Aktiv gegen Vereinzelung und Vereinsamung im Lockdown

Moderierte Austauschforen von KISS Regensburg für Alleinlebende, belastete oder sich einsam fühlende Menschen

REGENSBURG (sr). Der erneute „kleine“ Lockdown mit weitgehenden Einschränkungen in der persönlichen Freizeit- und Lebensgestaltung bringt zahlreiche Menschen an die Grenzen ihrer psychischen Stabilität.

Was tun, wenn Mannschaftsport, der Besuch kultureller Veranstaltungen, Geselligkeit im Verein oder gemeinschaftlich ausgeführte Hobbies als Treffpunkte für Menschen nicht mehr möglich sind?

Die Aussicht auf einen „einsamen November“ und einen ereignislosen Winter, nach der Arbeit oder dem Homeoffice alleine in der Wohnung, erzeugt auch bei Menschen die bisher souverän mitten im Leben stehen, so manch düstere Gedanken.

„Wenn Gefühle wie Zugehörigkeit, Eingebundensein sowie die Erfahrung, ein Teil von sinngebenden Gemeinschaften zu sein zunehmend nicht mehr erlebbar und erfahrbar sind, dann sind die Türen offen für Unsicherheit, Ängste, Sorgen und depressive Stimmungen“, so Lisbeth Wagner, Selbsthilfeunterstützerin bei KISS Regensburg.

„In der täglichen Beratungspraxis erleben wir aktuell eine hohe Nachfrage nach der gemeinschaftlichen Selbsthilfe besonders bei den Themen, Sucht und seelische Belastungen sowie nach Angehörigengruppen, wenn Menschen bei der Unterstützung Ihnen Nahestehender an den Rand ihrer Belastungsgrenzen gelangen“, so Wagner weiter.

Selbsthilfegruppen dürfen sich zwar unter strengen Auflagen noch treffen, können diesen Bedarf nach Austausch und Solidaritätserfahrung aber aktuell kaum decken. Sie haben schlichtweg einfach keinen Platz, neue Mitglieder aufzunehmen. Die vorhandenen Räumlichkeiten sind meist nicht ausreichend groß. Bereits jetzt müssen feste Mitglieder abwechselnd zu Hause bleiben, weil die bisher genutzten Räume nun für sehr viel weniger Menschen geeignet sind.

KISS Regensburg initiiert daher in der erneuten Lockdownzeit Online- Austauschforen. Die Foren sind für alle Menschen, die gemeinsam Ressourcen und Kraftquellen teilen wollen, um gut durch die herausfordernde Zeit zu kommen.
Dabei sollen kleine Gesprächskreise bis maximal 12 Personen für unterschiedlichste Personenkreise entstehen. Die Erfahrung mit dem eigenen Erleben ganz und gar nicht alleine zu sein, entlastet, kann kreative Potentiale freisetzen und hilft aus der Erstarrung und Enge herauszukommen.

„Wer in der Lage ist, Verbundenheit mit seinen Mitmenschen zu erfahren, kann schwierige Gefühle besser tragen. Er oder sie weiß: was ich gerade fühle und erlebe, ist nicht Ausdruck eines persönlichen Versagens, sondern ein ganz normaler Teil menschlichen Erlebens“ schreibt der renommierte Psychotherapeut Andreas Knuf über die heilsame Wirkung von Mitgefühl und Selbstmitgefühl, die in Selbsthilfegemeinschaften erlebbar wird.

Interessierte Menschen wenden sich bitte telefonisch an KISS unter 0941- 599 388 610.
Für die Zusammenstellung der Austauschforen sollen im Vorfeld, Erwartungen und Wünsche besprochen werden.
Einwahllinks werden dann nur an Personen weitergegeben, die im Kontakt mit KISS standen.
Entstehen könnten dabei Gruppen für bestimmte Altersabschnitte, spezielle Gruppen für Alleinlebende oder eine zusätzliche Gruppe für Menschen mit Depressionen oder seelischen Krisenerfahrungen.
Ob die Gruppen dann nach der Lockdownzeit als Selbsthilfegruppe ohne die Moderation der KISS-MitarbeiterInnen alleine weitergehen und sich dann auch persönlich treffen, entscheiden die Beteiligten selbst.
„Schön wäre es schon!“ merkt Lisbeth Wagner an „wenn Menschen für sich den Charme und die Kraft der Selbsthilfe als persönliche Bereicherung entdeckten und dann neue Keimzellen des solidarischen Handelns entstehen würden. Denn gemeinsam ist man weniger allein.“