Führung in der Kläranlage – Bewusstseinsbildung für unser Abwasser

KALLMÜNZ (sr). Am Donnerstag, den 27. Juni 2024 hatte die Zukunftswerkstatt Kallmünz um die Initiatoren Maria Wolf und Ludwig Pirkl, zu einer Führung in die örtliche Kläranlage mit Rupert Schmid, dem Klärwärter der Gemeinde Kallmünz, und seinem Vorgänger, Willy Buckley, eingeladen.

Interessierte Kallmünzer Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Führung teil. Foto: Maria Wolf

Im Fokus der Informationsveranstaltung stand das Schärfen des Bewusstsein für die Probleme, die bei der Reinigung des kommunalen Abwassers, vor allem des häuslichen Abwassers, in der Kläranlage zunehmend auftreten.

Nach dem Bayerischen Wassergesetz sei die Abwasserentsorgung über Kanalnetze und die Abwasserbehandlung in der Kläranlage grundsätzlich Pflichtaufgabe der Gemeinde. Erst nach den erforderlichen mechanischen, biologischen und chemischen Reinigungsprozessen dürfe das behandelte Abwasser wieder in ein naheliegendes Gewässer (in die Naab) eingeleitet werden, sofern seine Qualität bei der abschließenden Kontrolle bestimmte Mindestanforderungen erfülle. Trinkwasserqualität hätte das gereinigte Abwasser aber nicht. Auch nach der Reinigung in der Kläranlage wären noch Keime, Arzneimittel- und Schwermetall-Rückstände vorhanden.

Die Anforderungen an die Art und Beschaffenheit des Abwassers aus den privaten Haushalten und den Gewerbebetrieben sind grundsätzlich in der gemeindlichen Entwässerungssatzung (§15) geregelt. So dürfen unter anderem keine gesundheitsgefährdenden, umwelt- und gewässerschädlichen, oder den Betrieb der Entwässerungseinrichtung gefährdenden, behindernden oder erschwerenden Stoffe in das Abwasser eingebracht werden.

Diesbezüglich wies Willi Buckley, der die interessierten Bürgerinnen und Bürger mit viel Enthusiasmus durch die Kläranlage führte darauf hin, dass beispielsweise Fette und Öle im häuslichen Abwasser ein immer wiederkehrendes Problem wären.

“Aktuell große Schwierigkeiten verursachen aber insbesondere feuchtes Toilettenpapier bzw. feuchte Reinigungstücher”, ergänzt Buckley. Während sich normales Toilettenpapier aus Zellulose während des Reinigungsprozesses auflöse, gelangen die nichtlöslichen Feuchttücher aus reißfestem Vlies, wenn sie sich nicht bei der mechanischen Reinigung im Rechen verfangen, in die Anlage und verstopfen wichtige technische Teilbereiche. Daher richteten die beiden Klärwärter eine dringende Bitte an alle Bürger des Marktes Kallmünz und der angeschlossenen Ortsteile: “Bitte werft feuchte Toilettentücher nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll!”

Auch bei der Verwendung von Reinigungs- und Körperpflegemitteln, Kosmetika oder Medikamenten sei Umsicht geboten. Alle diese Stoffe gelangen letztlich ins Abwasser und ließen sich auch durch den Reinigungsprozess in der Kläranlage nur schwer und nicht restlos aus dem Wasser entfernen. Nach Einleitung in ein Gewässer gelange das gereinigte Abwasser, das vor seiner Verwendung noch Trinkwasser war, zurück in den Wasserkreislauf und damit letztlich auch zurück in das Trinkwasser.

Wie kann jeder Einzelne das zukünftige Trinkwasser entlasten?
“Jeder sollte zuerst das Bewusstsein für das selbst erzeugte Abwasser (wieder) mehr schärfen und umsichtiger mit Trinkwasser umgehen. Einer essenziellen, aber sehr knappen Ressource unseres Lebens”, so Buckley.

Nachdem viele Bürgerinnen und Bürger ihr Interesse an einer weiteren Führung geäußert haben, wird die Zukunftswerkstatt diese wieder anbieten.

Gut zu wissen:
Die Zukunftswerkstatt ist ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern um Initiatorin Maria Wolf, die sich für ein nachhaltiges Leben in Kallmünz und Umgebung stark machen.

“Wir beschäftigen uns mit den Themen Energie, Ernährung, Mobilität und Abfallvermeidung und möchten mit unserem Handeln direkt vor Ort Selbstwirksamkeit erleben. Wir treffen und jeden 3. Montag im Monat um 19 Uhr im IST-Zentrum Kallmünz und freuen uns über jede(n) Interessierte(n)”, so Maria Wolf.