Kommentar – XI. Gebot: Nachhaltigkeit

Vom sinnlosen Shoppen, Bauen und Böllern

HERIBERT KROTTER …

Tag für Tag überschwemmen uns die Medien mit den Themen Klimawandel-Klimaschutz etc. Spätestens seit der Fridays for Future-Bewegung dämmert es dem letzten Zeitgenossen, dass unser aller Konsumverhalten in die Irre führt, dass unsere Ökobilanz verheerend ausfällt.

„Der Fluch des billigen Geldes“, die aggressive Werbung befeuern den Kaufrausch in den Konsumtempeln. Shopping ist mittlerweile zu einer Freizeitgestaltung mutiert, Überfluss und Überangebote an billiger Ware verführen Jung und Alt zum Kaufen, Kaufen, Kaufen. Black Friday lässt grüßen.

Müllberge drohen die Städte zu ersticken, bevor der Abfall in die Müllverbrennungsanlage gekarrt oder ins Ausland exportiert wird, wo der Weg ins Meer nicht mehr weit ist.

Leider geht die Politik, der Wirtschaft zuliebe, mit schlechtem Beispiel voran. Schon vergessen die Abwrackprämie beim Kauf eines Neuwagens und gleichzeitiger Verschrottung eines gut erhaltenen Dieselfahrzeugs? Was passiert heute anderes?
Milliarden verbrennt die Regierung erneut für die fragwürdige, fast schon hysterisch favorisierte E-Mobilität. Wenn das keine Einbahnstraße ist! Die Vernichtung tropischer Regenwälder wird billigend in Kauf genommen.

Wo bleibt der Aufschrei unserer Umweltschützer? Wie konnte es so weit kommen, dass die Autobranche jahrelang die Forschung vernachlässigt und die Entwicklung z. B. synthetischer, das heißt umweltverträglicher Kraftstoffe verschlafen hat?
Ein weiteres Exempel gigantischer Geldvernichtung verursachen Bund, Länder und Gemeinden im Bauwesen, wenn die Kosten für Großprojekte ins Unermessliche steigen oder wenn beispielsweise in die Jahre gekommene Immobilien ohne Notwendigkeit abgerissen werden. Statt Neubau wäre da und dort ein Umbau bzw. eine Sanierung sinnvoller. Das Ortsbild könnte außerdem noch etwas vom Charme alter Architektur bewahren.

Weil unser Konsum und folglich die ständig wachsende Produktion von Gütern aller Art ständig zunimmt, führt das zu einer beispiellosen Wegwerfmentalität auch im Alltag. Damit wird der wertevernichtende Kreislauf aufrecht gehalten.
Kaum wahrgenommen von der Öffentlichkeit wird der ungebremste Bauboom und seine Folgen. Die damit verbundene Produktion von Stahl und Beton verursacht sage und schreibe 10 % des gesamten Treibhausgases.

Auch hier schweigen die Umweltexperten, obwohl die Ressourcen von Kies und Sand nicht unerschöpflich sind. Es führt kein Weg vorbei, den Verbrauch zu drosseln, indem zu entsorgende Baumaterialien recycelt und nachwachsende Rohstoffe, wie Holz, in der Baubranche stärkere Verwendung finden. Neue, d. h. flächenschonende Bebauungspläne kämen der Flora und Fauna zugute.

Es ist eine Binsenweisheit, dass ein gewisses Maß an Emissionen durch Industrie, Hausbrand, Kraftwerke und Verkehr usw. unvermeidbar sein wird. Umso mehr haben wir die moralische Pflicht, unsere Umwelt nicht aus Jux und Tollerei noch mehr zu belasten. Wenn es uns ernst wäre, müssten wir z. B. die Böllerei an Silvester kritisch hinterfragen. Allein in der Silvesternacht verursacht dieses Spektakel ein Sechstel des gesamten Feinstaubs, das der Verkehr in einem Jahr in die Atmosphäre bläst. Laut Umweltbundesamt werden ca. 5000 Tonnen Feinstaub durch Feuerwerkskörper freigesetzt.
Über die Kollateralschäden an Mensch und Tier und die Belastung von Wasser, Luft und Boden schweigt sich die Gesellschaft aus.

Es ist ein Paradoxon: Der (intelligente) Mensch ist das einzige Lebewesen, das seine eigene Welt, seine Lebensgrundlage zerstört.