„Herr: es ist Zeit.
Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf
die Sonnenuhren, und auf den Fluren
laß die Winde los.
Befiehl den letzten
Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei
südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung
hin und jage die letzte Süße
in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat,
baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist,
wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen,
lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen
hin und her unruhig wandern,
wenn die Blätter treiben.“
(Rainer Maria Rilke)
Ja, dieser Sommer war für die Burglengenfelder und die zahlreichen Gäste unserer „Stadt zum Feiern“ großartig. Ein Fest jagte das andere. Gekrönt vom dreitägigen Bürgerfest, das sich die Kommune voraus geschätzt 360.000 € kosten ließ. Der finanzielle Schatten, der sich auf diese freiwillige Leistung legt, wird frühestens bei der nächsten Haushaltsaufstellung als Nachzahlung auftauchen, wenn die „letzten Früchte“ von den 60 Anbietern der „Live-Acts“ längst verzehrt sind.
Was in Erinnerung dieses Sommers bleibt, sind die zahlreichen Straßensperrungen wegen defekter Wasserleitungen – mit einem Förderverlust von 20% Trinkwasser. Für Burg-lengenfeld bislang offiziell kein Problem. Im Raffa gibt es noch ausreichend Quellen. Und die Reparatur-rechnung der Stadtwerke steht noch aus.
Die Prophezeihung „Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr“ wird erst im nächsten Jahr – wenn überhaupt – aufgrund der verschachtelten Zuständigkeiten zwischen Tochtergesellschaften und Stadt auf dem Ratstisch landen. Konkret die Kosten für längst überfällige Pflichtleistungen wie Straßensanierungen oder die Investionen im Kindergartenbereich werden dann erst ihren „Schatten auf die Sonnenuhren“ legen. Und dann werden die Verantwortlichen „wachen, lesen, lange Briefe schreiben und in den Alleen … unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“
Das befürchtet
Hans Glatzl
