Moderne Schlaganfallversorgung: Der Arzt kommt jetzt mit dem Hubschrauber

Im Fall der Fälle kommt schnelle Hilfe mit dem Hubschrauber (Foto: Asklepios)

STÄDTEDREIECK (sr). Asklepios Klinik im Städtedreieck an weltweit einzigartigem Projekt beteiligt. Nach halbjähriger Pilotphase wurde „Flying Interventionalists“ (FIT) für drei weitere Jahre genehmigt.

Leitende Oberärztin Paula Loibl erläutert die Möglichkeiten der Schlaganfallversorgung (Foto: Asklepios Klinik im Städtedreieck)

Weit häufiger als vielleicht angenommen: Über 300 Patienten mit Schlaganfall werden jährlich in der Asklepios Klinik im Städtedreieck behandelt. In Burglengenfeld greift auch bei der Schlaganfallversorgung ein Rädchen nahtlos in das andere. Nur, dass das Team mit der Leitenden Oberärztin Paula Loibl an seiner Spitze noch zwei Besonderheiten vorweisen kann:

„Time is brain“ – bei einem Schlaganfall zählt jede Minute! Das Burglengenfelder Krankenhaus ist zertifizierte „Tele-Stroke Unit der Deutschen Schlaganfallgesellschaft“ – und als Mitglied der ersten Stunde und eine von 18 Kliniken seit 2003 im Rahmen von TEMPiS (Telemedizinisches Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region Süd-Ostbayern) mit den Schlaganfallzentren in München Harlaching und am Universitätsklinikum Regensburg via Telemedizin verbunden. Zudem nimmt die Klinik neben zehn weiteren Kliniken in Bayern seit Februar 2018 an dem Projekt „Flying Interventionalist“ (FIT) teil.

Spezialisiertes Interventionsteam aus München wird per Helikopter eingeflogen
Ganz praktisch bedeutet dies: Kommt jemand mit auffälligen Schlaganfall-Symptomen in die Klinik, wird sofort eine Computertomographie (CT) von seinem Gehirn erstellt. Parallel dazu wird eine Verbindung zum Schlaganfallzentrum hergestellt, wo ein spezialisierter Neurologe ohne Zeitverlust die CT-Aufnahmen sieht. Der Patient wird vor einen Computer mit Videokamera gebracht, so dass ihn Paula Loibl (bzw. der diensthabende Arzt) gemeinsam mit dem Spezialisten in München oder Regensburg untersuchen kann.

Gemeinsam entscheiden sie, was die wirksamste Therapie ist: Entweder mit einem Medikament auflösen (Lyse) oder mit kleinsten Kathetern (Thrombektomie) das Blutgerinnsel aus dem Gehirn zu entfernen. Bei Letzterem musste der Patient bis dato nach Regensburg gebracht werden – dank FIT wird seit Februar ein dafür eigens ausgebildete Facharzt für Neuroradiologie aus München mit dem Hubschrauber nach Burglengenfeld eigens eingeflogen.

Neues Prinzip spart 100 Minuten – und rettet bis zu 190 Millionen Nervenzellen
„Glücklicherweise hatten wir bis dato erst wenige solcher Einsätze. Aber wenn es notwendig war, sparten wir wertvolle Zeit“, zieht Felix Rauschek ein erstes FIT-Resümee. Der Geschäftsführer der Klinik unterstreicht die hohe medizinische Expertise und den Zeitdruck, die Voraussetzung für eine erfolgreiche Thrombektomie sind. Mit FIT minimiere man im Notfall den Zeitverlust, denn während der Patient im Burglengenfelder Krankenhaus bereits optimal vorbereitet wird, macht sich das neuroradiologische Interventionsteam per Helikopter auf den Weg. So kann das Interventionsteam wenige Minuten nach der Ankunft in der Klinik mit dem Eingriff beginnen. Loibl: „Die Experten schätzen, dass man im Vergleich zu einer konventionellen Verlegung im Schnitt 100 Minuten schneller ist.“ In Burglengenfeld ist man überzeugt von FIT – und freut sich, dass die halbjährige Probephase mittlerweile auf drei Jahre verlängert worden ist.

Für die Durchführung der Flüge stehen dem Projekt mit der ADAC Luftrettung gGmbH und der HTM Helicopter Travel Munich GmbH zwei erfahrene Partner zur Verfügung. Mit dem Helikopter vom Typ EC 135 kommt dabei einer der modernsten Hubschrauber seiner Klasse zum Einsatz.