REGENSBURG (sr). Mit einer symbolischen 30-Quadratmeter-Wohnung auf dem Neupfarrplatz und einem interaktiven Format zur persönlichen Mietbelastung haben die Regensburger Grünen am Freitag die Dringlichkeit der Wohnraumkrise in die Innenstadt getragen. Über 50 Bürgerinnen und Bürger nutzten den Aktionsinfostand, um ihre Erfahrungen mit explodierenden Mieten zu teilen und mit Stadtratskandidierenden über kommunale Lösungsansätze zu diskutieren.

„Die Resonanz zeigt: Die Mietpreisspirale trifft fast jeden und jede in dieser Stadt“, erklärt Marie Scholz, Sprecherin des Kreisverbandes. „Studierende zahlen für WG Zimmer bis zu 600 Euro kalt, Familien verlieren nach Eigenbedarfskündigungen ihr Zuhause, und Rentnerinnen fürchten, sich ihre Miete bald nicht mehr leisten zu können.“

Besonders groß war das Interesse an der interaktiven Station, die die eigene Mietbelastung visualisierte. Am Freitag gab der Durchschnitt der Besuchenden an, rund 40 % des eigenen Haushaltseinkommens für Miete auszugeben. Das entspricht auch dem Wert, den eine DIW-Studie für Regensburg insgesamt ermittelt hat – und liegt damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von etwa 30 %.
Dr. Helene Sigloch, Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen, betont: „Wohnen ist ein Grundrecht, und die Kommune muss ihren Teil dazu beitragen, dass in Regensburg alle eine bezahlbare Wohnung finden. Deshalb legen wir mit unserem Wahlprogramm ein umfassendes Konzept vor, wie die Stadt auf sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Weise für mehr Wohnraum sorgen kann.“
Kernforderungen der Grünen sind die finanzielle Stärkung der kommunalen Stadtbau GmbH, die als zentraler Akteur für bezahlbaren Wohnraum in Regensburg fungiert, sowie die Einführung einer Wohnraumagentur nach Göttinger Vorbild, die Leerstand bekämpft und solidarische Wohnformen fördert. Gegen Spekulation soll die Zweckentfremdungssatzung verschärft werden, städtische Grundstücke sollen nur noch auf Erbbaurechtsbasis und vorrangig an Genossenschaften und Baugemeinschaften vergeben werden. Zudem fordern die Grünen die schnelle Realisierung des geplanten Azubiwohnheims sowie eine Förderung für die Aufstockung von ein- und zweigeschossigen Gebäuden, um Flächen effizienter zu nutzen.
„Unser Wohnraumproblem ist auch ein Verteilungsproblem“, bemerkt Sigloch. „Auf den Baukulturtagen haben wir letztes Jahr gelernt: 60 % der Einfamilienhäuser in Deutschland werden von ein bis zwei Personen bewohnt. Da liegt es nahe, dass wir mit Blick auf die begrenzten Ressourcen erstmal schauen, den bestehenden Wohnraum besser zu verteilen.“ Die Grünen setzen dabei auf innovative Lösungen. „Unsere geplante Wohnraumagentur wird Eigentümer*innen kostenlose Fachberatung und Fördermittel anbieten, wenn sie ihr selbstgenutztes Haus so umbauen möchten, dass neue Mietwohnungen entstehen. So können zum Beispiel Eltern nach dem Auszug der Kinder ihr lieb gewonnenes Haus behalten und zugleich Platz für diejenigen bieten, die dringend eine Wohnung benötigen“, erläutert die OB-Kandidatin. „Zudem planen wir eine digitale Plattform für Menschen, die Wohnraum gegen praktische Unterstützung anbieten möchten. So können beispielsweise ältere Menschen mit großen Wohnungen Zimmer an Studierende vermieten, die im Gegenzug beim Einkaufen oder im Garten helfen.“
Mit Blick auf die Positionierungen anderer Parteien zur Wohnraumkrise kritisierte Marie Scholz am Freitag die Haltung der Regensburger CSU: „Es ist unfassbar, dass sich die Partei, die aktuell ausgerechnet die Sozialbürgermeisterin stellt, gegen eine finanzielle Stärkung der Stadtbau und gegen ein verschärftes Vorgehen bei unerlaubten Ferienwohnungen und Leerstand ausspricht. Die CSU verschließt offenbar die Augen vor der Not vieler Menschen hier in Regensburg. Wir Grüne zeigen hingegen, dass bezahlbares und ökologisch nachhaltiges Wohnen hier in der Stadt keine Utopie sein muss – es braucht nur den politischen Willen zur Umsetzung.“
