Mord, Geisterspuk und das Büro des Altlandrats: Führung im Museum


Datum/Zeit
06.09.2016 - 19:00 Uhr

Veranstaltungsort
Oberpfälzer Volkskundemuseum


bul 1

Das ehem. Bezirksamt, heutiges Volkskundemuseum, 1920er Jahre
(Bestand: Opf. Volkskundemuseum Burglengenfeld)

 

BURGLENGENFELD. „Gemeinsam Denkmale erhalten“ ist heuer das Motto beim „Tag des offenen Denkmals”. Aus diesem Anlass beschäftigt sich die Abendführung am Dienstag, 6. September 2016, um 19 Uhr im Oberpfälzer Volkskundemuseum mit dem Gebäude und seinem besonderen Charakter als hervorragendes Baudenkmal. Museumsleiterin Dr. Margit Berwing-Wittl nimmt sich persönlich des Themas an.

Die ehemalige Große Kanzlei zu Füßen des Burgberges und direkt an der Naabbrücke gelegen, stellte seit dem 15. Jahrhundert das wichtigste Verbindungsglied zwischen wittelsbachischer und pfalz-neuburgischer Landesherrschaft auf der Burg und ziviler Bürgergesellschaft im Naabtal dar. Hier wurden über die Jahrhunderte nicht nur Steuern eingenommen, sondern auch Soldaten gemustert, Gerichtstage abgehalten und Verwaltungsaufgaben aller Art vollzogen. Nach dem 2. Weltkrieg nutzten die Amerikaner das markante Gebäude für ihre Administration im Zuge der Nachkriegsverwaltung und der Entnazifizierung. Bevor das Amt seit 1986/87 als Oberpfälzer Volkskundemuseum neu genutzt wurde, erlebte es zahlreiche Erweiterungs- und Anbauten, Modernisierungen und Verschönerungen. Diese Spuren sind an vielen Stellen noch zu finden.

Museumsleiterin Dr. Margit Berwing-Wittl kennt das Gebäude nach rund 30 Dienstjahren in- und auswendig und kann viele spannende Details erläutern und Geschichten erzählen, etwa die des früheren Landrichters Wolf Adrian von Spiering, der an Pfingsten 1652 im 2. Obergeschoss seinen eigenen Bruder aus Eifersucht ermordet hat – seitdem soll es dort nachts unheimliche Geräusche und Geisterspuk geben!

Aber das heutige Museumsgebäude hat auch andere wissenswerte Details zu bieten: So gibt es große Vorratskeller, in denen heute Fledermäuse ihren Unterschlupf gefunden haben, es gibt historische Bodenbeläge aus Solnhofener Kalkplatten, Türgewände aus Buntsandstein mit spätmittelalterlichen Steinmetzzeichen, Stuck des 16. bis 18. Jahrhunderts und eine ehemalige Rauchkuchl mit Tonnengewölben aus der frühesten Bauphase. Auch die jüngere Vergangenheit ist bis heute präsent: So erinnern sich manche Burglengenfelder noch an die ehemalige KFZ-Zulassungsstelle des Landratsamtes Burglengenfeld im Erdgeschoss oder an das repräsentative Büro von Landrat Hans Schuierer im 1. Obergeschoss vom Anfang der 1970er Jahre, bevor das neue Landratsamt in Schwandorf gebaut wurde und Burglengenfeld den Landkreissitz verlor. Schließlich findet man hier auch „Kunst am Bau“: Im nördlichen Erweiterungsflügel der Zeit um 1959 hat der außergewöhnliche Burglengenfelder Künstler Georg Weist die Wandfresken gestaltet, weshalb in diesem Bereich weitere Kunstwerke des Malers und Graphikers zu sehen sind, die er selbst dem Museum als Geschenk überlassen hat.

Wer sich also mit der Frage beschäftigen möchte, welche Eigenschaften ein mehr als 600 Jahre altes Gebäude zum Denkmal qualifizieren und welche gemeinsamen Anstrengungen nötig sind, um die Spuren der Vergangenheit zu sichern und dem heutigen Publikum zu vermitteln, ist herzlich zu einem etwa einstündigen Rundgang durch das Museum eingeladen – am Dienstag, 6. September 2016, um 19 Uhr. Die Führung kostet pro Person 0,50 €.

 

BUL Georg Weist

Wandfresko im Neubautreppenhaus von Georg Weist, 1959
(Foto: Dr. Margit Berwing-Wittl, Opf. Volkskundemuseum)

 

Lade Karte ...

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen