Prof. Brückl: „Stromerzeugung in Gaskraftwerken deutlich reduzieren“

Der Leiter des Regensburg Center of Energy and Resources fordert Vorgaben der Politik

REGENSBURG (sr). Ist die Gasknappheit wirklich nur ein Wärmeproblem? Die Energiedatenbank des Regensburg Center of Energy and Resources (RCER) der OTH Regensburg zeigt es unmissverständlich: Trotz der Gasknappheit und der Warnungen vor einem Wärmeproblem in den kommenden beiden Wintern wird in Deutschland weiterhin Gas für die Verstromung eingesetzt. Und das fast auf dem Niveau der vergangenen Jahre.

Trotz Reduzierung der Gaslieferungen aus Russland: Für die Stromerzeugung wird in Deutschland weiterhin Gas eingesetzt. Zu viel, meint Prof. Dr.-Ing. Oliver Brückl, wissenschaftlicher Leiter des Regensburg Center of Energy and Resources (RCER). Grafiken: RCER/OTH Regensburg

„Wir müssen die Stromerzeugung in Gaskraftwerken viel deutlicher reduzieren. Das geht nur mit Vorgaben seitens der Politik“, sagt Dr.-Ing. Oliver Brückl, Professor an der Fakultät Elektro- und Informationstechnik der OTH Regensburg sowie wissenschaftlicher Leiter des RCER.

Seit kurzem können die Gasspeicher nicht mehr weiter aufgefüllt werden. Am 13. Juli 2022 wurde laut RCER sogar mehr ausgespeichert, als befüllt werden konnte.

„Interessant wird auch, wie neben einem möglichen Ausstieg aus der Gasverstromung zusätzlich ab Januar die fehlenden Strommengen aus der Kernenergie ersetzt werden können“, so Brückl. Und nach Aussage des großen Stromerzeugers Steag stelle auch die Kohleversorgung der Kraftwerke eine enorme Herausforderung dar.

Kommt zum Wärmeproblem auch ein Stromproblem? Prof. Brückl ist besorgt. Aktuell könnten nur „ein nicht zu kalter Winter, deutlichere Energieeinsparungen als bisher und Glück helfen“.

Die vom RCER entwickelte Energiedatenbank wird u. a. aus Daten des Verbands Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators for Electricity) gespeist. Diese Informationen werden geprüft, verarbeitet und miteinander verknüpft. Wieviel Strom wird nach Deutschland importiert? Wie hoch ist die installierte Erzeugungsleistung erneuerbarer Energien in bestimmten Regionen? Antworten auf diese und weitere Fragen bietet die Energiedatenbank. Darin werden Daten aus dem Energiesektor für Lehre, Forschung und alle Interessierten aufbereitet und in interaktiven Diagrammen und Kartenansichten zum Download zur Verfügung gestellt. Dazu gehören u. a. Informationen zur Nettostromerzeugung, zum Regelleistungsmarkt sowie zum Primär- und Endenergie –
verbrauch. Die Daten sind vorwiegend für Deutschland, aber auch für viele Nachbarländer abrufbar. Die Webplattform wird stetig weiterentwickelt und um neue Funktionen, Daten
und Diagramme ergänzt.

Zur Energiedatenbank des Regensburg Center of Energy and Resources:
www.energiedaten.online

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