Warum die USA ihre Waffengesetze nicht ändern werden

Ein Vortrag dazu am Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium

Foto: JAS Gymnasium Nabburg

NABBURG (sr). Kann man sich in den USA wirklich so einfach eine Waffe kaufen? Und wenn ja, warum ist das so? Dies waren nur zwei Fragen, auf die der Historiker Dr. Markus Hünemörder vor Schülerinnen und Schülern der Oberstufe am Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium in einem Vortrag auf Englisch eine Antwort lieferte.

„Im Schnitt kommt in Amerika tatsächlich auf jeden Menschen eine Waffe“, so Hünemörder, der an der Ludwig-Maximilians-Universität in München amerikanische Kulturgeschichte lehrt. Dies habe vor allem historische und verfassungsrechtliche Gründe. So sei die persönliche Bewaffnung ein Grundrecht und in der Verfassung verankert. Auch der Blick zurück in die Geschichte der Vereinigten Staaten liefert nach Aussage von Hünemörder Erklärungsansätze: „Der Cowboy-Mythos sowie eine fehlende staatliche Präsenz in den kaum besiedelten Weiten der USA haben im 18. und 19. Jahrhundert Waffen zum Ausdruck von Selbstbehauptung und Nationalstolz gemacht.“ Und so befinden sich in den USA derzeit 400 Millionen legal erworbene Waffen in Privatbesitz. Die Gefahren, die damit verbunden sind, erläuterte Hünemörder anhand einer Statistik aus dem Jahr 2016: 23.000 Selbstmorde, 14.500 Tote durch Fremdeinwirkung und 500 Zufallsopfer – allesamt in Verbindung mit dem Gebrauch von Schusswaffen.

Dass sich daran mit Hilfe von strengeren Waffengesetzen bald etwas ändern wird, daran glaubt Hünemörder nicht und verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die öffentliche Debatte darüber in den USA seit Jahren stockt. „Zudem scheitern Regulierungsversuche am fehlenden politischen Willen und am Einfluss der Waffenlobby.“
Auch mit Blick auf die steigende Zahl von Amokläufen an amerikanischen Schulen sieht Hünemörder keine schnellen Lösungsansätze. Langfristig könne man dieser Entwicklung nur mit mehr Jugendsozialarbeit und gezielten Anti-Mobbing-Programmen, aber nicht mit strengeren Waffengesetzen begegnen.

Dass Waffen in der Tat zum Alltag an amerikanischen Schulen gehören, bestätigte auch John Layman aus dem US-Bundesstaat Maine, der derzeit als Fremdsprachenassistent am Gymnasium tätig ist. Er erzählte, dass es an seiner alten Schule normal gewesen ist, als Schüler Waffen im Auto zu transportieren. Nur auf dem Schulparkplatz hätten sie damit nicht parken dürfen.

Nicht nur solche überraschenden bzw. verstörenden Einblicke stießen bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse. Hünemörder selber, der bereits wiederholt am JAS-Gymnasium als Referent zu Gast war, verstand es, ein schwieriges und kontroverses Thema ebenso kurzweilig wie anschaulich zu besprechen.