BURGLENGENFELD (lz). Am kommenden Sonntag, den 22. März 2026 wird es noch einmal spannend: Die Burglengenfelder Wählerschaft ist zur Stichwahl aufgerufen. Während der CSU-Kandidat Michael Schaller bei der Wahl am 8. März 42,6 % der Stimmen erhielt, räumte Herausforderer Martin Antretter (SPD) 41,7 % ab. Zu einer Stichwahl kommt es bei Bürgermeisterwahlen immer dann, wenn keiner der Kandidaten über die Hälfte der Stimmen für sich gewinnen konnte. Die LOKAL-Redaktion nahm die Stichwahl erneut zum Anlass für Gespräche mit den beiden Kandidaten.

LOKAL: Herr Antretter, die Bürgermeisterwahl in Burglengenfeld geht in die Stichwahl. Wie haben Sie das Ergebnis des ersten Wahlgangs persönlich aufgenommen?
Martin Antretter: Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut – für mich persönlich, aber auch für das tolle Team hinter mir, das mich mit so viel Herzblut und Leidenschaft unterstützt.
Michael Schaller: Ich habe eine Stichwahl erwartet. Man hat mir sowohl bei der Bürgermeister- als auch Stadtratswahl mit den meisten Stimmen aller Bewerber eine hohe Wertschätzung und einen Vertrauensbeweis entgegengebracht. Daher bin ich über den bisherigen Wahlausgang sehr zufrieden.
LOKAL: Warum sollten sich die Wählerinnen und Wähler nun gerade für Sie entscheiden?
Antretter: Ein neuer Anfang. Das ist mein Motto. Und das meine ich sehr ernst. Mit den Debatten, Entscheidungen und Streitereien der vergangenen Jahre habe ich nichts zu tun.
Schaller: Ich bin bei einer deutlich größeren Gemeinde tätig als Martin und habe insofern als geschäftsleitender Beamter in Sinzing erheblich mehr Personal zu verantworten und größere und anspruchsvollere Projekte gestemmt als er im beschaulichen Pettendorf. Was ich meinem Mitbewerber definitiv voraushabe, ist die Erfahrung aus 12 Jahren Zugehörigkeit zum Stadtrat als Fraktionssprecher und Mitglied in allen wichtigen Unternehmen und Gremien. Der Erhalt des Bulmare geht in großen Teilen auf meinen Einsatz zurück.
Ein Punkt am Rande – werde ich gewählt, rückt auf der CSU-Liste mit Karin Auer eine weitere Frau in den Stadtrat nach. Das täte dem Gremium durchaus sehr gut.
LOKAL: Viele Bürger vergleichen nun direkt. Was unterscheidet Sie aus Ihrer Sicht am deutlichsten von Ihrem Gegenkandidaten – politisch und im Führungsstil?
Antretter: Mein Blick ist konsequent nach vorne gerichtet – auf eine gute Zukunft für Burglengenfeld. Vergangenheitsbewältigung gab’s in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten genug. Mein Führungsstil ist der eines Teamplayers – mit einem guten Gespür für die Stärken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Schaller: Meine Erfahrung, meine gute Vernetzung und meine feste Absicht, den Bürgerinnen und Bürgern auch jetzt vor der Stichwahl keine Luftschlösser zu versprechen, sondern ehrliche, realistische Ziele zu vertreten.
LOKAL: Wenn Sie in einem Satz sagen müssten, was Burglengenfeld in den nächsten sechs Jahren am dringendsten braucht, wie würde dieser Satz lauten?
Antretter: Einen Bürgermeister, der Menschen zusammenbringen kann, der unterschiedliche Meinungen respektiert und Brücken bauen kann zwischen den verschiedenen politischen Gruppierungen – das traue ich mir zu.
Schaller: Burglengenfeld braucht einen Bürgermeister, der mit Herz und Verstand agiert, für Zusammenhalt steht und die Stadt kulturell, sozial, wirtschaftlich und ökologisch nach vorne bringt, ohne dabei die nächste Generation über alle Maßen finanziell zu belasten.
