Windkraft-Regionalplanung außer Kraft ?!

INGRID LIEZ …

„Der Seeadler gehört zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Er war in Bayern bereits um 1850 ausgestorben. Eine Erholung seines Bestandes schien Mitte des letzten Jahrhunderts noch unmöglich. Umso erfreulicher ist es, dass das Wappentier der Bundesrepublik nun wieder durch die bayerischen Lüfte gleitet und seine Brutpopulation von Jahr zu Jahr wächst.“

So freuten sich noch vor einiger Zeit die Autoren auf der Website www.wildtierportal.bayern.de, bereitgestellt vom Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Damit dürfte jedoch im Raum Schwarzer Berg und Regental in nächster Zeit Schluss sein, obwohl gerade die Oberpfalz, bekannt für ihre weitläufigen Teichgebiete, einen idealen Lebensraum für Seeadler bietet. In jüngster Zeit jagten hier wieder bis zu 20 Brutpaare.

Doch der Schwarzerberg und auch das Regental sind nach wie vor in Gefahr, mit Windkrafträdern bestückt zu werden. In Gefahr sind nicht nur die Seeadler, sondern auch weitere seltene Tiere wie Luchs, Uhu, Wanderfalke und verschiedene Fledermausarten (Tod durch Kollision mit den Rotoren). Davon abgesehen – ein weiteres, uraltes Stück Oberpfälzer Wald, Erholungsgebiet für Einheimische und touristische Attraktion! – fällt der „Klimawende“ zum Opfer.

Obwohl die Vorrangfläche von der Regionalplanung gestrichen wurde, sollen etwa auf dem Schwarzerberg die Anlagen jetzt gebaut werden. Warum die Beschlüsse dazu möglich sind: Der aktuell geänderte Regionalplan „Oberpfalz Nord“ für Vorrangflächen ist derzeit noch nicht rechtskräftig! Es sei darum gegangen, den Genehmigungsbescheid aus dem Landratsamt zu erhalten, b e v o r die neuen Windkraftvorranggebiete Rechtskraft bekommen, schreiben regionale Medien.

Also mal ehrlich: Hier hat man sich extra beeilt, und nun ist der Bau von zwei WKAs mit einer Leistung von 7,2 Megawatt und einer Gesamthöhe von 261 Metern für das Unternehmen Bürgerwind-Energie Nittenau GmbH in greifbare Nähe gerückt. So werde „die Entscheidung des regionalen Planungsverbands „ad absurdum geführt“, heißt es – sehr fragwürdig.

Doch so einfach wird es wohl nicht kommen, denn Widerstand ist vorprogrammiert. Man darf nicht vergessen, dass die beiden Anlagen zwar auf Nittenauer Gebiet, jedoch in nächster Nähe zu Ortsteilen von Maxhütte-Haidhof (Meßnerskreith) und Katzdorf entstehen sollen. Hier wurde bereits vor etwa zwei Jahren stark protestiert.

Der im Gesamtzusammenhang gegründete Verein Erholungsregion Regental e.V. war sich laut eines Presseberichts von Mitte Januar bereits bewusst, dass trotz der Änderung des Regionalplans „an Standorten, die aus der Vorrangkulisse herausgenommen wurden, dennoch WKAs realisiert werden können“. In der Praxis zeige sich, dass bereits frühzeitig Genehmigungsanträge gestellt worden seien, die aber „unvollständig“ seien oder „fachlich auf einem sehr niedrigen Niveau“. Es sei in erster Linie wohl darum gegangen, sich die Position zu sichern. Auch werde diese Realität in der Öffentlichkeit nur mangelhaft thematisiert: „Besonders kritisch ist dabei, dass die Regionalplanung als eigentliches Steuerungselement ihre Wirkung nur entfalten kann, wenn sie auch durchgesetzt wird.“ Die Planung laufe praktisch ins Leere, „wenn findige Bauherren diese systematisch umgehen können“, heißt es in der Mitteilung (online auf www.erholungsgebiet-regental.de).

Laut regionaler Medien beklagen ebenfalls die Naturschutzverbände Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Bund für Naturschutz, dass sie bis dato keine Möglichkeit gehabt hätten, sich in das Genehmigungsverfahren einzubringen. Man prüfe jetzt das Einleiten rechtlicher Schritte.

Der Schwarzerberg oder die Anhöhen um das Regental sind sicher ganz hervorragende Flächen, um den Wind für die Produktion von Strom einzufangen. Noch immer sind im Regionalplan für den Landkreis Schwandorf 30 Windvorrangflächen mit einer Gesamtvolumen von über 2500 Hektar festgeschrieben. Es stehen also noch genügend andere Areale zur Verfügung, mit denen auch die Naturschutzverbände m. E. einverstanden wären. Der Verzicht auf das Optimum an Ertrag und Profit würde den beteiligten Unternehmen gut stehen! Dann hätten auch Seeadler, Luchs und Wanderfalke in der Oberpfalz weiterhin eine Chance.