Bürgerinitiativen, Bund Naturschutz und LBV wehren sich …

... weiter gegen Gewerbegebiets-Pläne in Teublitz

TEUBLITZ (lz). Das geplante Gewerbegebiet Teublitz an der A93 rückt trotz der eindeutigen Ablehnung durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof 2021 wieder in den Fokus der öffentlichen Auseinandersetzung. Bei der Jahresversammlung der CSU Teublitz im April 2024 (LOKAL berichtete) gab es ein klares Bekenntnis für das Gewerbegebiet.

Quellbach: Aufgrund der hohen Niederschläge erscheinen auf der Fläche des geplanten Gewerbegebietes Wasserzüge als Quellbäche, die in trockenen Jahren weitgehend unterirdisch verlaufen.

In der dazu veröffentlichten Erklärung, sowie in einer Reihe von ähnlich lautenden Leserbriefen in der lokalen Presse bzw. Verlautbarungen im Internet gebe es eine Reihe von Behauptungen, die aus Sicht des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) einer Richtigstellung bedürfen, so äußern sich der Leiter der Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz des LBV, Christoph Bauer, sowie Dr. Christian Stierstorfer von der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Niederbayern und LBV-Waldreferent, in einer Pressemitteilung.

Cordulegaster boltonii: Die Zweigestreifte Quelljungfer ist eine Großlibelle auf der „Vorwarnliste“ gefährdeter Arten in Bayern. Ihr langfristiger Bestandstrend ist mit „starkem Rückgang“ angegeben. Sie ist typisch für Quellbäche. In diesem Jahr ist sie auf der vom Gewerbegebiet betroffenen Fläche häufig anzutreffen. Fotos: Christian Stierstorfer


„Es wird behauptet, die Gegner des Gewerbegebietes würden das Schutzgut Mensch vernachlässigen“ – dagegen verwehren sich Bauer und Stierstorfer, die von der CSU Teublitz namentlich angegriffen und als „Umweltlobbyisten“ bezeichnet werden. Ihnen werde zum Vorwurf gemacht, dass Erdkröten oder Laufkäfer wichtiger seien als die Menschen. „Derartige Aussagen zeigen, dass die Verfasser der Erklärung den Sinn des Naturschutzes nicht verstanden haben. Das Vorkommen seltener Arten ist ein Beleg für intakte Ökosysteme, die ihrerseits für uns Menschen sauberes Wasser, frische Luft, ertragreiche Böden und ein ausgeglichenes Klima liefern. Es geht beim Naturschutz vorrangig um uns Menschen. Es geht also um unsere Umwelt, oder besser: Mitwelt, und ihre Wohlfahrtswirkung für uns.“

Nur ein Drittel Kompensationsflächen geplant

Weiterhin sei bei der Jahresversammlung behauptet worden, dass für den Verlust des Waldes „weit mehr Ausgleichsflächen“ geschaffen werden, dafür fehle jedoch jeglicher Nachweis. Bauer und Stierstorfer: „Nach den bislang vorliegenden Unterlagen soll nur ein Drittel der zu rodenden Waldfläche durch Neuaufforstungen an diversen Stellen kompensiert werden. Doch selbst eine 1:1-Neupflanzung an anderer Stelle kann den alten, gewachsenen Wald nicht ausgleichen. Dies gilt erst recht für die betroffenen Grundwasserzüge, die Teil der Wasserversorgung für das Teublitzer Weihergebiet sind.“

Bislang fließen die Wasserzüge vom Schwarzen Berg durch einen gesunden Wald weiter zu den Weihern. Im Gewerbegebiet würden sie dann aber in Drainagerohren aufgefangen, Niederschlagswasser wird in Becken zwischengespeichert, wobei immer die Gefahr der Verunreinigung bestehe, so befürchten die Waldexperten. Völlig außen vor in der Diskussion seien die immer häufigeren Starkregenereignisse: „Wohin sollen Tausende Kubikmeter Wasser, die auf die 20 Hektar versiegeltes Gewerbegebiet fallen können? Der bestehende Wald fängt solche Starkregen auf und gibt glasklares Wasser langsam weiter, was auch ein Beitrag zum Hochwasserschutz ist.“

