„Wer die besten in der Region will, muss ihnen auch etwas bieten“

Steuerkanzlei aus Furth zeigt, wie Nachwuchsgewinnung gelingt

FURT IM WALD (sr). Schon in jungen Jahren Verantwortung übernehmen und vom Handwerksbetrieb im Ort bis hin zum Großbetrieb Kunden betreuen: Das darf die 17-jährige Lilly Schmuderer bereits im ersten Ausbildungsjahr. Angestellt ist sie bei der Steuerkanzlei Traurig und Kollegen in Furth im Wald. Anlässlich der Woche der Ausbildung, die vom 14. bis 18. März veranstaltet wird, hat die Agentur für Arbeit Schwandorf dem Unternehmen einen Besuch abgestattet.

Sehen eine Ausbildung als hervorragenden Einstieg in ein erfolgreiches Berufsleben (von links): Konrad Groitl, Lisa Traurig, Lilly Schmuderer, Silke Grimm und Stefan Simeth. Foto: Stephan-Park

Die Nachwuchsgewinnung ist für zahlreiche Betriebe in der mittleren Oberpfalz im Laufe der letzten Jahre immer schwieriger geworden. Dies gilt gerade in den besonders ländlich geprägten Regionen des Agenturbezirks. Nicht so in der Steuerkanzlei Traurig und Kollegen, die zirka 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt. Warum, weiß Konrad Groitl, Berufsberater der Arbeitsagentur in Cham. „Das Unternehmen erkennt auch die Probleme der Auszubildenden und bietet Unterstützung an. Nur ein Beispiel: Ein Auszubildender hätte jeden Tag aus seinem Heimatort in der Nähe von Waldmünchen mit dem Zug zur Berufsschule nach Amberg pendeln müssen. Um die lange Fahrtzeit zu verkürzen, hat das Unternehmen dem Jugendlichen angeboten, ihn auf Firmenkosten morgens und abends von seinem Zuhause zum Chamer Bahnhof zu fahren. Dadurch hat er zwei Stunden Fahrtzeit pro Tag gespart. Das hat Eindruck hinterlassen und gezeigt: Das Unternehmen kümmert sich um seine Leute.“

„Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer die besten in der Region will, muss ihnen auch etwas bieten. Wir haben hohe Ansprüche an unsere Nachwuchskräfte. Daher sorgen wir dafür, dass die Rahmenbedingungen passen“, sagt Kanzlei-Inhaberin Lisa Traurig. Das zahlt sich aus. Im Unternehmen gibt es so gut wie nie Abgänge und zugleich gelingt es seit Jahren, neue Jugendliche für den Betrieb zu gewinnen.

Unterstützung bei der Suche nach Auszubildenden erhält das Unternehmen von der Agentur für Arbeit. „Die Wirtschaft in der Region hat sich bereits größtenteils von der Coronadelle verabschiedet und ist wieder auf Wachstumskurs. Derzeit sind im Agenturbezirk knapp 4.900 offene Ausbildungsstellen gemeldet, aber nur 1.630 Bewerberinnen und Bewerber stehen aktuell zur Verfügung, um die Stellen zu besetzen. Der Wettbewerb um die jungen Talente setzt daher ein immer größeres Engagement der Betriebe voraus, um auf dem Ausbildungsmarkt erfolgreich Personal zu rekrutieren. Traurig und Kollegen sind ein tolles Beispiel dafür, welche Möglichkeiten es gibt, trotz demographischen Wandels und des Trends zur Akademisierung junge Menschen von sich zu begeistern und langfristig an den Betrieb zu binden“, sagt Silke Grimm, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf.

Finanzielle Unterstützung ist eine Seite hiervon, ebenso wichtig ist allerdings die Wertschätzung gegenüber den jungen Kolleginnen und Kollegen. „Bei uns bedeutet Ausbildung wirklich Ausbildung und nicht Hilfsarbeit. Unsere Nachwuchskräfte lernen alle Unternehmensbereiche kennen und übernehmen von Anfang an große Verantwortung gegenüber den Kundinnen und Kunden“, berichtet Stefan Simeth, Inhaber der Kanzlei.

Das bestätigt die Auszubildende Lilly Schmuderer: „Ich habe das Unternehmen bei einem Praktikum kennengelernt und gemerkt, dass mir sowohl die Arbeit als auch der Betrieb sehr gut gefallen. Die Möglichkeit, von der Bäckerei bis zum Großunternehmen mit Kunden zusammen zu arbeiten, sorgt für Abwechslung und macht die Tätigkeit interessant. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man schon früh Verantwortung übernehmen darf und in die Berufspraxis einsteigt.“ Nach dem Abschluss stehen der jungen Frau zahlreiche Möglichkeiten im Betrieb offen, sich weiter zu bilden.

Die Agenturleiterin Silke Grimm ermuntert Betriebe, sich für eine Beratung gerne an den gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter zu wenden. Gemeinsam kann nach Möglichkeiten gesucht werden, vakante Stellen zu besetzen. Bewerberinnen und Bewerbern, die vielleicht nicht auf den ersten Blick überzeugen, bietet die Agentur für Arbeit umfangreiche Unterstützungsmöglichkeiten während der Ausbildung an. Nachhilfeunterricht und eine sozialpädagogische Betreuung sind zwei der Möglichkeiten, wenn Jugendliche in Betrieb oder Berufsschule auf Schwierigkeiten stoßen, um die Ausbildung zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Finden sich nicht ausreichend Auszubildende, können Fachkräfte auch mit Hilfe von Umschulungen und Weiterbildungen gewonnen werden. Die Agentur für Arbeit fördert im Rahmen des Programms „Zukunftsstarter“ junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren dabei, einen Berufsabschluss zu erwerben.