LOKAL: Angenommen, Sie gewinnen die Wahl: Was wären Ihre drei wichtigsten Prioritäten in den ersten Monaten als Bürgermeister?
Antretter: Gespräche mit dem Wirtschaftsforum zum Thema Belebung der Innenstadt, ein Termin mit dem Landrat über Möglichkeiten der weiteren Nutzung des VAZ-Pfarrheims, ein Gespräch über den aktuellen Stand der Planungen für das Bürgerfest im August.
Schaller: Wichtig sind die Konstituierung der Gremien, der Haushalt und im Anschluss die Weiterführung bzw. Einleitung der dringendsten Projekte. Bei den zwei geplanten Kindergärten muss es jetzt richtig losgehen. Außerdem werde ich vom ersten Tag an Gespräche in Bezug auf das VAZ führen.
LOKAL: Burglengenfeld steht finanziell vor großen Herausforderungen. Welche konkreten Schritte wollen Sie unternehmen, um den Schuldenstand zu reduzieren?
Antretter: Keine Frage: Schulden müssen seriös und konsequent zurückgezahlt werden – dafür gibt es entsprechende Verträge. Meiner Meinung nach steht die Stadt aber finanziell gar nicht so schlecht dar, wie es häufig dargestellt wird. Was mich an der Schuldendebatte stört: Es wird nicht betrachtet, welche Werte mit diesem geliehenen Geld geschaffen wurden: Schulen, Kindergärten, Stadthalle, Bulmare und so weiter.
Schaller: Ich möchte den Kurs der vergangenen 12 Jahre fortsetzen. Den Rekordschuldenberg in Höhe von 55 Mio. €, den uns die 24 Jahre währende SPD-Regierung hinterlassen hatte, konnten wir bereits um 11 Mio. € reduziert. Dadurch stehen heute jährlich rund 600.000 € mehr freie Finanzmittel zur Verfügung. Ich werde die Stadt auch weiterhin mit klugen Investitionen voranbringen, ohne kommende Generationen finanziell zu überlasten.
Dass wir in Sachen des ausgesprochen ärgerlichen Förderschadens wieder beste Aussichten haben, weitgehend schadlos aus der Sache rauszukommen und Millionen für unsere Stadt zurückzuholen, ist übrigens das klare Verdienst meiner CSU-Fraktion, die mit größter Hartnäckigkeit dafür gekämpft hat.
LOKAL: Wo sehen Sie gleichzeitig Bereiche, in denen trotz knapper Kassen weiterhin investiert werden muss?
Antretter: Das ist zuerst ganz klar der Bereich Bildung und Betreuung, also Schulen, Kindergärten, Krippen. Die Infrastruktur muss gepflegt und erhalten werden.
Schaller: Wir werden weiterhin in unsere Zukunft investieren, z. B. Kindertageseinrichtungen und Schulen bestens ausstatten und bei Bedarf auch bauen. Auch erneuerbare Energien, die Zukunft des VAZ sowie der soziale Wohnungsbau bleiben wichtige Investitionsbereiche.
LOKAL: Ein zentrales Thema ist die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Welche Ideen haben Sie, um Unternehmen, Verwaltung, Handel und Kultur künftig stärker zu vernetzen?
Antretter: Es braucht dazu vor allem einen Bürgermeister, der für all diese von Ihnen genannten Gruppen tatsächlich greifbar und ansprechbar ist. Daran hat es in den vergangenen 12 Jahren am meisten gefehlt, das sagen mir Gastronomen und Gewerbetreibende, aber auch Kulturschaffende und Vereinsvertreter immer wieder. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt muss Chefsache sein. Punkt. Und da kommt es gar nicht darauf an, was meine Idee ist. Denn ich bin überzeugt: In der Vielfalt von Wissen, Erfahrungen, Perspektiven der von Ihnen genannten Akteure liegt die ganz große Stärke. Wir werden gemeinsam die beste Lösung finden. Und sie auch umsetzen.
