„Wir möchten unsere Industriegeschichte betonen!“

Maxhüttes neuer 1. Bürgermeister Rudolf Seidl im Interview mit Buchautor Oskar Duschinger

MAXHÜTTE-HAIDHOF (sr). Am 30. Juni 1990 endete die Ära des einst so glorreichen Eisenwerkes in Haidhof und damit eine bedeutende Epoche der industriellen Entwicklung in der Oberpfalz. Mit dem Ende des Eisenwerkes begann sich die Stadt Maxhütte-Haidhof rasant zu verändern. Trotzdem prägt die Silhouette noch immer das Stadtbild mit. Welche Bedeutung hat dieser Blick auf die „Maxhütte“ heute noch für die aufstrebende Stadt? Diese und andere Fragen stellt der Autor des jetzt erschienenen neuen Buchs „Maxhütte – Geschichte eines Werkes und einer Stadt“, Oskar Duschinger, dem Maxhütter Bürgermeister Rudolf Seidl (UWM).

Oskar Duschinger (links) und Erster Bürgermeister Rudolf Seidl im Gespräch. Foto: Anita Alt, Stadt Maxhütte-Haidhof

Seidl, der das Amt des Bürgermeisters erst kürzlich mit einer überwältigenden Mehrheit bei der Kommunalwahl errungen hat, ist selbst ein Maxhütter durch und durch. Er gehörte Ende der 80er Jahre zu den Gründungsmitgliedern der Unabhängigen Wähler Maxhütte (UWM). Er war bereits Fraktionssprecher und Dritter Bürgermeister. Sich für Kultur und für die Geschichte seiner Heimatstadt zu interessieren, ist für ihn selbstverständlich. Oskar Duschinger, der bereits viele Bücher und anderes zur Maxhütte und über die Oberpfälzer Kultur veröffentlicht hat, war in den 80er und 90er Jahren selbst als Journalist für LOKAL tätig und dem Lesepublikum daher gut bekannt.

Oskar Duschinger: Herr Seidl, sind Sie ein geschichtsbewusster Mensch?
Bürgermeister Rudolf Seidl: Geschichte hat mich schon immer interessiert. Sei es die Geschichte unseres Landes, aber besonders natürlich, die unserer Stadt Maxhütte-Haidhof.

Duschinger: Welche Bedeutung hat die Industriegeschichte des einstigen Vorzeige-Werkes „Maxhütte“ für den neuen Maxhütter Bürgermeister Rudolf Seidl?
Seidl: Allen von uns ist wohl klar, dass es ohne das Eisenwerk Maximilianshütte unsere Stadt Maxhütte-Haidhof so nicht geben würde. Unsere Innenstadt ist geprägt durch die Arbeiterwohnblöcke. Wir setzen mit dem Wiederaufbau des Förderturms bei Deglhof ein äußeres Zeichen dafür, dass es uns sehr wohl bewusst ist, wo wir herkommen.

Duschinger: Wie erlebten Sie das Ende des Maxhütten-Werkes in Haidhof?
Seidl: Ich befand mich damals in der Ausbildung zum Polizeibeamten und war nicht vor Ort. Ich kannte den Niedergang nur aus der Presse und von Erzählungen des Cousins meines Vaters Helmut Seidl. Er war im Eisenwerk beschäftigt. Unsere Familie selbst ist im Bauhandwerk angesiedelt.

Duschinger: 30 Jahre nach dem Ende des Haidhofer Werkes drohen die letzten, verbliebenen Originale wie das einstige Kraftwerk zu zerfallen. Viel Zeit bleibt nicht mehr, bevor die letzten Reste der einstigen Industriegeschichte für immer verschwinden. Der einstige Landrat des Landkreises Schwandorf, Hans Schuierer, meinte in seinem Beitrag für das Buch „Maxhütte- Geschichte eines Werkes und einer Stadt“, dass die aufregende WAA-Zeit die Ereignisse rund um die Stilllegung schlicht überlagert hätte. Ist damals zu wenig über dessen Bedeutung für die Nachwelt nachgedacht worden?
Seidl: Es wäre wohl anmaßend, wenn ich als heute 49-jähriger Bürgermeister über Entscheidungen vor 30 Jahren urteilen würde. Das Eisenwerk Maximilianshütte wurde stillgelegt. Viele Arbeiter kamen in den aufgelegten Sozialplan. Glücklich waren natürlich alle nach dem Aus über die Ansiedlung der Firma Läpple. Läpple hat damals und bietet heute noch vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Lohn und Brot. Gleichzeitig baute BMW das Werk in Regensburg, wo viele junge Menschen Arbeit fanden, heute sind es 9000 Arbeitnehmer.