Zahl der entstehenden Arbeitsplätze unbelegt

Die Befürworter des Gewerbegebiets seien außerdem der Ansicht, es entstünden heimatnahe Arbeitsplätze. Entscheidende Fragen blieben aber unbeantwortet: „Wie viele Arbeitsplätze entstehen? Wie viele Menschen werden ihren Arbeitsplatz in Regensburg zugunsten eines solchen in Teublitz aufgeben?“ Offensichtlich beruhten die Behauptungen hinsichtlich der sozio-ökonomischen Vorteile des Gewerbegebietes auf „reinen Spekulationen ohne jegliche Datenbasis“. Gleiches gelte für die Hoffnungen auf Gewerbesteuereinnahmen. Unbeantwortet seien auch Fragen der Erschließungskosten, denn das Gebiet liege fernab jeglicher Wasser-/Abwasser und Stromversorgung, drei Kilometer östlich von Teublitz.
„Es bleibt nichts anderes, als der wiederholte dringende Appell an den Stadtrat von Teublitz, sich endlich von diesem unsäglichen Projekt zu verabschieden“, so schließen Bauer und Stierstorfer. „Der Teublitzer Bevölkerung darf nicht weiter vorgegaukelt werden, dass mit dem Gewerbegebiet, das die Vernichtung von über 20 Hektar Klimaschutzwald mit sich brächte, die Probleme der Stadt gelöst würden.“ Schon einmal sei die „vorbildliche Planung“ (Zitat aus einer Bürgerinfo der Stadt Teublitz 2020) am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof aufgrund einer Vielzahl „erheblicher Bedenken“ (2021) gescheitert.

BN kritisiert Darstellung des Waldgebiets als wertlos und vorbelastet

Auch der Vorsitzende des erst kürzlich neu gegründeten Ortsverbandes des Bunds Naturschutz im Städtedreieck, Harald Söll, äußert sich empört in einer Stellungnahme an LOKAL. Georg Fleischmann (CSU), der Mehrheitsführer im Teublitzer Stadtrat, habe öffentlich behauptet, dass der Wald, der dem Gewerbegebiet geopfert werden soll, durch die Autobahn ohnehin vorbelastet sei. „Im von eben diesem Stadtrat und seinem Planungsbüro erstellten Landschaftsplan wird dieser Wald als Klimawald ausgewiesen“, erklärt Söll dazu. „Klimawälder sind aber die Wälder, denen sogar der amtierende bayerische Ministerpräsident besonderen Schutz versprochen hat!“

Die Mehrheit im Teublitzer Stadtrat ignoriere „ganz großzügig“ den Inhalt der Planung, wenn der Mehrheitsführer an der A93 einen „vorbelasteten“, minderwertigen Wald sieht. „Auf den letzten Seiten der Erläuterungen zum Landschaftsplan weist der Planer sogar darauf hin, dass große Teile des Klimawaldes zum neuen Gewerbegebiet zu erhalten wären und im Übrigen die gesetzlich notwendigen Ausgleichsflächen auszuweisen, zu schaffen und einem Ökokonto gutzuschreiben sind.“

Darüber hinaus sehe auch der zuständige Forstbetriebsleiter Mages laut öffentlicher Aussage in dem betroffenen Gebiet „keine besondere Funktion oder Wertigkeit“, kritisiert der BUND-Ortsvorsitzende. „Mages sollte im Landschaftsplan noch einmal nachlesen und seine Haltung überdenken.“ Die Opposition im Stadtrat mit der „scheinbar einzigen und tapferen Oppositionspolitikerin Maria Münz“ sowie die Bürgerinitiativen und der LBV würden „dann immer laut, wenn es gilt, Gefahren von den Menschen abzuwenden“. Dafür sei der erfolgreich ausgetragene Streit um das Teublitzer Wasser der beste Beweis.