„Nach einer beruflichen Ausbildung stehen viele Türen offen!“

LOKAL-Interview mit Albert Vetterl, Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz

STÄDTEDREIECK (lz). Die Bildungsmesse in Maxhütte-Haidhof findet in diesem Jahr am 17. und 18. 2. statt. In diesem Zusammenhang wird auch wieder die Frage auftauchen, wie es gelingen kann, mehr Jugendliche für die Handwerksberufe zu begeistern, denn seit langer Zeit ist hier ein auffallender Rückgang zu verzeichnen.

Albert Vetterl, Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für langjähriges Engagement in der Ausbildung, engagiert sich in vielen Bereichen. So ist er unter anderem Ehrenobermeister der Kfz-Innung, Präsident des Bayerischen Kfz-Gewerbes und Vorsitzender der ITU Teublitz. Nach wie vor liegt ihm besonders die Jugendarbeit vor Ort am Herzen.
Der KfZ-Meister bildet in seinem eigenen Betrieb zahlreiche Lehrlinge aus. Im LOKAL-Interview äußert sich der 66-Jährige zur momentanen Situation hinsichtlich der Ausbildung im Handwerk.

LOKAL: Herr Vetterl, heutzutage tun sich die Handwerksbetriebe schwer, Nachwuchs zu finden, und das gilt nicht nur für den Bäckerberuf. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Vetterl: Der Mangel an qualifiziertem Personal und Azubis beherrscht alle handwerklichen Berufsgruppen. Dennoch haben wir es in der Oberpfalz geschafft, zum Start in das neue Lehrjahr im vergangenen September 2,14% mehr Lehrlinge zu gewinnen als 2017.
Dass andererseits 487 Lehrstellen unbesetzt geblieben sind, zeigt die Dringlichkeit des Themas. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig: Dank des demographischen Wandels stehen einfach weniger Jugendliche für den Arbeitsmarkt zur Verfügung, dazu kommt die Konkurrenz durch Großkonzerne, die im Übrigen auch händeringend Nachwuchs suchen. Aber auch der anhaltende Trend Richtung Studium macht es uns schwer.
Den jungen Menschen und ihren Eltern ist nach wie vor leider nicht bewusst, welche großen Chancen im Handwerk auf sie warten. Übrigens: In den meisten Fällen haben Handwerkskarrieren auch in finanzieller Hinsicht keineswegs das Nachsehen in Vergleich zu Akademikern.

LOKAL: Was müsste seitens der Politik und der Wirtschaft getan werden, um das Image des Handwerks weiter zu verbessern?

Vetterl: In Zukunft müssen die Ausbildungsbetriebe noch kreativer und innovativer bei der Nachwuchswerbung vorgehen, um sich gegen ihre Mitbewerber zu behaupten. „Employer Branding“ lautet hier das Zauberwort! Der Jugendliche muss erkennen, warum er ausgerechnet zu diesem oder jenen Betrieb gehen soll. Dafür muss man sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren, ob es das angenehme Beschäftigungsfeld, Aufstiegsmöglichkeiten, flache Hierarchien, die familiäre Atmosphäre oder digitales Arbeiten ist. Unterstützung bekommen die Betriebe außerdem durch Nachwuchskampagnen des bayerischen Handwerks, wie „Macher gesucht“ und „Elternstolz“, oder auch durch die bundesweite Imagekampagne des deutschen Handwerks.
Zusätzlich ist auch ein bildungspolitisches Umdenken notwendig: Denn die Wirtschaft allein kann den Herausforderungen nicht trotzen. Das Handwerk hat sich jahrelang um Unterstützung seitens der Politik bemüht. Die klare Position im Koalitionsvertrag, die Attraktivität der beruflichen Bildungen zu steigern und ihre Gleichwertigkeit mit der akademischen Bildung zu verankern, ist dahingehend ein wichtiges und positives Signal. Darunter: Die Stärkung der Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen oder der Abbau finanzieller Hürden für den beruflichen Aufstieg durch Verbesserungen beim Aufstiegs-BAföG. Was wir schon beobachten: Es tut sich was und die berufliche Bildung gewinnt wieder an Wertschätzung.