen. Sie haben in systemrelevanten, oft schlecht bezahlten Berufen im Krankenhaus, auf der Intensivstation, im Pflegeheim und an der Supermarktkasse für die Grundversorgung unserer Gesellschaft während der Krise gesorgt.
Gleichzeitig waren sie es, die noch mehr als sonst, die unbezahlte Sorgearbeit zu Hause geleistet haben. Als binnen kürzester Zeit Schulen, Kitas und Vereine ihre reguläre Betreuungs- und Begegnungsarbeit eingestellt haben, sahen sich vor allem Frauen gezwungen, den Ausfall von Bildungs- und Betreuungsangeboten zu kompensieren. Für viele Familien war das angesichts des Gehaltsgefälles nur folgerichtig. Für die Frauen hat dies allerdings Folgen, die vermutlich noch lange nachwirken werden.

Für Helga Forster droht mit Blick auf Kinderbetreuung und der Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen und der damit verbundenen Arbeitszeitreduzierung vieler Frauen ein Roll-back hin zu alten Mustern und traditionellen Familienbildern und damit verbunden die gleichstellungspolitische Schieflage. Zeit, den Frauen für ihren Einsatz für das Allgemeinwohl und die Grundpfeiler unserer Gesellschaft zu danken! Dank reicht jedoch genauso wenig wie der Applaus. Die neuentdeckte gesellschaftliche Wertschätzung der Care-Berufe steht im eklatanten Gegensatz zum niedrigen Lohnniveau in den systemrelevanten Berufen. Diese Anerkennung muss in eine konkrete Politik für eine geschlechtergerechtere Gesellschaft münden, in denen Systemrelevanz die Anerkennung, Zeit und Entlohnung bekommt, die ihr gebührt. Zudem müssen Rahmenbedingungen und Arbeitszeiten geschaffen werden, die es Männern und Frauen ermöglicht, Beruf, Familie und Pflege zu vereinbaren – in Zeiten der Corona-Krise aber auch darüber hinaus. „Wann, wenn nicht jetzt!“, ist Helga Forster überzeugt.