Schaller: Dieses Thema wird noch deutlich stärker als bisher zur Chefsache werden. Als Bürgermeister werde ich Kümmerer sein. Digitale Plattformen und Tools sind sehr hilfreich, aber sicher nicht die alleinige Lösung. Es braucht persönlichen Einsatz und Netzwerken.
LOKAL: Auch die Innenstadt und das NAC beschäftigt viele Bürger – Stichwort Leerstände. Welche konkreten Maßnahmen würden Sie hier anstoßen?
Antretter: Schritt 1: Ein Leerstandsmanagement, das diesen Namen auch verdient. Schritt 2: Gespräche mit den Eigentümern über ihre Sicht: Woran hakt’s? Schritt 3: Das vorhin genannte Netzwerk einbinden. Schritt 4: Hinters Telefon klemmen und Unternehmen, Geschäfte gezielt ansprechen, die wir gerne in Burglengenfeld hätten.
Schaller: Leerstand in der Innenstadt kann nur durch persönliche Gespräche auf Bürgermeisterebene bekämpft werden. Als Stadtrat habe ich bereits Kontakte geknüpft, etwa zu Jysk, und möchte die Zusammenarbeit mit den örtlichen Gewerbetreibenden und dem WIFO weiter ausbauen. Auch im NAC setze ich mich dafür ein, dass die geplante Entwicklung auf dem früheren toom-Areal das gesamte Center stärkt.
LOKAL: Die geplante Steinbrucherweiterung der Heidelberg Materials AG sorgt weiterhin für Diskussionen. Wie stehen Sie persönlich zu diesem Projekt und wie würden Sie als Bürgermeister die Interessen der Stadt vertreten?
Antretter: Ich habe immer betont, dass die Interessen von HM und den Anwohnern in einen vernünftigen Ausgleich gebracht werden müssen. So ehrlich muss man sein: Die Stadt hat keine Chance, diese Erweiterung zu verhindern. Im Moment läuft das Planfeststellungsverfahren (PFV). Und da möchte ich die Stadt und den aktuellen Stadtrat ausdrücklich loben: Die von ihnen formulierten 14 Einwendungen und Hinweise – das ist gut gemachte Arbeit im Sinne der Bevölkerung. Wie ich als Bürgermeister die Interessen der Stadt vertreten würde, das kann ich Ihnen leider erst sagen, wenn das PFV abgeschlossen ist und ich das Ergebnis kenne. Da muss ich Sie um Verständnis bitten.
Schaller: Wir haben hier einen einstimmigen Beschluss des Stadtrats. An den muss sich jeder neu gewählt Bürgermeister zunächst einmal halten. Mir geht es um eine Lösung, die möglichst im partnerschaftlichen Miteinander der beteiligten Akteure gefunden wird. Die Erweiterung wird kommen, jetzt liegt es an uns gemeinsam, diese so zu gestalten, dass es für jeden passt.
Ich habe die letzten Tage gehört, dass Heidelberg Materials aktuell Gespräche mit ihren „Nachbarn“ führt. Das ist ein guter Weg, den ich sehr begrüße.
LOKAL: Mit der neuen Stadtratsperiode wird auch die politische Zusammensetzung vielfältiger. Wie wollen Sie mit unterschiedlichen politischen Positionen – auch mit der AfD – im Stadtrat umgehen?
Antretter: Die Frage ist doch: Wie gehen die AfD-Stadträte mit dem Bürgermeister, den Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat und auch mit der Verwaltung um? Darauf bin ich neugierig. Der Ton macht die Musik. Ansonsten kann ich nur wiederholen: Ich bin ein Mann, der unterschiedliche Meinungen respektiert und Brücken zwischen den verschiedenen politischen Gruppierungen bauen kann. Extremismus in jeglicher Form jedoch verurteile ich.