Duschinger: Die langjährige Museumsleiterin aus Burglengenfeld, Dr. Berwing-Wittl, meinte, die Stadt Maxhütte-Haidhof hätte es einst „als zu groß befunden“, ein „Maxhütten“-Museum zu gründen! Fehlte der politische Wille, das kulturelle Bewusstsein oder schlicht und einfach das Geld in den folgenden 30 Jahren?
Seidl: Ich glaube, als man damals die Industriegeschichte des Eisenwerks Maximilianshütte im jetzigen Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld bei Dr. Margit Berwing-Wittl angesiedelt hatte, hat man eine gute Lösung gefunden.

Duschinger: Der ehemalige Verwaltungschef des Rathauses und „Maxhütte-Kenner“ Gert Gröninger führt im Rahmen der VHS-Kursprogramme regelmäßig interessierte Besucher durch das Werk und hält so die Geschichte dieses Maxhütter Traditionsbetriebes lebendig. Reicht das, um die Geschichte dieses Werkes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen?
Seidl: Vorträge und Führungen sowie das Bild- und Lesematerial, das es bereits gibt, sind gute Möglichkeiten die Vergangenheit nicht vergessen zu lassen.

Duschinger: Möchte die Stadt Maxhütte-Haidhof möglicherweise nicht mehr gerne an das Stahlwerk „Maxhütte“ erinnert werden, weil es nicht zu dem neuen, modernen Zukunftsimage der Stadt passt?
Seidl: Die Frage kann ich mit einem Lächeln beantworten und auf das Wandbild in meinem Bürgermeister-Büro hinweisen. Es zeigt großflächig unser Eisenwerk im Jahre 1930. Außerdem unterstreicht der zurzeit in der Entwicklung steckende Regionalplan Oberpfalz-Nord in der Kategorie „Soziales und Kultur“, dass wir unsere Industriegeschichte hervorheben möchten.

Duschinger: Für den 27. Juni 2020 war ein Aktionstag im MehrGenerationenHaus geplant – mit Band, Lesung, Führung, Bilderausstellung, Diskussionsrunde, Vorträgen und einem Treffpunkt ehemaliger Maxhütte-Arbeiter. Das war vor Corona. Wären solche Aktionen künftig eine Möglichkeit, die Erinnerung an das Werk lebendig zu halten?
Seidl: Ja natürlich, dies wäre eine schöne Aktion gewesen und meine Mitarbeiterinnen von der Öffentlichkeitsarbeit und unser Archivar Dr. Thomas Barth hatten ja schon ihre Mithilfe zugesagt. Auch unser MehrGenerationenHaus hätte dem Aktionstag zur Verfügung gestanden. Unser Seniorenbeirat veranstaltete jahrelang Gesprächs- und Erzählrunden für ehemalige Mitarbeiter des Eisenwerks, die gut angenommen wurden.

Duschinger: Welchen Beitrag kann dazu das neue Buch „Maxhütte – Geschichte eines Werkes und einer Stadt“ leisten?
Seidl: Das Buch kann einen großen Beitrag für die Nachwelt leisten und da bedanke ich mich recht herzlich bei Ihnen. Wir haben die Veröffentlichung des Buches ja von Seiten der Stadt auch mit dem Ankauf von 450 Büchern unterstützt und einen großen finanziellen Beitrag dazu übernommen.

Duschinger: Wie steht die Firma Läpple, der Nachfolgebetrieb der „Maxhütte“ zu Bestrebungen, die Historie des Eisenwerkes in seiner Rest-Substanz zu erhalten? Immerhin waren und sind nicht wenige Läpple-Mitarbeiter ehemalige Mitarbeiter der einstigen „Maxhütte“.
Seidl: Die Firma Läpple ist ein Produktionsbetrieb, der am Laufen gehalten werden möchte. Läpple stellte schon viele Gebäude ihres Werksareals für kulturelle Veranstaltungen wie den Nordgautag und für den Verein Kultur und Mehr im Städtedreieck zur Verfügung. Über Bestrebungen der Geschäftsleitung der Firma Läpple kann ich nichts sagen.

Duschinger: Auf vielen Geburtstagen von ehemaligen älteren Maxhütte-Arbeitern werden Sie bestimmt oft mit dem Thema konfrontiert. Können Sie den Eisenwerkern Hoffnung machen, dass auch in 30 Jahren noch etwas vom einstigen Vorzeigewerk erhalten ist?
Seidl: Leider konnte ich seit meinem Amtsantritt durch die Corona-Krise nicht bei den Jubilaren vorstellig werden, jedoch sind die Erinnerungen unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger noch lange nicht verloren gegangen. Dies bestätigen mir Gespräche im privaten und dienstlichen Bereich.

Mehr über das Buch “Maxhütte” auf

https://www.oberpfalz-buch.de/