Schaller: Ich wäre ein Bürgermeister für alle. Das ist Kern der Aufgabenbeschreibung eines gewählten Bürgermeisters. Das Ringen um die beste Lösung ist seit 12 Jahren meine tägliche Arbeit. Wenn mehr unterschiedliche Positionen vertreten sind, kann dies zunächst ja auch eine Chance sein. Etablierte Parteien haben sich ebenso wie Neulinge zu beweisen. Mal schauen, wer es mit der Aussage, „Es geht uns immer um das Beste für die Stadt“, ehrlich meint und dies im Stadtrat auch zeigt. Ich will für meinen Teil diesen Beweis nicht schuldig bleiben.
LOKAL: Viele Bürger wünschen sich mehr Transparenz und Beteiligung bei wichtigen Entscheidungen. Welche Formen der Bürgerbeteiligung könnten Sie sich vorstellen?
Antretter: Wir haben als SPD schon nach der Kommunalwahl 2014 einen Bürgerbeteiligungsprozess angestoßen, aus dem ist z.B. die Fokusgruppe Jugend hervorgegangen. Daran könnte man anknüpfen. Und lassen Sie mich da ganz offen sein: Bevor wir weitere Formate einführen, müssen wir uns dafür stark machen, dass Bestehendes besser genutzt wird: Live-Stream der Stadtratssitzungen, Bürgerservice- und Bürgerinformationsportal, Bürgersprechstunde, WhatsApp-Kanal und Social Media-Auftritte: So schlecht ist die Stadt da gar nicht aufgestellt. Wir müssen das bekannter machen, z.B. auch die Beteiligungsmöglichkeiten etwa im Rahmen der Bauleitplanung.
Schaller: Das Konzept der Bürgersprechstunde am Markplatz kann aus meiner Sicht noch verbessert werden. Ich kann mir vorstellen, dass man mit digitalen Möglichkeiten eine Art Open Space einrichtet, bei dem sich die Bürger einbringen können. Natürlich braucht es aber auch Raum zur persönlichen Beteiligung der Bürger, die ihre Themen anbringen möchten.
LOKAL: Angenommen, die Stichwahl geht nicht zu Ihren Gunsten aus: Was würden Sie aus diesem Wahlkampf mitnehmen und wie würden Sie sich weiterhin für Burglengenfeld engagieren?
Antretter: Ich bin äußerst dankbar für Zusammenhalt, Teamgeist, Unterstützung, die ich in der SPD-Familie erleben durfte. Das hat einfach Spaß gemacht. Ebenso dankbar bin ich für die vielen Gespräche mit den Menschen in unserer Stadt – ich habe viel daraus gelernt! Sollte ich nicht Bürgermeister werden, arbeite ich ebenso motiviert im Stadtrat mit. Und dann ist da ja noch mein ehrenamtliches Engagement im Elternbeirat am Johann-Michael-Fischer-Gymnasium, sowie im Freundeskreis des Oberpfälzer Volkskundemuseums. Und vielleicht geht ja beim Burglengenfelder Theaterstodl mal wieder was zusammen.
Schaller: Ich gehe davon aus, dass ich gewinnen werde. Daher beschäftige ich mich mit dieser Frage erst nach der Stichwahl.
LOKAL: Was möchten Sie den Bürgerinnen und Bürgern von Burglengenfeld vor der Stichwahl noch mit auf den Weg geben?
Antretter: Demokratie lebt vom Mitmachen. Bitte machen Sie von Ihrem Stimmrecht Gebrauch!
Schaller: Gehen Sie wählen! Demokratie lebt vom Mitmachen. Für Burglengenfeld werden mit dieser Stichwahl entscheidende Weichen gestellt. Schenken Sie mir Ihr Vertrauen, nutzen Sie Ihre Stimme und bringen Sie damit auch eine weitere hochmotivierte Frau – Karin Auer – ins Gremium!
